Umstrittene Regionalkonferenz Burschenschafter treffen sich an Hitlers Geburtstag

Am Samstag treffen sich Burschenschaften aus dem rechten, teils rechtsextremistischen Spektrum in München zu einer "Regionalkonferenz". Der Termin: 20. April, also Hitlers Geburtstag. Angeblich ist das reiner Zufall.

Von Sebastian Krass

In München treffen sich am Samstag rechte Burschenschaften zu einer sogenannten Regionalkonferenz. Auch die laut dem jüngsten bayerischen Verfassungsschutzbericht rechtsextreme Danubia ist eingeladen. Die Veranstaltung im Haus der Stauffia in der Altstadt ist Teil einer Reihe, die der Dachverband Deutsche Burschenschaft veranstaltet. Diese Regionalkonferenzen haben in den vergangenen Monaten immer wieder Proteste von Gegnern ausgelöst, etwa in Kassel und Heidelberg. In Freiburg wurde eine Konferenz daraufhin abgesagt.

Organisator der Reihe ist laut einem Verbandssprecher ein Mann namens Bruno Burchart. Er ist Mitglied der Wiener Burschenschaft Olympia, die eng mit der Danubia verbunden ist. Die Olympia hat schon öfter rechte Liedermacher und im Jahr 2005 auch den britischen Holocaustleugner David Irving zu sich eingeladen.

Ein Sprecher der Deutschen Burschenschaft sagt, die Regionalkonferenzen seien "Fortbildungsseminare, in denen junge Leute etwa in Demokratiefragen geschult werden". Zu den Inhalten und den erwarteten Teilnehmern der Konferenz, die am Samstag von 10 bis 17 Uhr stattfinden soll, machten die Deutsche Burschenschaft und die Stauffia keine Angaben.

Münchner Danubia ist laut Verfassungsschutz "rechtsextremistisch"

Vor knapp einem Jahr hat ein Danubia-Mitglied für das Verbandsorgan "Burschenschaftliche Blätter" über eine Regionalkonferenz berichtet. Demnach beklagte ein Referent auf dieser Tagung, dass "Fragen der NS-Geschichte, Frauen, Ausländer und auch das Vaterland" Tabuthemen in Deutschland seien. Um diese "Sprachdiktatur" zu brechen, sei "kämpferischer Widerspruch erste Pflicht".

Im jüngst veröffentlichten bayerischen Verfassungsschutzbericht heißt es, unter den etwa zehn aktiven Mitgliedern der Danubia seien "einzelne Personen, die Beziehungen zur rechtsextremistischen Szene unterhalten oder in der Vergangenheit unterhalten haben". Insbesondere der bis zu seinem Ausschluss im Juni in der Danubia aktive Pierre Pauly habe enge Kontakte dorthin, "vor allem zur neonazistischen Kameradschaft München". Zudem hätten Aktivisten der Münchner Neonaziszene an Veranstaltungen der Danubia teilgenommen. Auch seien immer wieder Rechtsextremisten als Referenten im Danubia-Haus aufgetreten, etwa das ehemalige NPD-Mitglied Jürgen Schwab, "einer der ideologischen Vordenker und Strategen der rechtsextremistischen Szene".

Die Burschenschaft Danubia bestreitet laut den Verfassungsschützern eine rechtsextremistische Ausrichtung und Zielsetzung. Ein Gerichtsverfahren gegen die Nennung in früheren Verfassungsschutzberichten habe das Verwaltungsgericht München aber 2012 eingestellt, "da die Burschenschaft kein Interesse mehr an der Weiterverfolgung des Verfahrens zeigte". Auf Anfrage gab die Danubia weder zur Nennung in dem Bericht noch zur Regionalkonferenz Auskunft.

Dass die Konferenz in München am 20. April stattfindet, dem Geburtstag von Adolf Hitler und noch dazu drei Tage nach dem ursprünglich geplanten Start des NSU-Prozesses in München, sei reiner Zufall, sagt ein Sprecher der Deutschen Burschenschaft: "Schlecht ist, wer dabei Schlechtes denkt."

Die Münchner Polizei hat bisher keine Hinweise auf eventuell geplante Proteste gegen das Treffen der Burschenschafter.