Im Westjordanland sind Brandsätze auf Kirchen geschleudert worden - laut Bekenneranruf aus Protest gegen die Papst-Äußerungen. Gleichzeitig nimmt die friedliche Kritik im In- und Ausland zu.
Nach den Brandanschlägen am Samstagmorgen teilte eine Gruppe namens "Löwen des Monotheismus" in einem Telefonanruf an die Nachrichtenagentur AP mit, es handele sich um einen Protest gegen die jüngsten Äußerungen von Papst Benedikt XVI. über den Islam. Geistliche und Augenzeugen bestätigten die Angriffe. Vater Jussef, ein Priester der Anglikanischen Kirche, sagte, mehrere Brandsätze hätten die Mauer seiner Kirche in Nablus getroffen. Auch eine katholischen Kirche wurde angegriffen.
Islamische Studenten in Indien verbrennen eine Papst-Figur. (© Foto: AP)
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Die Kritik der islamischen Welt an den Regensburger Äußerungen des Papstes über den Propheten Mohammed und die gewaltsame Verbreitung von Religion ist unverändert scharf. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayyub Axel Köhler, forderte eine Entschuldigung vom Oberhaupt der katholischen Kirche. "So könnte er zur Entspannung beitragen und für Klarheit sorgen", sagte Köhler der in Hannover erscheinenden Neuen Presse. Durch die Worte des Kirchenoberhaupts befürchtet Köhler neue Gewalt: "Jetzt drohen sich die Proteste wieder wie schon im Karikaturenstreit aufzuschaukeln. Das ist schlimm. Die Empörung darf nicht eskalieren."
"Verleumdung, Beleidigung, Gotteslästerung"
Die Islamische Konferenzorganisation OIC, der 57 Staaten angehören, warf dem Oberhaupt der katholischen Kirche am Freitag eine "Verleumdungskampagne" gegen den Islam vor. In verschiedenen islamischen Ländern sprachen Religionsvertreter von Beleidigung und Gotteslästerung und forderten eine Entschuldigung des Vatikans. Das pakistanische Parlament verabschiedete einstimmig eine Resolution, in der es heißt, die Äußerungen Benedikts verletzten die Gefühle der Muslime, erzeugten eine Kluft zwischen den Religionen und stellten einen Verstoß gegen die UN-Menschenrechtskonvention dar. Die Parlamentarier forderten eine Zurücknahme der Worte. Muslimische Gelehrte in Indien kritisierten die Äußerungen des Papstes als "unverantwortlich" und "blasphemisch".
Bundeskanzler Merkel hat sich unterdessen demonstrativ vor den Papst gestellt. "Wer den Papst kritisiert, verkennt die Intention seiner Rede", sagte sie in der Bild-Zeitung. Die kritisierte Ansprache sei "eine Einladung zum Dialog der Religionen, und der Papst hat sich ausdrücklich für diesen Dialog eingesetzt, den auch ich befürworte und für dringend notwendig halte".
(dpa/AP)
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