Seit einem Monat gilt das Rauchverbot in insgesamt elf Bundesländern. Aber die Umsetzung wird noch völlig unterschiedlich gehandhabt.
Auch wenn der Freistaat das schärfste Nichtrauchergesetz hat und noch nicht einmal in abgetrennten Nebenräumen oder in Bierzelten geraucht werden darf. Die Bayern sind mit der neuen Regelung, die seit 1. Januar 2008 in Kraft ist, zumeist zufrieden - zumindest, wenn man die Nichtraucher fragt. "Es ist erfreulich ruhig an dieser Front", heißt es im Gesundheitsministerium.
Seit einem Monat gilt in elf Bundesländern das Rauchverbot in Gaststätten. Zwei Drittel der Bayern befürworten das neue Gesetz. (© Foto: dpa)
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Demnach befürworten fast zwei Drittel der Bayern (65 Prozent) das Rauchverbot in Gastwirtschaften. 30 Prozent lehnen das Gesetz hingegen ab. Unter den Rauchern ist der Widerstand aber weiter groß. 75 Prozent lehnen das generelle Rauchverbot ab. Nur knapp 19 Prozent begrüßen es. Das geht aus einer Umfrage des Münchner Instituts für Marktforschung (mifm) im Auftrag des Radiosenders Bayern 1 hervor.
Insgesamt hätten die meisten Bayern lieber eine weniger strenge Regelung. Mehr als die Hälfte der Befragten wäre für die Einrichtung von abgetrennten Raucherbereichen in Gaststätten und Bierzelten. 51 Prozent befürchten, dass sich das Rauchverbot in Bierzelten negativ auf die Stimmung auswirken wird.
Frauen bewerten das Rauchverbot übrigens überdurchschnittlich positiv: 71 Prozent stimmen der Regelung zu. Bei den Männern sind es 59 Prozent. Allerdings ist der Raucheranteil unter den Männern mit einem Drittel auch deutlich höher als bei den Frauen. Von ihnen gab nur jede Fünfte Befragte angab, dass sie raucht.
Ärger gibt es derweil mit Anwohnern von Gaststätten, vor denen sich die Raucher bis weit in die Nacht versammeln. Bei der Münchner Kreisverwaltung gingen deshalb schon Beschwerden ein. Eine Alternative sehen die Bayern in Raucher- Clubs. Der erste öffnet in Kürze in der Landeshauptstadt.
Neben Bayern gilt das Rauchverbot noch in zehn weiteren Bundesländern. Aber die Umsetzung wird noch völlig unterschiedlich gehandhabt. Einige Länder reagieren mit strengen Kontrollen oder empfindlichen Strafen, andere mit Nachsicht. Das ergab eine bundesweite Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Im hessischen Taunusstein zum Beispiel musste eine Wirtin 845 Euro zahlen, weil sie selbst in ihrer Gaststätte zur Zigarette gegriffen hatte. "Schonzeit" gibt es dagegen in Rheinland-Pfalz: Dort gilt auch mit Blick auf die Karnevalszeit Straffreiheit bis zum 15. Februar.
Inzwischen gingen aber auch erste Klagen von Kneipenbesitzern gegen das Nichtraucherschutzgesetz beim Bundesverfassungsgericht ein.
So wollen sich Kneipenbesitzer aus Mannheim, Schwetzingen und Tübingen juristisch gegen das Rauchverbot wehren. In Baden- Württemberg gilt es seit einem halben Jahr. Für die rund 4500 Kneipen, Bars und Diskotheken des Landes sei das Gesetz existenzgefährdend, hieß es beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA). Die Umsatzeinbrüche lägen im zweistelligen Bereich.
Der Landesverband in Brandenburg geht von etwa 600 bedrohten Gaststätten aus. Immerhin können sich Raucher hier noch in abgetrennten Räumen weiter in ihrem Dunstkreis bewegen.
In Nordrhein-Westfalen darf seit Anfang des Jahres nicht mehr in öffentlichen Gebäuden wie Verwaltungen, Kinos, Krankenhäusern oder Flughäfen geraucht werden. Die Gastwirte zwischen Rhein und Weser sind froh, dass für sie das Rauchverbot erst vom 1. Juli an gilt, denn dann können Nikotinsüchtige im Freien sitzen. In den niedersächsischen Kommunen scheint das Rauchverbot kaum Probleme zu bereiten. Allerdings will der DEHOGA Ausnahmegenehmigungen für kleine Kneipen durchsetzen, die kräftige Einbußen hatten. Bisher gingen die niedersächsischen Gemeinden noch gnädig mit Sündern um.
In Hannover gingen seit November 105 Hinweise wegen diverser Verstöße ein. In 36 Fällen wurden Verfahren eingeleitet. Bußgelder seien aber noch nicht verhängt worden, hieß es bei der Stadtverwaltung. Braunschweig hingegen kassierte von einem Wirt bereits 100 Euro.
Eine Kleinigkeit im Vergleich zu den 1000-Euro-Strafen, mit denen Berliner Wirte bei Verstößen rechnen müssen. Die Stadt räumt ihren Rauchern noch eine Gnadenfrist bis zum 1. Juli ein.
Nicht allerorten werden die Anti-Tabak-Kampagnen wirklich ernst enommen. "Es gibt leider Gaststättenbetreiber, die offenkundig vorsätzlich das Gesetz unterlaufen", bemängelte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Sachsen-Anhalt. Übergangsregelungen würden als Freibrief gedeutet. In anderen Bereichen aber werde das seit dem 1. Januar bestehende Rauchverbot "weitestgehend geräuschlos umgesetzt".
Während das Nachbarland Sachsen an diesem Freitag den blauen Dunst aus Kneipen und öffentlichen Gebäuden verbannen will, können Thüringer noch ungebremst bis zum 1. Juli qualmen, und danach in Raucherzimmern - sofern vorhanden.
(dpa/ddp-bay/bica/mako)
Szene München
Sollen doch die kleinen Wirte ihre Kneipe neu streichen und ihre Möbel grundsanieren. Ausserdem sollen sie bitte den Mund halten, die sind doch selbst schuld, oder? Die hätten doch schon vorher einen Teil der kleinen Kneipe abtrennen können und einen Bereich anbieten, den keiner genutzt hätte. Richtig?
Ich bin seit 4 Jahren Nichtraucher, und ich freue mich über das Rauchverbot - auch wenn ich jetzt Sachen rieche, die vorher gnädig übertünkt wurden. Aber wer von uns Moralaposteln geht denn in die kleine Kneipe, die man jetzt besuchen kann, weil sie doch rauchfrei ist? Von wem bekommen die Wirte den Umsatz, den sie zum Überleben brauchen? Von "DerekReign" oder von "leicht"? Wohl nicht, oder, meine Herren?
Die Nichtraucher sind aufgerufen, das zu tun, was man erwartet. Jetzt gehen nämlich alle in alle Kneipen, weil ja keiner mehr raucht. Richtig? Genau so, wie keiner mehr BenQ, Nokia oder Elektrolux kauft.
Bevor wir also anderen, die für ihr Geld genau so arbeiten, das Wasser abgraben und dann noch hämisch lachen, sollten wir etwas genauer überlegen.
Also, erst Hirn an, dann Mund auf.
"ebenso wie meine persönlich Erfahrung im Bekanntenkreis, dass auch die Mehrheit der Nichtraucher einer Ausnahme zustimmen würden"
Komisch, in MEINEM Bekanntenkreis sind die meisten da ganz anderer Meinung...
@Velti01: Ich wäre für Forentrolle. ;)
In einer aktuellen Umfrage der Welt sprechen sich allerdings auch um die 80% der immerhin 12 000 Teilnehmer für eine Lockerung der Regelungen für Eckkneipen aus. 10% wäre das egal und gerade mal 10% wollen auch dort unbedingt auf Rauch verzichten.
Gerade diese kleinen Kneipen sind ja besonders betroffen vom Rauchverbot und diese Zahlen zeigen meiner Meinung nach, ebenso wie meine persönlich Erfahrung im Bekanntenkreis, dass auch die Mehrheit der Nichtraucher einer Ausnahme zustimmen würden.
Deswegen eine Bitte an so manchen Rauch-fan, bitte nicht alle Nichtraucher über einen Kamm scheren. Die meisten gönnen euch eure Lungentorpedos. ;)
So, die Raucher haben wir nun am Boden - wer kommt als nächstes?
Die Wirte haben über viele Jahre auf das falsche Pferd gesetzt. Nun schlägt das Pendel in die andere Richtung aus. Jetzt gibt es für sie eine gewisse Durststrecke. Diese könnten sie verkürzen, wenn Sie Ihre Räume entseuchen (Frisch streichen, Möbel grundreinigen). Selbst nach 1 Monat stinken Gaststätten noch erbärmlich. Auch überträgt sich der Gestank noch von den Stühlen auf die Kleider.
So schlimm ist das für die Berufsjammerer (Wirte) nun wirklich nicht. Seit dem ich wieder in Gaststätten gehe ... es ist voll, und erstaunlich viele Familien mit kleinen Kindern. So kanns bleiben oder noch besser werden mit einem nächsten Schritt, daß auch im Freien nur im Abstand von mindestens 10m von nichtrauchenden Menschen die Luft verpestet werden darf.
leicht
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