Eine Umfrage zeigt, wie sehr das "alte Europa" an Obama glaubt - mehr als die Amerikaner selbst. Die sehen ihre Außenpolitik und Kultur überraschend selbstkritisch.
Wenn Angela Merkel sich an diesem Freitag in Washington mit Barack Obama trifft, repräsentiert sie dort ein Europa, das mehr an den amerikanischen Präsidenten glaubt als sein eigenes Volk. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung. Das Ergebnis: In Westeuropa hat die Amtszeit von George W. Bush tiefe Enttäuschung hinterlassen. Umso mehr Bürger setzen dort ihre Hoffnungen in den neuen Präsidenten. In Osteuropa zeigt sich ein anderes Bild.
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Laut einer Umfrage glauben vor allem die Bürger Westeuropas an eine Verbesserung der amerikanischen Außenpolitik durch Barack Obama. (© Foto: AP)
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Die Nürnberger Marktforscher der GfK befragten für die Studie im Auftrag des Wall Street Journal mehr als 18.000 Menschen in 17 europäischen Ländern - und den USA selbst. Laut den Umfrageergebnissen glauben 82 Prozent der Deutschen, dass der neue Mann im Weißen Haus den amerikanischen Einfluss besser einsetzen wird als sein Vorgänger.
In Italien sind es genauso viele, in Schweden und Belgien zeigen sogar 84 Prozent Obama-Optimismus. Dagegen glauben nur 61 Prozent der Amerikaner daran, dass seine Wahl positive Auswirkungen auf das Weltgeschehen haben wird; das ist immerhin ein höherer Anteil als sein Wahlergebnis vom November vermuten ließe.
Die Hoffnungen, die Westeuropäer in Obama setzen, hängen direkt mit ihrer Enttäuschung über die Amtszeit George W. Bushs zusammen. Die alte Welt hat die Ignoranz seiner Regierung gegenüber der Öffentlichkeit, Guantanamo, die nie gefundenen Massenvernichtungswaffen und das Chaos im Irak nicht vergessen: 73 Prozent der Deutschen bewerten den amerikanischen Einfluss während der letzten fünf Jahre als negativ. In Frankreich sind es 74, in der Schweiz 80 und in Griechenland sogar 88 Prozent.
Trotz der Ablehnung der außenpolitischen Abenteuer der Regierung Bush lässt die Studie nicht darauf schließen, dass in Deutschland eine neue Generation von verbitterten Antiamerikanern heranwächst. Je jünger die Befragten, desto weniger von ihnen hatten eine negative Einstellung zur US-Politik der letzten Jahre.
Russen haben das schlechteste Amerikabild
Die Hoffnung auf positiven change herrscht allerdings nur in den Ländern Westeuropas, die der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als "altes Europa" bezeichnete, weil sie sich der Invasion im Irak verweigerten.
In Polen, Rumänien und Bulgarien glauben dagegen weniger als 50 Prozent, dass sich die US-Politik unter Obama bessern wird. Die Einwohner dieser Länder sind es auch, die laut Umfrage mit George W. Bushs Politik zufrieden waren: Alle drei Staaten waren Teil der "Koalition der Willigen" und sandten unter amerikanischer Führung Truppen in den Irak.
Das pessimistischste Amerikabild herrscht in Russland vor. Nur sechs Prozent der Russen geben der US-Politk der vergangenen Jahre gute Noten, gleichzeitig setzt nur ein Viertel Hoffnungen in Obama. Nur in Ungarn finden weniger Menschen Gutes an der amerikanischen Kultur. Allerdings: Nur ein Prozent der russischen Befragten gab an, schon einmal in den USA gewesen zu sein.
Kritik am eigenen Kulturexport
Die Amerikaner zeigen in der Studie ein Maß an Selbstkritik, das manchen überraschen wird: 69 Prozent glauben, dass der politische Einfluss ihres Landes in den letzten fünf Jahren eher negativ war - sieben Prozentpunkte mehr als im europäischen Durchschnitt.
Auch wenn es um den Kulturexport ihres Landes geht, zeigen sich viele Amerikaner bescheiden: 46 Prozent von ihnen halten ihn für negativ - verglichen mit 32 Prozent in Europa und 36 Prozent in Deutschland; nur ein Drittel der befragten US-Bürger hält die Kulturgüter für eine Bereicherung anderer Länder.
Die Westeuropäer sehen die amerikanische Kultur skeptisch, lehnen sie aber weniger ab als die Politik, die unter George W. Bush in Washington gemacht wurde.
Beliebt sind amerikanische Musik und Sport, vor allem aber Hollywood- und Fernsehproduktionen. Von "Transformers" bis "Grey's Anatomy": 42 Prozent der befragten Deutschen nannten Filme und TV-Serien als besten Kulturexport der USA. Damit landen die bewegten Bilder mit großem Abstand vor Musik (16 Prozent) und Sport (15 Prozent) von jenseits des Atlantiks.
(sueddeutsche.de/woja/gba)
Die Ärzte in München
Zur Finanzkrise und Lage der Welt könnte Frau Merkel gegenüber Obama ein Wort von dem Mann zitieren, den sie einst empfangen hat und wo man bis heute nicht so recht weiß, ob sie das damals nur - wie vieles andere - zum Wählerfang getan hat: "Dalai Lama hält Gier für Ursache der Krise." Die Dame könnte sich heute mit einem ähnlich einfachen Satz auf den Dalai Lama beziehen - dann würde sie auch für mich glaubwürdiger. So ist und bleibt sie aber nur eine geschickte Trickserin!
Angela Merkel,werde den USA in allen Bereichen Diener und Untertan sein.
aha, wieder mal was dazugelernt: Die amerikanische Bevölkerung kommt in unserer Presse ganz selten zu Wort...
Mir würde es bereits reichen, wenn die deutsche Bevölkerung in "unserer" Presse hinreichend zu Wort kommen würde.
Das Problem ist nur, dass wir hier im Ländle ausser zum Malochen, Kohle abdrücken, Maul halten und fleissig Kreuzchen machen, damit unsere "Weiter so´s" ihre Legitimation haben, offenbar zu nichts zu gebrauchen sind.
Wen interessiert denn schon, was wir denken - warum sollte uns das interessieren, was ein Baumwollpflücker denkt?
Die USA sind, wie einige andere Kommentatoren richtig festgestellt haben, innenpolitisch noch immer stark zerstritten. Grundsaetzlich zieht sich eine Art Trennlinie durch das Land, die die Bevoelkerung ziemlich genau mittenmang spaltet: Auf der einen Seite die Progressiven, die wirklich in ihrem Land etwas veraendern wollen, auf der anderen Seite die ewig Gestrigen.
Obama klebt momentan nur Pflaster auf die klaffenden Wunden Amerikas, was anderes kann er vermutlich kurzfristig auch gar nicht machen. Langfristig koennen die USA nur aus der Misere kommen, wenn sie neue Werte schaffen - das heisst Qualitaetsprodukte erstellen, die auf der Welt gebraucht werden, zu einem vernuenftigen Preis. Davon sind die Amerikaner aber leider Lichtjahre entfernt. Die alten Tugenden Amerikas, der sprichwoertliche Innovationsgeist und die Faehigkeit, sich sozusagen an den eigenen Haaren aus dem Schlamm zu ziehen dank grossartiger Improvisationskuenste - das ist alles momentan nicht sichtbar.
Statt dessen ist die Bevoelkerung weitestgehend demotiviert, uebergewichtig, krank und, im Vergleich zum "alten Europa", im Bereich Bildung hoffnungslos unterlegen. Einige wenige Machtoligarchen (grosse Corporations mit Unterstuetzung der Politiker und Lobbyisten) kontrollieren den gesamten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ablauf in den USA, darunter auch die Medien und natuerlich die Werbewirtschaft.
Es wird ein langer Weg werden fuer die USA, und all diejenigen, die diesen Weg mitgehen wollen.
Die amerikanische Bevölkerung, die in unserer Presse ganz selten zu Wort kommt, büsst schon lange für den Übermut der reichen Minderheit, die jetzt vor einem Scherbenhaufen stehen. Die Legitimationen haben dort ihre Wirkung längst verloren. Das Märchenland Amerika existiert nur noch in den Köpfen unbelehrbarer Nachbeter, die nicht merken, das sie schon längst den Kürzeren gezogen haben.
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