Roland Koch auf verlorenem Posten: Einer Umfrage zufolge wollen die meisten Hessen, dass er als Ministerpräsident zurücktritt. Kanzlerin Merkel wies indes Spekulationen zurück, Koch könne ins Bundeskabinett wechseln.

Die Mehrheit der hessischen Bürger will einer Umfrage zufolge, dass Ministerpräsident Roland Koch sein Amt aufgibt. Wie eine Forsa-Erhebung ergab, finden 60 Prozent der Hessen, Koch solle zurücktreten.

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Auf verlorenem Posten: Die Mehrheit der Hessen will Roland Kochs Rücktritt - und Kanzlerin Merkel das Kabinett seinetwegen nicht umbilden. (© Foto: dpa)

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Lediglich 32 Prozent sind demnach der Ansicht, Koch solle im Amt bleiben. Auf Bundesebene plädiert ebenfalls die Hälfte der Bürger für seinen Rückzug. Rund ein Drittel der Bundesbürger (35 Prozent) ist hingegen für eine Amtsfortführung.

Mehr Rückhalt hat Koch unter den Unionsanhängern: 63 Prozent sind der Ansicht, Koch solle Ministerpräsident in Hessen bleiben, 29 Prozent sind anderer Ansicht.

Angesichts des politischen Patts würden die Bundesbürger am ehesten die Bildung einer Koalition aus CDU und SPD befürworten: In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid sprachen sich 27 Prozent für Schwarz-Rot aus. Für eine Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen plädierten 18 Prozent der Befragten, ebenso viele sehen in einer rot-rot-grünen Regierung eine Lösung für Hessen. Eine Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen kommt auf eine Zustimmung von 14 Prozent.

Ebenfalls deutlich ist die Meinung der Bürger mit Blick auf mögliche Neuwahlen: 51 Prozent finden, die Politik sollte das Wählervotum vom Sonntag umsetzen, nur 36 Prozent sind gegebenenfalls für Neuwahlen.

Indes wies Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Spekulationen über eine Regierungsumbildung nach der Hessen-Wahl zurück. "Die Bundeskanzlerin hegt keine Absicht, das Kabinett umzubilden", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin.

Nach den dramatischen Stimmverlusten für die hessische CDU war immer wieder spekuliert worden, Koch könnte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ablösen. Dieser wurde als Nachfolger für den als Koch-Vertrauten geltenden Verteidigungsminister Franz Josef Jung gehandelt, der dann in die Landesregierung nach Wiesbaden wechseln könnte.

Auch Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein hatte am Dienstag davon gesprochen, dass Koch in wichtigen Funktionen gebraucht werde, "ob in Hessen oder in Berlin". Der CDU-Wirtschaftsrat brachte Koch bereits für die Zeit nach der nächsten Bundestagswahl 2009 als Wirtschaftsminister ins Gespräch.

Jung selbst hatte einer Zeitung gesagt, er wolle Verteidigungsminister bleiben. Merkels Sprecher Steg sagte, Überlegungen zu einer Kabinettsumbildung seien "außerordentlich hypothetisch, weil der Fall nicht eintritt". Die Bundeskanzlerin habe im Kabinett "ja alle, die sie möchte".

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(AP/Reuters/aho/schä)