Die Linkspartei kann sich über Spitzenwerte in der Wählergunst freuen: Bei einer Bundestagswahl wäre sie im Osten derzeit stärkste Partei - und auch im Westen würde sie ein zweistelliges Ergebnis einfahren. Derweil brechen die Umfragewerte der SPD und ihres Parteichefs Beck ein.

Die Linkspartei hat einen Spitzenwert in der Wählergunst erreicht. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme sie mit zwölf Prozent auf den höchsten Stand seit Juli 2005, ergab der am Donnerstag veröffentlichte ARD-Deutschlandtrend. Im Osten ist sie mit 30 Prozent sogar die stärkste Partei.

Oskar Lafontaine, Reuters

Linke-Chef Oskar Lafontaine kann die momentane Entwicklung entspannt betrachten: Während die Zustimmung für die SPD sinkt, erfreut sich seine Partei wachsenden Zuspruchs. (© Foto: Reuters)

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Mehr als jeder vierte Bundesbürger (27 Prozent) könnte sich vorstellen, die Linke zu wählen; 73 Prozent können sich dies nicht vorstellen. Die Linkspartei war als möglicher Kooperationspartner der SPD bei der Regierungsbildung in Hessen auch im Westen in eine Schlüsselrolle gekommen.

SPD-Chef Kurt Beck ist nach dem Streit über seinen Kurs in dieser Frage bei der Zufriedenheit der Bürger hingegen auf einem Tiefpunkt angelangt. Nur noch 32 Prozent der Wähler sind mit seiner Arbeit zufrieden, das entspricht sieben Punkten weniger als im Februar und ist der niedrigste für ihn bisher gemessene Wert.

Eine Kanzlerkandidatur Becks findet in der Bevölkerung kaum noch Unterstützung: Nur 24 Prozent der Wähler halten ihn für den besten sozialdemokratischen Kandidaten, wie eine Forsa-Umfrage für den Nachrichtensender n-tv ergab. Das waren drei Prozent weniger als im Vormonat.

"Schwarz-Grün ausprobieren"

In der Forsa-Umfrage erklärten 51 Prozent der etwa 1000 Befragten, Außenminister Frank-Walter Steinmeier wäre der bessere Kandidat für das Kanzleramt. Auch bei den SPD-Wählern hat Steinmeier demnach einen klaren Vorsprung von 54 zu 27 Prozent.

Forsa-Chef Manfred Güllner bezeichnete eine Kandidatur Becks im Münchner Merkur deshalb als "völlig aussichtslos". Dass sich nur ein Viertel der SPD-Wähler für Beck ausspreche, lasse erahnen, "was ihm bevorsteht, würde er sich tatsächlich zur Kandidatur entscheiden".

Im ARD-Deutschlandtrend büßen die Sozialdemokraten bei der Sonntagsfrage zwei Punkte auf 28 Prozent ein. Sie liegen damit klar hinter der Union, die sich um einen Punkt auf 39 Prozent verbessert. Die FDP verliert einen Punkt auf acht Prozent. Die Grünen legen um einen Punkt auf jetzt zehn Prozent zu. Für die Sonntagsfrage sprach Infratest dimap mit 1500 Wahlberechtigten.

Könnten die Deutschen den Bundeskanzler direkt wählen und würde Beck für die SPD antreten, würden sich laut ARD nur noch 20 Prozent für den SPD-Chef, aber 62 Prozent für Angela Merkel entscheiden. Bei einer Wahl zwischen Steinmeier und Merkel würden sich 53 Prozent für die Amtsinhaberin und 31 Prozent für den Außenminister entscheiden.

Mit Blick auf die Koalitionsgespräche in Hamburg erklärten 60 Prozent, Schwarz-Grün könne "allenfalls eine Notlösung sein". Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) sagte, eine solche Koalition würde wichtige Entscheidungen blockieren. Dennoch würde sich mehr als jeder Zweite (55 Prozent) freuen, "wenn Schwarz-Grün ausprobiert werden würde".

Bei den Unions-Anhängern sagten dies 59 Prozent, bei den Grünen-Anhängern 69 Prozent. Rund 49 Prozent aller Befragten sind zudem der Meinung, Schwarz-Grün sei "eine gute Verbindung ist, weil sie sich um Wirtschaft und Umwelt kümmern kann."

Für die Sonntagsfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap 1500 Wahlberechtigte, zu den übrigen Themen wurden 1000 Personen befragt.

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(Reuters/gal/gba)