Umfrage der EU-Kommission Mehrheit der Deutschen lehnt Zuwanderung aus Nicht-EU-Staaten ab

  • Die Deutschen sind mehrheitlich gegen Zuwanderung aus Nicht-EU-Ländern: 61 Prozent lehnen Immigranten von außerhalb Europas ab.
  • Einwanderung ist für 37 Prozent der Bundesbürger das wichtigste Problem in Europa, noch vor der Schuldenkrise. Europaweit ist Immigration weit weniger ein Thema: Hier gilt die Arbeitslosigkeit als dringlichstes Problem, gefolgt von der wirtschaftlichen Situation.
  • Das Ausmaß von Migration werde in Deutschland überschätzt, ebenso die damit angeblich verbundenen Probleme, sagt der Sozialpsychologe Andreas Zick.
  • Die meisten Zuwanderer nach Deutschland kommen aus Osteuropa.

Deutsche sehen Einwanderung überwiegend kritisch

Fast zwei Drittel der Deutschen sind gegen Einwanderung aus Ländern außerhalb der Europäischen Union. Das geht aus der nationalen Auswertung des jüngsten "Eurobarometers" im Auftrag der EU-Kommission hervor. Demnach sind die Bundesbürger mit ihrer Haltung (61 Prozent dagegen) etwas kritischer als der Durchschnitt aller befragten Europäer, von denen 57 Prozent Einwanderer aus Nicht-EU-Ländern ablehnen.

Noch höher als in Deutschland ist die Ablehnung etwa in Italien (75 Prozent), Lettland (79 Prozent) oder in der Slowakei (74 Prozent). Geringer ist sie in Schweden (25 Prozent), Großbritannien (57 Prozent) und Frankreich (58 Prozent). Der Einwanderung aus EU-Ländern steht immerhin die Hälfte der Deutschen positiv gegenüber.

Einwanderung ist für 37 Prozent der Deutschen das wichtigste Problem in Europa, noch vor der Schuldenkrise. Europaweit ist Immigration weit weniger ein vordringliches Thema (18 Prozent). Nur Großbritannien (38 Prozent) und Malta (57 Prozent) messen der Einwanderung ähnliche Priorität zu wie die befragten deutschen Bürger. Im europäischen Schnitt steht die Arbeitslosigkeit an der Spitze der Probleme (45 Prozent), gefolgt von der wirtschaftlichen Situation (24 Prozent).

"Das Thema Migration ist brisanter geworden und hat die Mitte der Gesellschaft erreicht", sagte der Vertreter der EU-Kommission, Richard Kühnel. Bessere Integration von Zuwanderern aus Drittländern sei eine gemeinsame Aufgabe. Auch der Schutz von Flüchtlingen, die über das Mittelmeer in die EU kommen, müsse verbessert werden. "Hier sollten wir mehr machen", sagte Kühnel zu der als unzureichend kritisierten EU-Mission Triton. "Jede neue Katastrophe führt uns vor Augen, dass wir noch mehr machen sollten."

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Experte beklagt "Zwei-Klassen-Blick" auf Zuwanderer

Der Sozialpsychologe Andreas Zick beklagt einen "Zwei-Klassen-Blick" auf Zuwanderer in Deutschland. "Es wird unterschieden zwischen 'passenden' und 'unpassenden' Zuwanderern - zwischen den 'guten' und 'weniger guten'", sagte der Bielefelder Konfliktforscher angesichts der Umfrage-Ergebnisse. "In Deutschland wird eine Art Zwei-Klassen-Gesellschaft von Zuwanderern aufgemacht", sagte Zick. Das führe zu Problemen und werde auch von rechtspopulistischen Strömungen genutzt, wie zuletzt von der Pegida-Bewegung. In diesem Schema gelte die Auffassung: "Die in Europa sind uns ähnlich, die anderen nicht."

Deutschland habe es über Jahre versäumt, ein vernünftiges Integrationskonzept zu entwickeln, kritisierte der Wissenschaftler. "Bei Zuwanderung denken die Menschen zuerst an Belastung." Das Ausmaß von Migration werde außerdem überschätzt, ebenso die damit angeblich verbundenen Probleme. "Wir haben in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit zu schlecht über Zuwanderung geredet", sagte er. Das Thema werde überwiegend als Problem diskutiert, gespickt mit negativen Emotionen und negativen Stereotypen. Zick betonte: "Wir profitieren von Zuwanderung." Die Chancen und positiven Effekte würden in der Öffentlichkeit aber zu wenig wahrgenommen.

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Woher die Zuwanderer kommen

Ein Großteil der Zuwanderer nach Deutschland kommt aus Osteuropa. Im ersten Halbjahr 2014 zogen 667 000 Menschen in die Bundesrepublik. Das seien 112 000 bzw. 20 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt mit. Gleichzeitig hätten 427 000 Personen das Land verlassen. Die Zahl der Zuzüge übertraf die der Wegzüge damit um 240 000.

"Die meisten ausländischen Zugezogenen stammten aus Europa", erklärten die Statistiker. Nummer eins ist Rumänien (98 000), gefolgt von Polen (96 000) und Bulgarien (38 000). "In den Fällen von Rumänien und Bulgarien kann als eine der Ursachen die ab 2014 geltende vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit angesehen werden, die sieben Jahre nach dem EU-Beitritt der beiden Staaten in Kraft getreten war", so das Statistikamt.

Unter den nichteuropäischen Staaten nahm die Zuwanderung aus dem Bürgerkriegsland Syrien besonders stark zu - um 242 Prozent auf 22 000. Wegen der Schulden- und Wirtschaftskrise kommen auch viele Einwohner aus einigen südlichen Euro-Ländern nach Deutschland. Der Zuzug aus Italien erhöhte sich um 28 Prozent, der aus Spanien um ein Prozent. Auch aus Bosnien-Herzegowina sowie aus Serbien kamen mehr Menschen nach Deutschland. Dagegen nahm die Zuwanderung aus Griechenland um sieben Prozent ab.

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