Umbau im Familienministerium Rauswurf der letzten Hoffnung

Familienministerin Kristina Schröder entlässt ihre allseits angesehene und zugleich wichtigste Gleichstellungsexpertin - Frauenverbände und Parteifreundinnen protestieren. Von einem "bestürzenden Signal" und einer "unsouveränen Ministerin" ist die Rede.

Von Robert Roßmann, Berlin

Dass es für Kristina Schröder besonders gut läuft, würde sich vermutlich nicht einmal ihr Sprecher zu behaupten trauen. Die Bundesfamilienministerin hat sich mit ihrem Einsatz für das Betreuungsgeld und gegen eine feste Frauenquote viele Feindinnen gemacht. Mit dem Buch "Danke, emanzipiert sind wir selber!" verprellte sie dann auch noch die wohlmeinendsten Geschlechtsgenossinnen. Schlimmer geht's nimmer, dachten ihre Kritikerinnen. Doch Kristina Schröder hat sie jetzt eines besseren belehrt.

Ministerin Kristina Schröder soll die Entlassung im Bundestag erklären.

(Foto: dapd)

Die Christdemokratin hat die Spitze ihres Ministeriums an zwei wichtigen Stellen umgebaut - und damit einen neuen Proteststurm bis hinein in die eigenen Reihen ausgelöst. Zum Staatssekretär ernannte Schröder keine engagierte Frau, sondern den Niedersachsen Lutz Stroppe. Der Mann war jahrelang Büroleiter von Altkanzler Helmut Kohl. Gleichzeitig versetzte Schröder ihre wichtigste Expertin für Frauenpolitik mit sofortiger Wirkung in den einstweiligen Ruhestand. Die 53-jährige Eva Maria Welskop-Deffaa leitete bisher die Abteilung "Gleichstellung und Chancengleichheit". Sie war für viele Frauenverbände so etwas wie die letzte Hoffnung im Schröder-Ministerium - entsprechend groß ist jetzt der Aufschrei.

Die Sprecherinnen der 1600 kommunalen Frauenbeauftragten in Deutschland beklagen in einem gemeinsamen Brief an die Bundeskanzlerin das "bestürzende Signal". Wegen des Rauswurfs der "äußerst kompetenten, gut informierten und strategisch klugen Ansprechpartnerin" Welskop-Deffaa habe man "die Gewissheit verloren", zusammen mit dem Ministerium an einem Ziel zu arbeiten.

Muntere Spekulationen

Die Gruppe der Frauen in der Unionsfraktion (GdF) reagierte nicht minder entsetzt. Offen äußern wollte sich aber keine der Abgeordneten, sie stehen im Streit um Frauenquote und Betreuungsgeld schon jetzt unter erheblichem Druck. Und so sagte GdF-Chefin Rita Pawelski lediglich: "Wir haben die Abteilungsleiterin als sehr kompetent erlebt." Über Kristina Schröder hat die GdF noch keine derartigen Komplimente verloren.

Eine offizielle Begründung für den Rauswurf der Abteilungsleiterin gibt es nicht, deshalb wird auch in der Union munter spekuliert: Die einen weisen darauf hin, dass Welskop-Deffaa von Schröders Vorgängerin Ursula von der Leyen zur Abteilungsleiterin ernannt worden sei und als deren Ziehkind gelte. Schröder und von der Leyen seien sich jedoch genauso innig verbunden wie Ségolène Royal und Valérie Trierweiler. Schröder habe Welskop-Deffaa deshalb nicht mehr in ihrer Nähe haben wollen.

Andere sagen, Schröder habe in der Abteilungsleiterin ein U-Boot der Frauenunion in ihrem Ministerium gesehen. Frauenunionschefin Maria Böhmer und ihre Stellvertreterin Annegret Kramp-Karrenbauer plädieren - anders als die Ministerin - für eine feste Frauenquote in Aufsichtsräten, das Betreuungsgeld sehen sie skeptisch. Was Schröder genau bewogen hat, weiß aber niemand aus erster Hand. Sicher ist nur, dass sich Welskop-Deffaa bei ihren Auftritten immer loyal gegenüber der Ministerin verhalten hat.

Ansehen auch bei SPD und Grünen

Die Mutter dreier erwachsener Kinder hat zwar eine katholische Biografie. Vor ihrer Zeit im Ministerium war sie Grundsatzreferentin des Katholischen Frauenbundes und Referatsleiterin beim Zentralkomitee der Katholiken. Trotzdem genießt sie auch bei SPD und Grünen hohes Ansehen. Dank ihres Einsatzes für die Frauenpolitik sitzt sie in einer Vielzahl nationaler und internationaler Gremien. Unter anderem ist Welskop-Deffaa Verwaltungsratschefin des Europäischen Gleichstellungsinstituts in Vilnius.

"Sie ist eine der am besten vernetzten Frauenpolitikerinnen", sagt auch die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, Ekin Deligöz. Der Rauswurf zeige, "wie unsouverän Ministerin Schröder ist". Die frühere Familienausschuss-Vorsitzende Kerstin Griese (SPD) hält es "für einen Skandal, dass eine kompetente Abteilungsleiterin ein Jahr vor der Wahl rausgeworfen wird".

Griese hat deshalb eine Anfrage im Bundestag gestellt. Bis Mitte der Woche muss das Ministerium jetzt erklären, "aus welchen politischen oder fachlichen Gründen" es Welskop-Deffaa in den Ruhestand versetzt hat.