Ultrakatholische Hetzseite Verfassungsschutz brandmarkt kreuz.net

Auf dem Online-Portal kreuz.net hetzen Holocaust-Leugner, Homophobe und Rassisten, der Verfassungsschutz spricht von "menschenverachtender Propaganda". Die Verantwortlichen sind schwer zu belangen, sie operieren meist anonym. Nicht jedoch einige Autoren: Einer von ihnen veröffentlicht unter dem Namen eines Vorstandsmitglieds der rechtsradikalen Initiative "Pro Köln".

Von Hannah Beitzer und Oliver Das Gupta

"Katholische Nachrichten" will die Seite angeblich liefern - doch der Leser bekommt stattdessen Hetze gegen Homosexuelle, Muslime und kaum verhüllten Antisemitismus. Das Online-Portal kreuz.net sieht im Missbrauchsskandal eine kirchenfeindliche Verschwörung und stellt all jene an den Pranger, die eine andere Meinung vertreten als die Autoren: einen schwulen Theologen zum Beispiel - oder auch Geistliche, die das Gespräch mit Homosexuellen suchen. In den Foren toben sich Holocaust-Leugner und Islam-Hasser aus. Unzensiert, versteht sich.

Das ist auch dem Verfassungsschutz nicht entgangen, der in Person seines Präsidenten Heinz Fromm auf eine Anfrage des Parlamentarischen Geschäftsführers der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, antwortet: "Sowohl die Artikel als auch die Kommentare auf dieser Internetpräsenz sind häufig gekennzeichnet durch homophobe, muslimfeindliche und antisemitische Äußerungen, die teilweise eine extrem aggressive Diktion aufweisen."

Etliche Einträge seien nicht vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt, die Grenzen zur Strafbarkeit überschritten. "Menschenverachtende Propaganda" werde verbreitet. Außerdem lägen "Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung" vor, heißt es in dem Schreiben, das Süddeutsche.de vorliegt.

Allein: Die Macher der Seite zur Verantwortung zu ziehen, ist bisher nicht möglich. Sie bleiben anonym, die Seite ist auf den Bahamas registriert, der Server laut Verfassungsschutz in Kanada. Wer dahintersteckt, ist unklar.

Die katholische Kirche hat sich bereits mehrmals entschieden von dem Portal distanziert. "Was kreuz.net veröffentlicht, ist schlimm und entbehrt jeder Grundlage", heißt es etwa von der Deutschen Bischofskonferenz. Auch der Grüne und offen zu seiner Homosexualität stehende Volker Beck, den mit der Kirche nicht gerade die größte Liebe verbindet, erklärt, dass sich Kirche und Bischöfe entschieden von der Hass-Seite abgrenzen.

Ideologisch stehen die Macher den Pius-Brüdern nahe, jenen ultrakonservativen Frömmlern, die sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil abgespalten haben.

Die umstrittenen Fundamentalisten dementieren, etwas mit kreuz.net zu tun zu haben, doch die Macher der Seite loben die Brüder - und verteidigen mit Verve den Holocaust-Leugner und Pius-Bruder Richard Williamson.

Alle Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit

Die Verantwortlichen sind also anonym - aber nicht alle Autoren, heißt es in der Antwort des Verfassungschutzes weiter. Einige Beiträge erschienen "unter dem Namen real existierender Personen" - darunter auch ein Vorstandsmitglied der rechtsextremen Bewegung "Pro Köln".

Volker Beck glaubt nicht an einen Zufall: "Hier zeigt sich, dass es Bündnisse von Leuten gibt, die alle Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit propagieren", sagt er zu Süddeutsche.de. "Mal agieren sie judenfeindlich, mal homosexuellenfeindlich, mal islamfeindlich - das lässt sich austauschen."