Ultra-orthodoxe Soldaten in Israel Schweigt, ihr Sirenen!

In Israel flüchteten strenggläubige Soldaten vor Frauengesang - legitim sagen einige Rabbiner und verlangen gar ein Verbot von weiblichem Gesang in der Armee. Seit das Militär verstärkt um ultra-orthodoxe Juden wirbt, gibt es mehrere Streitpunkte in der israelischen Armee.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Weib und Gesang sind eine Mischung, die nicht jedem bekommt, selbst wenn gar kein Wein mit im Spiel ist. Man denke nur an die Sirenen aus der griechischen Mythologie, vielleicht auch an Celine Dion oder Mariah Carey, und schon lässt sich folgern: Das Betörende kann durchaus gefährlich sein, womöglich sogar für Leib und Leben.

Einem Schutzinstinkt folgend haben deshalb in Israel ein paar besonders strenggläubige Offiziersanwärter das Weite gesucht, als bei einer Armee-Feier plötzlich Frauengesang die Zuhörer umschmeichelte. Weil sie um keinen Preis zurückkommen wollten, wurden die Soldaten dann wegen Befehlsverweigerung aus dem Offizierskurs geworfen.

Doch nun geben ihnen die mächtigsten Rabbiner des Landes Rückendeckung: Sie verlangen von der Militärführung, dass künftig keine Frauen mehr vor religiösen Soldaten singen sollen.

Ein Kulturkampf bahnt sich an. Es geht um die Moral der Truppe, und das ist in Israel ein ernstes Thema, zumal die Armee im Wandel ist. Früher waren die Streitkräfte eine durch und durch säkulare Einrichtung, heute sehen sie manche sogar schon recht alarmistisch von jüdischen "Heiligen Kriegern" unterwandert.

Tatsache ist, dass zum einen verstärkt geworben wird um ultra-orthodoxe Juden, die anders als alle anderen jungen Männer und Frauen grundsätzlich nicht zur Armee müssen, wenn sie sich ganz dem Bibelstudium widmen wollen. Um dieses wachsende Segment der Bevölkerung in die Landesverteidigung einzubinden, wurden spezielle Programme entwickelt, in denen der Gottesdienst mit dem Dienst an der Waffe kombiniert werden kann.

Darüber hinaus besetzen national-religiöse Juden, die eng mit der Siedler-Ideologie verbunden sind, immer mehr Posten in der Armee. Bereits 42 Prozent aller Offiziersanwärter, so heißt es in einer Analyse im israelischen Internetportal Ynet, seien heute dem religiösen Lager zuzurechnen. Dies schafft Raum für manchen Gewissenskonflikt - sei es bei der Räumung von illegalen Siedlungsaußenposten oder auch in Fragen der Sittenstrenge. Nicht selten kollidiert der Befehl des vorgesetzten Offiziers mit den Anweisungen des Rabbiners.

Nur noch männliche Sänger

Eine bedenkliche Entwicklung ist das nicht zuletzt für alle weiblichen Armee-Musikanten. Nachdem schon der Chef-Rabbiner der Armee, Rafi Peretz, sich hinter die bestraften Soldaten gestellt hatte, erließ nun der aschkenasische Chef-Rabbiner Yona Metzger einen weitreichenden Rechtsspruch: Die Armee, fordert er, müsse schleunigst eine Lösung finden, die es religiösen Soldaten erlaube, weiblichen Gesang zu meiden. Am besten sei es, bei Militär-Veranstaltungen künftig nur noch männliche Sänger auftreten zu lassen. Wenn Frauen schon unvermeidlich seien, dann müsse den Soldaten zumindest die Gelegenheit gegeben werden, sich unauffällig vom Feld zu machen.

Beim Obersten Gerichtshof in Jerusalem liegt bereits eine Petition der bestraften Soldaten, die allen Befehlen zum Trotz auf ihrem Recht beharren wollen, von singenden Frauen verschont zu bleiben.

Auch Generalstabschef Benny Gantz wird sich nun mit dieser diffizilen Frage befassen müssen. Er muss allerdings auch bedenken, dass manch neue Gefahr hinter der Entwicklung zur gesteigerten Frömmigkeit lauert: Denn die Feinde des jüdischen Staates könnten die israelischen Truppen demnächst allein mit einer weiblichen Gesangscombo in die Flucht schlagen.