Nach dem im Dezember erklärten Verzicht auf Massenvernichtungswaffen erwartet Gaddafi Reaktionen der Amerikaner. Nun versucht er es mit Druck: Sollten die USA nicht bis zum 12. Mai die Sanktionen gegen das Land aufheben, will Tripolis die Auszahlung der Lockerbie-Entschädigungen stoppen.

Libyen hat die USA ultimativ aufgefordert, die gegen Tripolis verhängten Sanktionen bis zum 12. Mai aufzuheben. Anderenfalls werde die Auszahlung der noch fälligen Entschädigungen an die Hinterbliebenen der Opfer des Flugzeugsabsturzes von 1988 über dem schottischen Lockerbie gestoppt, sagte der libysche Regierungschef Schukri Ganim der New York Times.

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Washington solle rasch auf den von Libyen im Dezember erklärten Verzicht auf Massenvernichtungswaffen reagieren. Es handele sich dabei zwar um eine "interne Angelegenheit" der US-Regierung. Diese sollte sich jedoch der Notwendigkeit bewusst sein, bestimmte Fristen einzuhalten.

Die libysche Regierung hatte im vergangenen Jahr die Verantwortung für den Anschlag auf einen Jumbo der US-Fluggesellschaft Pan Am im Dezember 1988 übernommen, bei dem 259 Flugzeuginsassen und elf Menschen am Boden ums Leben kamen.

Abkommen über 2,7 Milliarden Dollar

Im August 2003 unterzeichneten Libyen und Vertreter der Hinterbliebenen ein Abkommen über 2,7 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) Entschädigung. Im Gegenzug hoben die UN im September die von ihr gegen das nordafrikanische Land verhängten Sanktionen auf. Die US-Sanktionen blieben jedoch in Kraft.

Bislang hat Libyen an die Hinterbliebenen der 270 Lockerbie-Opfer je Familie vier Millionen Dollar bezahlt. Laut Ganim sieht die Vereinbarung vor, dass die restlichen sechs Millionen Dollar nicht gezahlt werden, wenn die US-Sanktionen bis zu dem Stichtag nicht aufgehoben sind.

Nach monatelangen Geheimverhandlungen mit Washington und London hatte Libyen am 19. Dezember den Verzicht auf Massenvernichtungswffen bekannt gegeben. Außerdem kündigte Tripolis die Unterzeichnung des Zusatzprotokolls zum Atomwaffensperrvertrag an, das uneingeschränkte und kurzfristig angemeldete Inspektionen von Atomanlagen erlaubt.

(sueddeutsche.de/AFP)

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