Eigentlich war Viktor Janukowitsch, dessen gefälschter Wahlsieg zur orangenen Revolution führte, am Ende - nun kann er Premier werden.
Die junge Soziologin Natalja Matwejenko macht sich Sorgen um das Ansehen ihres Landes. "Da haben wir den ruhigsten Wahlkampf in der Geschichte unserer Republik", sagt die Ukrainerin, "doch alle Welt redet von Mord und Totschlag." Gerade für die ostukrainische Rüstungsschmiede Charkow hatten Soziologen vor der Parlamentswahl an diesem Sonntag eine harte Wahlschlacht vorausgesagt.
Wahlkampf in Kiew: Viktor Janukowitsch (li.) herzt einen orthodoxen Priester (© Foto: Reuters)
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Umfragen zufolge sind die anderthalb Millionen Einwohner in ein halbes Dutzend Lager gespalten, die einander heftig befehden, doch immerhin: Große Skandale gab es nicht.
Mit "Mordgeschichten" meinte Natalja Matwejenko denn auch nicht den Wahlkampf, sondern zwei sich blendend verkaufende Bücher. Das eine heißt "Juschtschenko töten!" und wurde verfasst vom französischen Krimiautor Gerard de Villiers.
Der lässt seinen Detektiv im Herbst 2004 nach Kiew reisen und einen Mordanschlag auf den damaligen Oppositionsführer und Volkshelden verhindern. Die Fäden des Komplotts führen nach Moskau in den Kreml, doch alles bleibt vage. Ein Sprecher des Präsidialamtes dementiert, dass das Buch mit Wissen von Präsident Viktor Juschtschenko erschienen sei.
Thriller um Timoschenko
Für noch mehr Gesprächsstoff sorgt ein Taschenbuch mit dem an Villiers anknüpfenden Titel "Julia töten!" Es gibt darin einen Komplott gegen Julia Timoschenko, wenige Wochen, nachdem sie im Februar vergangenen Jahres von Juschtschenko zur Premierministerin berufen worden war.
Die Mordbuben sind dieses Mal aber nicht im Kreml zu suchen, sondern unter den Beratern des Präsidenten, mit denen sie auch im wirklichen Leben überkreuz war. Sie sind korrupt, verraten die Ideale der orangenen Revolution und sabotieren ihr ganz am Volkswohl ausgerichtetes Reformwerk. Timoschenko äußert sich nicht dazu, ob es sich bei dem ganz offensichtlich eilig zu Papier gebrachten Thriller um eine Auftragsarbeit handelt.
Das Gerangel um die Macht in der Ukraine lässt sich also gut verkaufen. Es ist ein spannender Stoff, das gilt auch für die anstehende Parlamentswahl. Insbesondere Charkow gilt als eine der politisch am heftigsten umkämpften Städte in der zweitgrößten ehemaligen Sowjetrepublik. Die Lage ist äußerst unübersichtlich, anders also als in der katholisch geprägten Westukraine oder im russischsprachigen Industrierevier Donbass am Ostrand des Landes. Im Westen werden voraussichtlich mehr als 80 Prozent ihre Stimme entweder der von Präsident Juschtschenko gegründeten Partei "Unsere Ukraine" geben oder dem "Block Julia Timoschenko".
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Debatte über Militäreinsatz in Syrien