Ukraine Tausende fordern Rücktritt von Präsident Janukowitsch

Nach der geplatzten EU-Annäherung der Ukraine haben etwa 10.000 Demonstranten in Kiew den Rücktritt von Präsident Janukowitsch gefordert. Staatschef, Regierung und Parlament hätten bei der Realisierung eines strategischen, geopolitischen Kurses versagt, so Politiker der Opposition.

Nach der Absage ihres Präsidenten Viktor Janukowitsch an ein Assoziierungsabkommen mit der EU haben am Freitagabend erneut etwa 10.000 Ukrainer in Kiew demonstriert und den Rücktritt des Staatschefs gefordert. Die von Oppositionspolitikern unterstützten Regierungskritiker riefen "Revolution" und lieferten sich nach Agenturberichten vereinzelt Handgemenge mit der Bereitschaftspolizei.

Bei der Kundgebung verlas die Aktivistin Ruslana Lyschischko eine Resolution: "Wir fordern Janukowitsch Rücktritt", hieß es darin. "Wir erklären, dass wir weiter für eine europäische Ukraine kämpfen." Neben ihr standen die Oppositionsführer Arseni Jazenjuk und Vitali Klitschko. Boxweltmeister Klitschko, der nach seiner Sportlerkarriere in die Politik wechseln will, rief der Menge zu: "Unser Recht, in einem europäischen Land zu leben, ist gestohlen worden."

Schon vor der Kundgebung hatten zehntausende Bürger mit einer symbolischen Menschenkette von Kiew bis zur polnischen Grenze ihren Wunsch nach einer Annäherung der Ukraine an die EU kundgetan. Alleine in Lemberg (Lwiw) hätten sich 20.000 Menschen die Hand gereicht, erklärten die Organisatoren.

Eine einzige Demütigung

Die EU hat sich vom ukrainischen Präsidenten Janukowitsch am Nasenring durch die Manege ziehen lassen. Am Ende der sechsjährigen Verhandlungen steht sie düpiert da. Das ist fatal. Denn es reicht nicht, wenn Europa Werte hat, es muss sie auch verteidigen können. Sonst werden sich Staaten wie die Ukraine niemals sicher fühlen. Von Stefan Kornelius mehr ...

Trotz der seit Tagen fortdauernden pro-europäischen Massenproteste hatte Präsident Janukowitsch auf dem EU-Gipfel zur Ostpartnerschaft am Donnerstag und Freitag das Abkommen nicht unterzeichnet. "Der Präsident hat das Schicksal und die Zukunft der Ukraine verkauft", sagte Jazenjuk, der zu dem Gipfel in die litauische Hauptstadt Vilnius gereist war, vor seiner Rückkehr nach Kiew.