Als Übergangspräsident ist Alexander Turtschinow derzeit einer der wichtigsten Akteure in der Post-Janukowitsch-Ukraine. Der 49-Jährige wurde bereits 1998 ins Parlament gewählt, seit 1999 fungierte er als Stellvertreter von Julia Timoschenko in ihrer Partei - er gilt als "ihre rechte Hand". Die FAZ beschreibt das Duo so: "Wo auch immer Timoschenko in ihrer politischen Karriere stand: Auf Turtschinow konnte sie sich immer verlassen."

Der in Dnipropetrowsk geborene Turtschinow war Funktionär in der sowjetischen Jugendbewegung, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs arbeitete er eng mit Ex-Präsident Leonid Kutschma zusammen. Für dessen Nachfolger Viktor Juschtschenko organisierte er 2004 den Wahlkampf in der Ostukraine. Unter Ministerpräsidentin Timoschenko fungierte er sechs Monate lang als Chef des Geheimdienstes. 2010 wurde er kurzzeitig Vize-Regierungschef - erneut an der Seite von Timoschenko.

Als Übergangspräsident sind seine Befugnisse gemäß der wiederhergestellten alten Verfassung beschränkt. Offen wirbt er für einen pro-westlichen Kurs: "Wir müssen in die europäische Familie zurückkehren". Mit seiner ausgleichenden Art kommt der Interims-Staatschef laut ZEIT Online bei den Abgeordneten gut an, Janukowitschs Partei der Regionen rechnete es ihm hoch an, Regierungsgegner zum Verzicht auf Selbstjustiz aufgerufen zu haben. Der Ökonom hält sich gerne im Hintergrund, ukrainischen Medien soll er einmal erklärt haben, in einem normalen Land lieber als Wissenschaftler oder baptistischer Prediger arbeiten zu wollen. Turtschinow hat mehrere Romane geschrieben, einer davon wurde bereits verfilmt.

Bild: dpa 24. Februar 2014, 16:342014-02-24 16:34:37 © Süddeutsche.de/ksk//joku