Dmitrij Jarosch (links) ist der große Unbekannte unter den Akteuren in der Übergangsphase in der Ukraine. Der 42-Jährige stammt aus der Ostukraine und ist Chef des Rechten Sektors (Prawy Sektor), einer informellen Vereinigung von rechtsradikalen und neofaschistischen Splittergruppen. Erstmals trat die Organisation bei den Protesten Ende November in Kiew in Erscheinung. Zu den sogenannten "Selbstverteidigungskräften" des Maidans steuert sie Hunderte Kämpfer bei, die meist an vorderster Front die Barrikaden bewachen.

Die Mitglieder des Rechten Sektors treten in Tarnfleckuniformen, Helmen und Skimasken auf; landesweit schätzt die Gruppierung das Mobilisierungspotenzial auf etwa 5000 Menschen. Die Gruppe sieht sich in der Tradition ukrainischer Partisanen, die etwa während des Zweiten Weltkriegs gegen die Besatzer aus Nazi-Deutschland sowie gegen die Sowjet-Armee gekämpft hatten. Die Ideologie des Sektors grenzt laut des Magazins TIME an Faschismus - jeglicher ausländische Einfluss auf die Ukraine wird abgelehnt. Dies richtet sich besonders gegen eine Einmischung Moskaus.

Auf dem Maidan fielen die Kämpfer des Rechten Sektors schon optisch auf. Zahlreiche Medienberichte beschäftigten sich mit der Rolle rechtsradikaler Kräfte in der Protestbewegung. Tatsächlich stellen Rechtsradikale zahlenmäßig nur eine Minderheit der Demonstranten. Vor allem der Rechte Sektor schaffte es aber, sich als Beschützer der Bewegung zu präsentieren, was den Vermummten Anerkennung einbrachte.

"Wir sind keine Politiker, sondern Soldaten der nationalen Revolution", tönte der aus der Ostukraine stammende Jarosch im Interview mit TIME. Es erscheint deshalb unwahrscheinlich, dass er ein Amt anstrebt. Sein Einfluss dürfte dennoch beachtlich sein - der Rechte Sektor kann Ausschreitungen unterbinden, aber auch Gewalt provozieren.

Bild: REUTERS 24. Februar 2014, 16:342014-02-24 16:34:37 © Süddeutsche.de/ksk//joku