Ukraine Ja zu Europa, Nein zu Kompromissen gegenüber Putin

Die Radikalen sind schwach, die alten Mächte sind schwach, die proeuropäischen Kräfte jubeln. Präsident Poroschenko sollte mit diesem Wahlergebnis in der Ukraine gut leben können - auch wenn er selbst nicht gestärkt ist.

Von Cathrin Kahlweit

Die Demokratie in der Ukraine, offiziell nach der Unabhängigkeit vor mehr als 20 Jahren ausgerufen, ist ein zartes Pflänzchen, das mehr als einmal zertreten und zerstört wurde. Auch der Aufstand auf dem Maidan hat noch keinen Garten geschaffen - aber immerhin doch die Lust, ein paar neue Triebe zu züchten. In der Hoffnung, dass es irgendwann ein Garten wird.

Insofern muss man auch die ersten Wahlnachfragen, die nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend veröffentlicht wurden, mit Vorsicht genießen. Aber selbst bei größeren Schwankungen bieten sie doch ein überraschend klares Bild: Der Präsident ist nicht gestärkt, aber er kann mit dem Ergebnis gut leben. Zumal sein politischer Partner, der amtierende Premier, besonders gut abgeschnitten hat. Das heißt: Ein Ja zu Reformen, aber ein Nein zu einem allzu kompromisslerischen Kurs gegenüber Wladimir Putin. Denn dafür steht Jazenjuk: Er hat Reformen durchgedrückt im Parlament, aber seine Kriegsrhetorik ist bei weitem lauter und polemischer als die des Präsidenten.

Die Radikalen sind schwach, die alten Kräfte sind schwach, die Swoboda-Partei, der lange der Ruch des Antisemitismus anhaftete und die jetzt über fünf Prozent kam, wurde wohl für ihre Rolle im Maidan-Aufstand belohnt. Die proeuropäischen Kräfte in Kiew jubeln. Sie rechnen 75 Prozent der neuen Abgeordneten zu ihrer Seite. Das ist eine echte Chance.