In Uganda ist noch möglich, was in Teilen Afrikas einst gang und gäbe war: eine Familie, in der zwei oder mehr Frauen einen Versorger haben. So richtig glücklich ist aber kaum jemand mit dem Brauch.
Alex Kasozi ist Katholik, er geht sonntags in die Kirche - und er hat zwei Frauen. Der Pfarrer der Gemeinde sehe das zwar nicht gerne, sagt er, aber er mache ihm auch keine Schwierigkeiten.
Nuru (rechts), und ihre Konkurrentin Shadia (links) sind mit ein und demselben Mann verheiratet - mit Alex. Gemeinsam haben sie sechs Kinder (eins war beim Fototermin nicht dabei). (© Foto: Arne Perras)
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Täte er es dennoch, so müsste er es wohl mit den meisten Bewohnern des Dorfes Kabembe aufnehmen. Denn wenn man etwas genauer nachforscht, so finden sich viele Männer in dieser Gegend Ugandas, die zwei oder gar mehrere Frauen haben. Dagegen kommt selbst die katholische Kirche schwer an.
Außerdem: Man muss sich in dieser Gegend ja nicht unbedingt kirchlich trauen lassen, es gibt auch die sogenannten traditionellen Eheschließungen, bei denen sich zunächst die Eltern einig werden, und der Mann dann einen Brautpreis an die Schwiegereltern bezahlt: eine Kuh, einen Fernseher, einen Kühlschrank. Und schon ist die Familie wieder größer geworden.
Polygamie ist weitverbreitet in Afrika, nicht nur in islamisch geprägten Gesellschaften. So war es immer schon, und auch die Schübe der Globalisierung, die Länder wie Uganda in rasendem Tempo mit immer neuen Einflüssen und importierten Werten überschwemmen, habe die Vielehe nicht zerstört.
In Uganda etwa hat jüngst eine Studie ergeben, dass noch immer 28 Prozent der Frauen in polygamen Ehen leben. Allerdings spricht man nicht mehr sonderlich gern darüber, weil diese Form des Zusammenlebens offiziell verpönt ist, und so dauert es eine Weile, bis Alex Kasozi, der Metzger aus Kabembe, das Schweigen bricht und ein wenig preisgibt vom Leben mit seinen beiden Frauen.
Stress zu dritt
Eigentlich ist es eher ein Leben zwischen zwei Frauen, wie sich nach einer Weile herausstellt, eine doch recht komplizierte Dreiecksbeziehung also. Sie will nicht so recht passen in die so oft gezeichneten naiven Bilder von der glücklichen Großfamilie auf dem afrikanischen Land, wo sich die singenden Ehefrauen wie Schwestern lieben, gemeinsam die Hirse stampfen und auf einen Mann zählen können, der allen ein schönes Heim baut und die Kinder zur Schule schickt.
Sicher, man hat in Afrika schon Großfamilien gesehen, in denen es trotz mancher Probleme erstaunlich harmonisch zuging. Aber die Regel ist dies vermutlich nicht. In der Familie von Kasozi jedenfalls gibt es heftiges Gerangel. Liebe und Eifersucht, Existenzsorgen und Verlustängste, Sehnsucht nach Anerkennung, ein verwirrendes Gemisch von Gefühlen.
Das alles macht den beiden Frauen und ihrem Ehemann zu schaffen. Da ist zum Beispiel Nuru, die erste Frau. Sie erinnert sich noch gut daran, wie sie vor zehn Jahren einen jungen fleißigen Metzger namens Alex geheiratet hat. Anfangs war es wie im Himmel, doch dann ging es mit seinen Geschäften abwärts. Er verlor durch einen Fehler viel Geld, Streit blieb nicht aus. Und: Musste er sich dann auch noch die junge Lehrerin aus der Dorfschule zur zweiten Frau nehmen?
"Das ist einfach so gekommen", sagt Alex, der Ehemann, als sei seine Entscheidung keine große Sache. Sein Vater hatte schließlich auch schon zwei Frauen, die Rolle war ihm vertraut, und er kann nicht sehen, warum es nun anders sein sollte. Seine erste Frau Nuru sieht das beileibe nicht so. Als Muslimin weiß sie, dass es in ihrer Religion nicht unüblich ist, den Mann mit einer anderen zu teilen. Dennoch will sie davon nichts wissen; die 30-Jährige möchte, dass sich Alex von der Konkurrentin trennt. Ein Mann, eine Frau, so hätte sie es gerne.
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