Von null auf knapp neun Prozent: Mit Netzthemen und dem Kampf gegen "Zensursula" wurde die Piratenpartei bekannt, nun darf sie im Berliner Abgeordnetenhaus zum ersten Mal Landespolitik machen. Die wichtigsten Forderungen der Piraten im Überblick.
Als im September 2006 Klaus Wowereit zum zweiten Mal zum Regierenden Bürgermeister Berlins gewählt wurde, wurde die Piratenpartei gerade erst gegründet. Eine Legislaturperiode später ist die Partei, die bisher vor allem mit dem Kampf gegen Internetzensur von sich reden machte, mit überraschenden 8,9 Prozent in das Landesparlament eingezogen. sueddeutsche.de erklärt, welche politischen Ziele die Piraten verfolgen - und wie groß die Chance auf deren Umsetzung ist.
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[] Mehr Transparenz
Die Piraten wollen für mehr Transparenz in der Politik sorgen und damit die bisher übliche Parteienarbeit vollkommen umkrempeln. "Wir wollen die Art und Weise verändern, wie Politik in Deutschland gemacht wird", sagte der Bundesvorsitzende Sebastian Nerz im Deutschlandfunk. In Berlin sind die Piraten mit der Forderung angetreten, dass jeder Bürger freien Zugang zu öffentlichen Daten und Protokollen bekommen soll, auch der Besuch von bisher nicht öffentlichen Sitzungen soll möglich werden.
Von der Transparenz in ihrer eigenen Partei haben die Piraten bisher trotz zahlreicher öffentlich ausgetragener Streitigkeiten und chaotischer Parteitage noch nicht genug bekommen - es wird sich zeigen, ob die Arbeit im Berliner Abgeordnetenhaus daran etwas ändern wird. Dass sie aus der Opposition heraus eine starke Öffnung der Berliner Landespolitik erreichen, darf jedoch bezweifelt werden.
[] Mehr Mitsprache und Bürgerrechte
Unter dem Stichwort "liquid democracy" ("flüssige Demokratie") streben die Piraten eine Mischform von direkter und indirekter Demokratie an: Bürger sollen auch abseits von Wahlen aktiv an politischen Entscheidungen teilhaben können - vor allem über das Internet. Dazu soll den Berlinern unter anderem ein kostenloser Internetzugang zur Verfügung gestellt werden; für Menschen, die bisher noch nicht im Netz unterwegs waren, soll es Kurse geben. Auch bei den Bürgerrechten sehen die Piraten viel Nachbesserungsbedarf: Die Verschärfung von Sicherheitsgesetzen soll verhindert beziehungsweise rückgängig gemacht werden.
Die Piraten praktizieren die angestrebte Mitsprache auch parteiintern: Über ihr Wahlprogramm haben die etwa 12.000 Mitglieder basisdemokratisch im Internet beraten und abgestimmt. Herausgekommen ist ein buntes, gelegentlich auch etwas diffuses Programm - in dem so manch wichtiger Programmpunkt fehlt. "Natürlich haben wir an manchen Stellen noch Wissenslücken und müssen uns noch weiterentwickeln", gibt Spitzenkandidat Andreas Baum im dpa-Interview zu. "Wir werden uns in alle Themen einarbeiten. Wir sagen nicht, dass wir keine Meinung haben zu Dingen, die bisher noch nicht in unserem Wahlprogramm vorgekommen sind. Aber wir werden uns diese Meinung gemeinsam mit unseren Mitgliedern bilden." Bei den Grünen verlor sich die Lust an der ausführlichen Debatte mit der Zeit.
[] Freies Internet und informationelle Selbstbestimmung
Im Internet hat sich die Piratenpartei 2006 zusammengefunden, mit einem Online-Thema ist sie bundesweit bekannt geworden: Die Piraten schmähten 2009 die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) als "Zensursula" und wehrten sich gegen deren Pläne, den Zugang zu kinderpornographischen Seiten zu sperren. Auch nachdem die sogenannten "Netzsperren" Anfang dieses Jahres gescheitert sind, kämpfen die Piraten weiter für ein freies Internet und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung - jeder Bürger soll bestimmen können, welche Daten über ihn gespeichert werden dürfen. Konkret heißt das: Mehr Rechte für Datenschutzbeauftragte, keine Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung, keine Großdatenbanken, etwa im Gesundheitsministerium.
Bei Themen, die mit dem Internet in Zusammenhang stehen, dürfte der Einfluss der Piraten auf die anderen Parteien relativ hoch sein - und wenn es nur deren Präsenz im Netz angeht. Schließlich liegt hier die Kernkompetenz der Piraten: Die Partei besteht zum Großteil aus Männern zwischen Mitte 20 und Ende 30, von denen viele in der IT-Branche tätig sind. Auch aus der Berliner Opposition könnten sie den einen oder anderen wichtigen Impuls geben, etwa in der bundesweiten Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung. Eines wird nach dem Wahlerfolg der Piraten aber deutlich schwerer werden: Sich unqualifiziert über "dieses Internet" zu äußern.
[] Reform des Urheberrechts
Die Piraten sehen sich als Partei der Informationsgesellschaft, dementsprechend vertreten sie sehr liberale Ansichten hinsichtlich des geistigen Eigentums. So wollen sie das Urheberrecht reformieren, das nach ihrer Ansicht auf einem "veralteten Verständnis von sogenanntem 'geistigem Eigentum'" basiere. Demnach soll eine sogenannte "Privatkopie" (für nicht gewerbliche und nicht öffentliche Nutzung) von urheberrechtlich geschützten Werken erlaubt sein. Mit diesem Gedanken werden sich die Piraten kaum gegen die Meinung der etablierten Parteien - und die Interessen von Medien- und Musikkonzernen - durchsetzen können.
[] Kostenloser öffentlicher Personennahverkehr
Neben den Internetthemen haben sich die Berliner Piraten an weiteren Politikfeldern versucht. Dazu gehört die Forderung, den öffentlichen Nahverkehr kostenlos anzubieten. Schließlich sei die Möglichkeit, sich frei bewegen zu können, ein Grundrecht, das durch teure Gebühren eingeschränkt werde, argumentiert der Bundesvorsitzende Sebastian Nerz. Solche Ideen stoßen bei Politikern wie dem Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky auf blankes Unverständnis. Er klagte am Wahlabend darüber, dass "für eine verlässliche Politik" nur noch eine Minderheit im Volk zu haben sei.
Außerdem fordern die Piraten kostenlose Wlan-Verbindung für alle, eine bedingungslose Grundsicherung und die Freigabe von Cannabiskonsum. Wie viele Forderungen der Piraten dürften diese Vorschläge wenig Aussicht auf Erfolg haben
[] Ambitionen im Bund
In der Jubelstimmung des Berliner Wahlabends ließ sich der oberste Pirat dazu hinreißen, laut vom Sprung in den Bundestag zu träumen. 2009 waren die Piraten immerhin auf zwei Prozent aller Zweitstimmen gekommen. Vor der Berlin-Wahl hatten die Piraten diverse Mandate auf Kreis- und Kommunalebene errungen, zuletzt bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen am vergangenen Sonntag. Dort holten sie fast 60 Mandate in verschiedenen Kreisparlamenten.
Der Politikwissenschaftler Gero Neugebauer hält den großen Erfolg der Piraten aber eher für ein "spezifisches Berliner Produkt". Solange die Wählerschaft vor allem aus jungen, netzaffinen Männern besteht, dürften die Chancen der Piraten auf einen Einzug in den Bundestag eher gering sein.
Linktipp: Das Wahlprogramm der Piratenpartei in Berlin finden Sie hier. Das Grundsatzprogramm der Piraten können Sie hier nachlesen.
- Parteien nach der Berlin-Wahl Sag mir, wo die Gewinner sind 19.09.2011
- Schwarz-Gelb nach Berlin-Wahl Merkel schont Rösler - und rügt Seehofer 19.09.2011
- Schwarz-Gelb nach der Berlin-Wahl FDP sucht Konfrontation mit Merkel 19.09.2011
- Piratenpartei im Berliner Abgeordnetenhaus Durchbruch für die digitalen Wutbürger 19.09.2011
- Parteien nach Berlin-Wahl Schwarz und Gelb beschwören ihr Bündnis 19.09.2011
- Panne bei Auszählung in Berlin Rot-grüne Mehrheit könnte schrumpfen 20.09.2011
- Berlin nach der Wahl Wowi und die wilden Kerle 20.09.2011
(sueddeutsche.de/liv/mati)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Grundeinkommen, freies Internet, und Legalisierung von Marihuana, find ich gut.
„Urheberrecht… sogenanntem 'geistigem Eigentum'" …Demnach soll eine sogenannte Privatkopie…erlaubt sein“, find nicht gut.
Unabhängig davon, hoffe ich , dass der S. Lobo nicht zu groß wird, der hier und da gerne von den Leadern der Piraten genannt wird( Anne Will, letzte Sendung)
Ich halte ihn für einen unglaublichen Biedermann. „Mann kann heute ja auch besoffen mit dem Auto fahren und wieder kommen.“, so oder ähnlich seine Begründung, warum man ruhig mal in die zweite Reihe zurücktreten kann, um dann wiederzukommen(in einer Sendung zum Thema Guttenberg). Wer also besoffen mit dem Auto unterwegs ist, dabei erwischt wird, für den hat Schluss zu sein, für alle Zeit, das macht auch die KATHOLISCHE KIRCHE.
Eine andere Shortstory von Ihm: An der Börse wurde eine Fa. aus Vancouver gehandelt, bis jemand per Google-Earth ein Foto der Residenz dieser Unternehmen machte und es veröffentlichte. Zu sehen war ein Fenster mit Papplogo, dort hatte die Fa ihren Sitz. Wahrscheinlich also ein Fake, hätte ich Aktien, hätte ich sie verkauft. Aber war es wirklich ein ‚Murks-Laden’?
Es ist egal wo hier die Wahrheit liegt, es geht um die ultimative Beurteilung und Verurteilung einer Sache, nur weil sie irgendwie nicht ganz gerade ist. Das macht auch die KATHOLISCHE KIRCHE.
Du hast die Ehe gebrochen also Schluss mit… bis ans Lebensende.
Befreiung von solch straffem Klischee und Schubladendenken, dafür hat eine Generation, vor uns, ganz hart gestritten. Ich will das nicht missen.
Freiheit ist ein sehr knapper Rohstoff, aber etwas abstraktes -> sie wird nicht irgendwo ausgebuddelt. Freiheit erleben wir fühlend, wir erleben sie nicht indem wir nachdenken über Gesetze und Moral, von denen die Freiheit (wieviel davon) bestimmt werden. Deshalb kann sie so leicht, und meisst unmerklich, wieder entzogen werden.
w.marc-houma.de
..folgt dann alsbald die große ernüchterung.
Selbstverständlich gibt es bereits Gemeinden, die einen kostenlosen ÖPNV anbieten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Personennahverkehr_in_Hasselt
Die Kostenersparnis ergibt sich aus
- keine Vertrieb
- kein Prüfdienst
- keine Tarifgenemigung der Oberen Aufsichtsbehörden
- keine Tarifwirrwarr durch Tarifveröffentlichungen und Werbemittel
- keine Wartung, Betückung, Prüfung, etc.
- keine Vorhaltung von Automaten und Entwertern
- keine Clearingstelle bei Tarifstreitigkeiten
- keine Rechtsverfahren
- kein Energieaufwand für Vertriebsgeräte und die damit verbundenen Einsparungen im Umfeld.
- hohe Akzeptanz
- durch sehr hohen Kundenzulauf, werden weniger Straßen benötigt und damit weniger Folgeausgaben.
- und das sind nur einige wenige Vorteile des kostenlosen ÖPNV.
Natürlich ist die Autolobby dagegen, der der große Erfolg des kostenlosen ÖPNV die Gewinne der Autolobby und ADAC gefährdet.
Leider gibt es keine Zahlen, wie teuer eigentlich der kostenpflichtige ÖPNV tatsächlich ist (dirkete und indirekte Kosten). Es kann davon ausgegangen werden, dass ein kostenloser ÖPNV sogar einen indirekten Gewinn für die Kummunen erwirtschaftet.
Richtig.
Und zwar alles, was der Steuerzahler ohnehin schon bezahlt hat.
GEZ-finanzierte TV-Sendungen werden gnädigerweise kurz online gestellt und dann wieder depubliziert. Warum? Festplatte zu voll? Darf nächsten Monat keiner mehr erfahren was Politiker XY damals für einen Unsinn verzapft hat?
Forschungen werden mit Millionen gefördert und enden in Patenten von irgendwelchen Firmen, die daran Geld verdienen. Warum darf hier nicht jeder profitieren? Wir haben es doch bezahlt!
Öffentlicher Nahverkehr: Wie viel der Kosten bezahlen wir jetzt schon aus Steuern? Die Hälfte? Wie viel der zweiten Hälfte gehen für die Vermarktung, die Fahrscheinkontrolle und für Gewinne der Aktionäre drauf? Warum ist Schwarzfahren eine Straftat? Wenn mir jemand eine Rechnung nicht bezahlt muss ich auch selbst klagen. Das macht nicht der Staat für mich. Rechnet man dann auch noch die positiven Effekte ein wenig ein, sieht dieses Projekt auch schon gar nicht mehr so teuer aus. bringt aber eine enorme Lebensqualität.
Wir brauchen solche Utopien wie auch das bedingungslose Grundeinkommen, sonst haben wir in ein paar Jahren ein zweites Mittelalter mit ein paar Kaisern und milliarden von Bettlern.
Wer sich hier beschwert dass eine Partei mit solchen "Hirngespinsten" auch noch gewählt wird, hat nichts anderes als Schwarz-Gelb verdient.
... wie undifferenziert von mancher Seite auf die Piraten eingedroschen wird.
Dabei ist dieser Erfolg wohl einzigartig in der Geschichte der Bundesrepublik.
Die Piraten können zu recht stolz darauf sein!
Wahrscheinlich machen sich die meisten Meckerer keine Vorstellung davon , wie schwer ein solcher Erfolg zu erreichen ist!
Haben es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch selbst nie versucht.
Aber unken, spotten, schlechtmachen... das können sie!
Eine sehr unangenehme deutsche Eigenschaft, die ausländische Kollegen zu recht"die destruktive deutsche Art" nennen.
Was ist denn daran verkehrt, wenn Politik auch mal Spass machen darf?
Den erklärten Zielen der Piraten tut das ja keinen Abbruch!
Drei Dinge will ich den Meckerern noch zu Bedenken geben:
- Der Erfolg der Piraten wurzelt auch im unübersehbaren Misserfolg der anderen Parteien. Man darf also den einen under anderen Impuls für die Politik insgesamt erwarten - wie damals bei den Grünen. Umwelt findet sich z. B. in jedem Parteiprogramm, auch wenn das damals als Spinnerei abgetan wurde.
- Die Welt ändert sich und die Piraten sind mit Sicherheit näher dran am Puls der Zeit als die alten Parteien, die im Politikbetrieb verstauben und schon lange von der Realität überholt wurden. Mit angestaubten Leuten und angestaubten Ideen lässt sich das System nicht ändern. Wer die Welt anschaut, muss aber doch zwingend eine Änderung wünschen!
- Mit den alten Parteien ist leider kein Staat zu machen. Der Politikbetrieb hält nämlich seine Parallelwelt - in der es sich nach allem Augenschein auch gut leben lässt - für die Realität. Und das ist wohl das Grundübel der gegenwärtigen Situation nicht nur in Deutschland.
Die Piraten sollen jetzt mal den Politikbetrieb ein bisschen aufmischen.
Bewegung in der Politikbude kann nur von Vorteil sein!
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