Überraschungsbesuch am Hindukusch Präsident Obama dankt US-Soldaten in Afghanistan

Überraschungsbesuch in Bagram: US-Präsident Barack Obama spricht zu den Soldaten vor Ort.

(Foto: REUTERS)

Auf der Militärbasis im afghanischen Bagram ist überraschend US-Präsident Barack Obama eingetroffen. In einer Rede lobt er die Verdienste der Truppen im Einsatz. Der Besuch fällt mitten in eine hitzige Diskussion über die Behandlung von Veteranen in den USA.

Zwei Jahre nach seiner letzten Afghanistan-Reise ist US-Präsident Barack Obama überraschend bei den US-Truppen am Hindukusch gelandet. Er wolle vor allem Dank sagen für den Einsatz der Männer und Frauen, sagte Obama am Sonntag in einer Rede vor Soldaten auf dem Stützpunkt Bagram. Er spreche auch für 300 Millionen US-Amerikaner, die die Truppen in der Heimat unterstützten und Stolz auf ihren Einsatz seien.

In Afghanistan sind zurzeit noch etwa 32 000 Amerikaner stationiert. Obama will sie bis zum Jahresende aus dem Land abziehen. Damit sei die Kampfmission der US-Truppen am Jahresende erfolgreich beendet, sagte Obama unter dem Jubel der anwesenden Soldaten. Er erinnerte an den Beitrag der US-Truppen in Afghanistan zum Anti-Terror-Kampf gegen al-Qaida und bei der Tötung des Terroristenführers Osama bin Laden. Er gedachte auch der etwa 2200 US-Bürger, die bei dem Einsatz ums Leben kamen.

Obama hofft, dass es nach der Wahl eines neuen afghanischen Präsidenten im Juni zur Unterzeichnung eines Sicherheitsabkommens kommt. Es gelte, die über lange Jahre mit viel Opfern erzielten Fortschritte zu sichern, sagte Obama am Sonntag bei einem überraschenden Truppenbesuch auf dem US-Stützpunkt Bagram. Nach der Unterzeichnung könne man planen.

In den USA schwelt ein Streit um den Tod von Veteranen

Die USA sind bereit, nach Abschluss des Kampfeinsatzes Ende 2014 noch ein Resttruppenkontingent im Land zu belassen, das bei der Ausbildung der afghanischen Streitkräfte und beim Antiterrorkampf helfen soll. Afghanistans Präsident Hamid Karsai hatte sich aber geweigert, ein Sicherheitsabkommen für einen andauernden begrenzten Einsatz der Amerikaner zu unterzeichnen. Er will das seinem Nachfolger überlassen. Obama versicherte dem afghanischen Volk, dass es unabhängig vom Ausgang der Präsidentenwahl weiter auf die USA zählen könne. "Wir bleiben Euch verpflichtet", sagte der Präsident.

Im Mittelpunkt des Besuches in Bagram steht jedoch die Unterstützung für die eigenen Soldaten. In den USA wird am Montag der Memorial Day begangen: Die Amerikaner gedenken der Männer und Frauen in Uniform, die im Dienst an der Nation ums Leben gekommen sind. Mit seiner Visite wolle der Präsident die Verdienste der Truppen in Afghanistan unterstreichen, verlautete aus dem Weißen Haus.

Vor wenigen Tagen hatte sich Obama erstmals zu einem seit längerem schwelenden Streit um den Tod von Veteranen eingeschaltet, die angeblich zu spät behandelt worden waren. Vor allem vor den Kongresswahlen im Herbst könnte die Kontroverse brisant werden. Die Frage der Stellung und der Behandlung von Kriegsveteranen in der Gesellschaft ist ein emotional aufgeheiztes Thema in den USA.

Obama will Außenpolitik "breiter" anlegen

Offenbar überdenkt Obama aktuell grundsätzlich die Außenpolitik des Landes. Er wolle diese "breiter" anlegen und dies am Mittwoch in einer Rede erläutern, berichtet die New York Times. Damit solle Kritik begegnet werden, dass die USA ihre Führungsrolle aufgegeben hätten und ohne größeres Konzept von Krise zu Krise zu hüpften. Die Zeitung berief sich dabei auf einen hohen Regierungsbeamten, der an der geplanten Rede in der Militärakademie West Point mitgearbeitet habe.

Demnach plant Obama keine Kursänderung, sondern er will eine Art Rahmen darlegen, der klarmachen solle, dass die USA mehr zu bieten hätten als spontanes Krisenmanagement. Der Präsident werde bekräftigen, dass es einen Mittelweg zwischen Isolationismus und militärischer Intervention, eine Option zwischen Nichtstun und Truppeneinsätzen gebe. "Wir begreifen, dass es eine Menge Fragen nicht nur über unsere Außenpolitik, sondern Amerikas Rolle in der Welt gibt", zitierte die Zeitung Vize-Sicherheitsberater Ben Rhodes.

"Die Leute sehen die Bäume, aber wir führen ihnen nicht unbedingt den Wald vor Augen." Wie es weiter heißt, will Obama seine Vorstellungen während seiner Europareise Anfang Juni weiter erläutern.