Übergriffe in Köln Zentralrat der Muslime klagt über "neue Dimension des Hasses"

Mahnwache gegen Terror in Berlin Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, spricht am 13.01.2015 bei einer Mahnwache für die Opfer der Anschläge in Frankreich vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Der Zentralrat der Muslime und die Türkische Gemeinde haben zu der Kundgebung gegen islamistischen Terror und für ein friedliches Zusammenleben der Religionen unter dem Motto 'Zusammenstehen - Gesicht zeigen' aufgerufen. Foto: Maurizio Gambarini/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Nach den Übergriffen der Silvesternacht in Köln häufen sich Drohanrufe und Hassmails bei dem muslimischen Dachverband.

50 Drohanrufe und Hunderte Hassmails

Nach den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln und anderen Städten klagt der Zentralrat der Muslime über eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber Muslimen. "Wir erleben eine neue Dimension des Hasses", sagte der Vorsitzende des Verbands, Aiman Mazyek, dem Kölner Stadtanzeiger. Der "braune Mob" tobe in den sozialen Medien und sehe seine Vorurteile durch die Silvesternacht bestätigt.

Am vergangenen Donnerstag, als bekannt wurde, dass es sich bei einigen mutmaßlichen Tätern um Asylbewerber aus muslimischen Ländern handele, seien in der Geschäftsstelle des Islamverbands 50 Drohanrufe sowie Hunderte Hassmails und -briefe eingegangen, sagte Mazyek der Zeitung. Dazu gebe es Hetze im Internet. Inzwischen habe der Verband die Telefonanlage abstellen müssen.

"Muslime werden unter Generalverdacht gestellt"

Rassistische und antimuslimische Haltungen nähmen schon seit einer ganzen Weile zu. "Solche Ereignisse wie in Köln fachen dann die Islamfeindlichkeit nochmals weiter an, weil Muslime dann unter Generalverdacht gestellt werden", sagte Mazyek. Der Zentralrat wolle den zunehmenden Ressentiments mit "Aufklärung und Besonnenheit" entgegentreten. So sei es im Islam eine große Sünde, Frauen zu belästigen oder gar zu vergewaltigen.

Am Kölner Hauptbahnhof war es in der Silvesternacht zu massenhaften sexuellen Übergriffen sowie Diebstählen gekommen, die laut Zeugenaussagen aus einer großen Gruppe von Männern mit Migrationshintergrund heraus begangen wurden. Auch in anderen Städten hatte es Übergriffe gegeben. Die Zahl der Anzeigen im Zusammenhang mit den Angriffen stieg am Wochenende allein in Köln auf mehr als 500.

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