Twitter-Profil von Rap-Musiker Bushido präsentiert Nahost-Karte ohne Israel

Kein Platz für den Judenstaat: Darstellung auf Bushidos Twitter-Profil.  Der Screenshot entstand am 11. Januar 2013.

(Foto: Süddeutsche.de)

Kein Platz für den Judenstaat: Mit seinem Twitter-Profil scheint der Berliner Rapper und Bambi-Preisträger Bushido zu zeigen, welche Zukunft des Nahen Ostens er sich wünscht. Deutsche Politiker sprechen von einem Skandal.

Von Oliver Das Gupta

Es gab eine Zeit, in der Bushido als böser Junge galt. Er rappte von "Nutten", Drogen und fabulierte über Gewalt wie im Song "Taliban". Das klang dann so: "Ich mach n Anschlag wie Tel Aviv, hörst du meine Stimme, ich fick deine Mutter hier".

Bushidos Ruf war der eines sexistischen, homophoben und verkappt antisemitischen Gewaltphantasten. Einer, der auch mit Neonazis plaudert und einem Skinhead schon mal ein Autogramm auf die Glatze kritzelt.

Ein böser Junge darf Bushido, der eigentlich Anis Ferchichi heißt, immer noch sein. Aber eben ein Bad Boy, der inzwischen angenommen wird: In namhaften Magazinen ließ er sich übers Angeln und sein Liebesglück aus. Der Bundesinnenminister posierte mit ihm, ein CDU-Abgeordneter lud ihn gar zu einem Praktikum in den Bundestag ein. Als der Burda-Verlag ihm im Herbst 2011 einen Bambi für gelungene Integration verlieh, schien der in Bonn geborene Sohn einer Deutschen und eines Tunesiers endgültig gesellschaftsfähig zu sein.

Längst hat er klargestellt, kein Rechtsextremist zu sein, keine Juden zu hassen und auch keine Schwulen. Letztere findet er eben nur nicht cool. Von seinen Texten nimmt er trotzdem nichts zurück. Und wohl auch nicht das Profil-Bild, das seinen Account bei dem Kurznachrichtendienst Twitter ziert (Stand 11.01.2013). Dort ist eine Karte des Nahen Ostens zu sehen mit dem Schriftzug "Free Palestine". Welches Palästina dort gefordert wird, ist klar: Die Karte zeigt nicht die Westbank und den Gazastreifen. Sondern das gesamte Heilige Land - die Palästinenser-Gebiete und Israel - eingefärbt mit Rot-Weiß-Schwarz-Grün, den Nationalfarben der Palästinenser.

Deutsche Außenpolitiker sprechen von einem Affront

Die Botschaft des Bildes ist klar: Eine Zweistaaten-Lösung, bei der Israel und ein Palästinenserstaat friedlich miteinander existieren, ist nicht akzeptabel. Das gesamte Land soll es sein, für den Judenstaat ist kein Platz.

Für deutsche Außenpolitiker ist Bushidos Twitter-Profil ein Affront. "Bisher waren solche Darstellungen von der Hamas und anderen extremistischen Palästinenser-Organisationen bekannt", sagt der CDU-Politiker Ruprecht Polenz zu Süddeutsche.de. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages hält das Bild für inakzeptabel: "Es ist ein Skandal, dass ein deutscher Musiker, der ja eine Menge Menschen erreicht, in dieser Weise das Existenzrecht Israels in Frage stellt". In der Tat hat Bushido auf Twitter mehr als 280.000 Follower.

Sofortigen Klärungsbedarf sieht auch der Grüne Omid Nouripour: "Bushido muss dringend erklären, ob er die Zweistaaten-Lösung ablehnt", sagte der Außenpolitiker zur SZ. Nouripour betonte die Wirkung solcher politischer Statements: "Bushido ist ein Vorbild gerade für viele jungen Muslime in Deutschland und darf keine Hetze von sich geben."

Warum zeigt Bushido überhaupt so ein Bild? Will er, dass Israel von der Landkarte verschwindet? Oder weiß er am Ende gar nicht, was er da als Profilbild gewählt hat?

Zumindest die letzte Frage dürfte inzwischen mit Ja, doch zu beantworten sein. Die SZ hat den 34 Jahre alten Rapper mehrfach und schriftlich mit der Abbildung konfrontiert - doch reagiert hat er bislang nicht.

Der Vielsprecher Bushido ist plötzlich stumm. Oder zu feige.