TV-Interview nach Ermittlungsbeginn Sarkozy kritisiert Justiz als politisch instrumentalisiert

Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy am 2. Juli in Paris. Dem TV-Sender TF1 gab er anlässlich der Ermittlungen gegen ihn ein Interview.

(Foto: AFP)

"Ich habe niemals gegen die Prinzipien des Rechtsstaats verstoßen": Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy widerspricht den Vorwürfen, die die Justiz gegen ihn erhebt. Im ersten Interview seit seiner Abwahl erklärt der konservative Politiker, er habe die Franzosen niemals verraten.

  • Nicolas Sarkozy bezeichnet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe seitens der Staatsanwaltschaft als "grotesk" - und vermutet ein Komplott.
  • Gegen den ehemaligen Staatschef Frankreichs wurde ein Ermittlungsverfahren unter anderem wegen des Verdachts der Bestechung eröffnet.
  • Unterstützung für Sarkozy nimmt ab.

Frankreichs ehemaliger Staatschef Nicolas Sarkozy prangerte in einem Fernseh-Interview eine "politische Instrumentalisierung" der Justiz an. Er machte deutlich, dass er ein Komplott der regierenden Sozialisten gegen ihn vermutet. "Es wird alles unternommen, um ein Bild von mir entstehen zu lassen, das nicht mit der Wahrheit übereinstimmt", sagte Sarkozy dem Fernsehsender TF1 und dem Radiosender Europe 1. "Es werden gerade Dinge organisiert. Die Franzosen müssen sie kennen und mit ihrem Gewissen und in aller Freiheit darüber urteilen, was Sache ist." Die Vorwürfe gegen ihn wies der 59-Jährige in dem Interview - seinem ersten überhaupt seit seiner Abwahl 2012 - als "grotesk" zurück.

Ermittlungsverfahren gegen ehemaligen Staatschef

Gegen Sarkozy ist in der Nacht zum Mittwoch ein formelles Ermittlungsverfahren unter anderem wegen des Verdachts auf Bestechung eingeleitet worden. Er soll versucht haben, von einem Staatsanwalt an Frankreichs Kassationshof - dem höchsten ordentlichen Gericht - Informationen zu einem dort laufenden Verfahren zu erhalten. Am Dienstag wurde Sarkozy deswegen rund 15 Stunden lang in Polizeigewahrsam verhört. Es war das erste Mal, dass ein früherer französischer Präsident in Polizeigewahrsam genommen wurde.

Die Vorbehalte gegen Sarkozy wachsen

Das Ermittlungsverfahren kommt für Sarkozy zu einem höchst ungelegenen Zeitpunkt: Zuletzt hatten sich die Anzeichen verdichtet, dass der 59-Jährige sich im Spätherbst zum Vorsitzenden seiner von innerparteilichen Grabenkämpfen und Skandalen geschwächten UMP wählen lassen wollte. Doch innerhalb seiner Partei wachsen die Vorbehalte, zu sehr schaden die zahlreichen Affären Sarkozys Image. Dass ein Politiker, gegen den ein formelles Ermittlungsverfahren wegen Korruption läuft, Parteichef werden könnte, halten viele für undenkbar. Zumal ihm mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2017 Unwählbarkeit droht, sollte er tatsächlich vor Gericht gestellt und verurteilt werden.