Von Bernd Dörries

Ministerpräsident Oettinger und SPD-Chefin Vogt streiten im Fernsehen vor allem über Atomkraft.

Nach diesem Abend lässt sich sagen, dass Ute Vogt auf Wahlkampfplakaten mit einem Hund gezeigt wird, der in Wahrheit gar nicht ihrer ist, während Günther Oettinger einen Hund besitzt, den man zwar auf keinem Plakat sieht, auf den er aber in der Woche um Ostern einmal ganz alleine aufpassen will.

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Nun ging es an diesem Abend nicht allein darum, ob Oettinger es gelingt, dass ihm der Hund nicht ausbüchst und Ute Vogts größter Wunsch in Erfüllung gehen wird - einen eigenen Vierbeiner zu bekommen. Sondern darum, ob die eine es schafft, Ministerpräsidentin zu werden oder ob der andere es bleiben kann. Tut man einmal so, als sei dafür allein dieser Abend entscheidend, so ist der Ausgang unentschieden.

Am Donnerstagabend veranstaltete das Südwestfernsehen das erste und einzige Rededuell zwischen der SPD-Landesvorsitzenden Ute Vogt und Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). Die einstündige Diskussion der beiden kann als eigentlicher Beginn des Wahlkampfes in Baden-Württemberg gelten, der bisher schleppend angelaufen ist und besonders für Vogt schwer wird.

Am Tag des Duells hatte der SWR auch die neuesten Umfragewerte geliefert, auf die sich nach der Bundestagswahl zwar kaum jemand verlassen will, die aber doch einen deutlichen Vorsprung für den Amtsinhaber zeigen: 46 Prozent für die CDU, 29 Prozent für die Sozialdemokraten. Die 41-jährige Vogt hatte sich nicht zuletzt deshalb zwei Duelle gewünscht, was der Amtsinhaber ablehnte.

Weil die persönlichen Umfragewerte für Günther Oettinger, anders als die seiner Partei, nicht sonderlich gut sind, musste sich der 52-Jährige gleich zu Beginn des Duells fragen lassen, ob das Schwächste an der CDU nicht ihr Ministerpräsident ist und ob er für manche im Land nicht zu modern sei. Oettinger sagte, beide Werte seien stabil, die seiner Person und der Partei. Die CDU im Land sei konservativ und modern zugleich.

So ein Duell ist ja ein wenig wie ein Formel-1-Rennen, es passiert nicht sonderlich viel, man dreht sich irgendwie im Kreis, und der Zuschauer wartet auch darauf, dass jemand in die Banden kracht.

Am Donnerstagabend gab es keinen Unfall, man kann nicht einmal sagen, dass einer der beiden Kontrahenten ins Schlingern geriet. Oettinger redete langsamer als erwartet, Vogt lächelte viel und warf immer mal wieder den Kopf keck zur Seite. Im Verlauf einer Stunde wurde eine ganze Reihe von Politikfeldern gestreift: Atomausstieg, Bildung, Arbeitsmarkt, Integration und natürlich die Vogelgrippe.

Der größte Unterschied war bei der Frage festzustellen, ob die Restlaufzeiten für Atomkraftwerke verlängert werden sollen. Oettinger ist dafür, weil dies Arbeitsplätze sichere und man ansonsten nur Strom importieren müsse.

Vogt ist strikt dagegen, will uneingeschränkt am Ausstieg festhalten, der auch das große Mobilisierungsthema der SPD ist. Manche Landtagskandidaten zeigen in ihren Wahlkreisen den Atom-Schocker "The Day After". In anderen Bereichen waren die Gegensätze weniger deutlich. Beide Kandidaten schienen sich vorgenommen zu haben, pro Satz mindestens einmal das Wort "Baden-Württemberg" unterzubringen.

Der Ministerpräsident erzählte immer wieder, wie weit vorne das Land auf vielen Gebieten sei: hohes Wachstum, geringe Arbeitslosigkeit. Vogt versuchte ihren Konkurrenten als jemanden darzustellen, der es allen recht machen will, was oft nicht gehe, und eine Politik der Beliebigkeit verfolgt.

Oettinger entgegnete, er regiere ohne Ideologie: "Ich will Baden-Württemberg führen und nicht spalten." Als er gefragt wurde, wohin er denn gerne in den Urlaub fahre, sagte der Ministerpräsident: "In die Berge oder ans Wasser." Sowohl als auch.

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(SZ vom 4.3.2006)