Die Unions-Kanzlerkandidatin sträubt sich weiter, mehr als einmal mit Schröder vor die Kamera zu treten. Die Union setzt der SPD und den Fernsehsendern die Pistole auf die Brust: Entweder gebe es nur ein Duell oder gar keines.
Merkels Haltung wurde bekannt nach einem Treffen zwischen den Fernsehsendern ARD, ZDF, RTL und Pro7/Sat 1 sowie Verhandlungsführern von Union und SPD in Berlin. Das Gespräch sei dann auf Wunsch der Regierungs- Seite auf Mitte nächster Woche vertagt worden, hieß es bei der Union.
Angela Merkel auf einer Leinwand beim Wahlkampfauftakt der Union in der Münchner Reithalle. (© Foto: ddp)
Anzeige
Schröder hatte noch am Samstag im Wahlkampf in Bayern sein Angebot erneuert, wie schon 2002 für zwei TV-Duelle zur Verfügung zu stehen. "Ich hab' schon Zeit in den nächsten Wochen, nicht nur für eine Fernsehdebatte, sondern für zwei." Er fügte hinzu: "Wenn man das aus anderen Gründen nicht will, sollte man das sagen."
Als Grund für die Ablehnung eines zweiten Duells hieß es aus der Union, Merkel wolle in diesem kurzen Wahlkampf möglichst viele Formate abdecken. Das TV-Duell sei nur eines von vielen Möglichkeiten. Sie sei zum Beispiel bereit, an einer Fernseh-Runde der Spitzenkandidaten der Bundestags-Fraktionen teilzunehmen, hieß es. Dafür gebe es auch schon Anfragen von ARD und ZDF´.
Bei dem Treffen verwiesen die Sender auf die hohen Einschaltquoten der beiden TV-Duelle im Wahlkampf 2002 von Schröder und seinem damaligen Herausforderer, CSU-Chef Edmund Stoiber. Damals hätten jeweils 14 Millionen Menschen zugesehen.
Auch die ersatzweise von den Sendern ins Gespräch gebrachte Live- Gesprächsrunde mit den beiden Kandidaten und von den Sendern ausgewählten Bürgern lehnten Merkels Entsandte bei dem Treffen ab.
Die Unionskandidatin wolle "höchstens" einmal gegen Schröder antreten. Für weitere Treffen habe sie "keine Zeit", zitierten Teilnehmer die Unionsvertreter. Man könne aber über die Länge des einen TV-Duells diskutieren, sagte Merkels Sprecherin Eva Christiansen. Die Sendung könne auch länger als 60 Minuten gehen.
CDU-Vertreter Willi Hausmann drohte offen mit einem Abbruch der espräche. "Es ist Sache von Herrn Schröder, ob es ein Duell gibt oder gar keines", sagte er der Bild am Sonntag. "Zwei Duelle sind für uns nicht verhandelbar."
Seitens der Sender sei bei den Verhandlungen darauf verwiesen worden, dass alle Parteien an einer hohen Wahlbeteiligung interessiert sein müssten, damit die neue Bundesregierung über "ein starkes Mandat verfüge".
Mit solchen TV-Duellen könne sich der Bürger einen guten Einblick in die unterschiedlichen Positionen von Kanzler und Herausforderin verschaffen. hieß es weiter. Regierungssprecher Béla Anda sagte: "Ich wundere mich sehr. Offensichtlich will die Union einem Millionen-Publikum etwas verbergen."
(sueddeutsche.de/AP/dpa)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev