Die Republikaner können aufatmen: Beim TV-Duell der Vizepräsidentschaftskandidaten bleibt Palins befürchtete Blamage aus. Trotzdem heißt der Sieger Biden: Er strotzt vor Fakten und Detailwissen.
Ein Handkuss für die Menge, ein Handschlag für Joe Biden. Sarah Palin schreitet mit einen fast schüchternen Lächeln auf die Bühne: "Schön dich zu treffen", sagt sie. "Hey, kann ich dich Joe nennen?" Biden bejaht und gibt selbst den distanzierten Gentleman: "Frau Gouverneurin, es ist ein Vergnügen, Sie kennenzulernen."
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Ein schüchterner Händedruck: Joe Biden und Sarah Palin verabschieden sich nach dem TV-Duell höflich. (© Foto: Reuters)
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Für ein paar Wochen war Palin die Wunderwaffe der Republikaner. Unverwundbar und angrifflustig, zugleich volksnah und charmant. Mal Pitbull oder Barrakuda, mal Powerfrau und Supermutter. Sarah Palin, die Politexotin aus dem hohen Norden, begeisterte die rechte Basis und hauchte der kraftlosen Präsidentschaftskampagne von John McCain Leben ein.
In Umfragen preschten McCain und Palin an Barack Obama und Biden vorbei. Die Demokraten reagierten nervös und fanden keine Strategie gegen den Palin-Hype. Doch dann demontierte sich die Wunderwaffe selbst.
In einem Interview mit der CBS-Moderatorin Katie Couric stammelte sich die Gouverneurin von Alaska um Kopf und Kragen. Kaum ein Palin-Satz ergab Sinn, kaum eine Couric-Frage fand eine Antwort. Der selbsternannte Pittbull machte sich zur Witzfigur. Konservative Kritiker legten Palin gar den Rücktritt nah.
Amerika war irritiert
Damit stand schon vor der gestrigen Debatte fest: Die Demokraten brauchen sie nicht mehr zu fürchten. Die Ahnungslosigkeit, die Palin in den CBS-Interview offenbarte, irritierte Amerika. Umfragen zeigten, dass eine Mehrheit der Wähler sie für nicht ausreichend qualifiziert hält.
Vor der Debatte waren die Erwartungen an Palin also fast auf null gesunken. David Brooks, Kolumnist der New York Times, sprach aus, was viel dachten: "Normalerweise treten zwei Profis gegen einander an." Das könne man dieses Mal nur von Biden behaupten. Die Kriterien für Palins Abscheiden umriss er wie folgt: Kann sie in Absätzen sprechen? Und schafft sie es, sie selbst zu sein?
Seite 2: Joe Biden strotzt vor Fakten und Sarah Palin wettert wie McCain - und wirkt dabei wie eine Werbefee.
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Der Autor der SZ, obwohl angeblich sich in New York aufhaltend, irrt gewaltig, wenn er die Floskeln von Frau Palin so übersetzt!
Das "you" im Englischen ist auf gar keinen Fall mit "Du" zu übersetzen sondern grundsätzlich immer die höfliche "Sie"-Form! Auch wenn Frau Palin und Herr Biden sich nun mit dem Vornamen anreden, so hat das "you" auch weiterhin diese Bedeutung! Die Anrede mit dem Vornamen ist lediglich andere, lockerere Umgangsform, die es so bei uns in er Entsprechung nicht wirklich gibt, bzw. die eher unüblich ist.
Was also soll man von den Berichten solcher Amerikaexperten halten?
Sein ganzes Leben lang war der greise McCain ein hitziger Draufgänger, ein Hazardeur, der erst schießt und dann denkt. In einem Cowboyfilm ist so etwas amüsant, doch in der Politik ist es unverantwortlich und gefährlich. Als junger Offizier crashte er fünf Flugzeuge, ehe er vor einem halben Jahrhundert in Vietnam abgeschossen wurde. Ein Held vielleicht -- doch von Heldentum zum Irrsinn ist bekanntlich nur ein kleiner Schritt.
Die unüberlegte Wahl einer Vizekandidatin, die er vor 5 Wochen überhaupt noch nicht kannte, droht ihn nun zu Fall zu bringen, und die von der eigenen Partei verursachte Finanzkrise wird kaum helfen.