Stegner gelingt es zwar nicht, glaubhaft zu erklären, wie er Schleswig-Holstein vor dem Bankrott bewahren möchte, er legt in seiner Antwort aber das Fundament für seine Kernbotschaft, die er im Laufe der Sendung gebetsmühlenartig wiederholt: Das Versprechen von Schwarz-Gelb, in diesen schwierigen Zeiten Steuern zu senken, sei falsch, es sei nicht einzuhalten.

Anzeige

Bei der Debatte um die angeschlagene HSH Nordbank beschränken sich Carstensen und Stegner wieder überwiegend auf gegenseitige Schuldzuweisungen. Inhaltliche Erkenntnis: Während Stegner im Falle eines Wahlsieges den umstrittenen HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher vor die Tür setzen möchte, will Carstensen an dem Banker festhalten.

Wenig ergiebig verläuft die Diskussion über das Thema Wirtschaft und Arbeit. Stegner ergeht sich in Sozialromantik, fordert Mindestlöhne, bessere Bezahlung für Pflegekräfte sowie gleiche Bezahlung für Frauen. Der Harvard-Absolvent erklärt, dass Werften mit dem Bau von Offshorewindparks in eine goldene Zukunft blicken könnten, ließe man ihn in die Kieler Staatskanzlei.

Und Carstensen? Der Amtsinhaber verzichtet gleich vollständig darauf, zu erklären wie er die Wirtschaft in Gang bringen und Arbeitsplätze schaffen möchte.

Gehaltvoller sind die Äußerungen zur Bildungspolitik. Da die Streithähne in ihrer Koalition immerhin die umfassendste Schulreform der vergangenen Jahrzehnte eingeleitet haben, hätte man hier ein wenig Harmonie erwarten dürfen - weit gefehlt. Vom Kleinkind in der Krippe über Schulkinder bis zum Studenten treten die Unterschiede in den Konzepten der Kontrahenten deutlich hervor. Wiederkehrendes Muster: Stegner verspricht fleißig Investitionen, Carstensen hält dagegen: "Sie laufen mit einem Füllhorn durchs Land und versprechen, versprechen, versprechen."

Nächstes Thema: Energie: Da mit Krümmel und Brunsbüttel zwei der berüchtigsten Pannenreaktoren der Republik in Schleswig-Holstein stehen, hat auf diesem Feld Stegner als Vertreter einer Atomausstiegspartei großes Punkte-Potential. Doch Carstensen versteht es durchaus geschickt, sich als Förderer regenerativer Energie zu inszenieren, ohne in Sachfragen von der Linie seiner Partei abzuweichen, die eine Verlängerung der Laufzeiten einzelner Meiler vorsieht.

Am Ende nehmen Carstensen und der Moderator den SPD-Politiker Stegner in die Zange: Der aufmerksame Fernsehmann Cichowicz und der aufgedrehte Ministerpräsident Carstensen versuchen, den Kandidaten auf eine Aussage zu einer möglichen Koalition mit der Linken festzunageln.

Stegner vermeidet es zwar ausdauernd, den Namen Linkspartei überhaupt in den Mund zu nehmen. Doch auch so kann er nicht verhindern, dass den Zuschauern klarwerden muss: Im Zweifel würde er zumindest eine Minderheitsregierung unter Duldung der Linken anstreben um Ministerpräsident zu werden.

Es ist einer der raren Minuten dieses TV-Duells, in denen Carstensen irgendwie besser als Stegner dasteht. Vielleicht genügt die Aussicht auf eine rot-rote Kooperation, die Wechselwähler auf dem platten Land zurück in die Arme der CDU zu treiben.

Carstensen alleine wird es wohl nicht schaffen.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Rambo schlägt Rohrspatz
  2. Sie lesen jetzt Stegner und die Linke - Carstensens Hoffnung
Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/odg)