Showdown in Kiel: Beim TV-Duell zwischen dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Carstensen von der CDU und seinem SPD-Herausforderer Stegner fliegen wie erwartet die Fetzen.
"Kleines rundes Nichts", "Kotzbrocken": Genüsslich zitiert NDR-Moderator Andreas Cichowicz gleich zum Auftakt des TV-Duells die Schmähungen, die die beiden Kontrahenten im Kampf um das Amt des Ministerpräsidenten in Schleswig-Holstein in den vergangenen Wochen übereinander ausgeschüttet haben.
Einig in gegenseitiger Abneigung: SPD-Landeschef Stegner und CDU-Ministerpräsident Carstensen (© Foto: ddp)
Anzeige
Dann folgt die Frage: "Wollen Sie hier und heute diese Chance nutzen und das Kriegsbeil begraben?" Ministerpräsident und Christdemokrat Peter-Harry Carstensen und sein sozialdemokratischer Herausforderer Ralf Stegner geben sich alle Mühe, dies zu bejahen.
Der Friede hält genau bis zur nächsten Frage.
Da erklärt Sozialdemokrat Stegner, er sei es gewohnt, dass gegen ihn ein "Anti-Personen-Wahlkampf" geführt werde. Christdemokrat Carstensen fällt ihm prompt ins Wort und unterbricht sein Gegenüber hartnäckig.
Der Moderator lakonisch: "Das hat ja gut geklappt."
Die ersten Minuten sind symptomatisch für die einstündige Sendung. Dass die beiden Politiker, die im Laufe der vier Jahre währenden großen Koalition eine tiefe Abneigung gegeneinander entwickelt haben, sich auch im TV-Duell einen harten Schlagabtausch liefern würden, wird erwartet.
Dass die Zuschauer nach dem Bruch der Koalition vor zwei Monaten kein kontrastarmes Duett à la Merkel/Steinmeier zu sehen bekommen, wird allgemein erhofft.
Überraschend ist allerdings, dass der als jovial geltende Landesvater Carstensen aggressiver auftritt als der vermeintliche rote Rambo Stegner. Wiederholt bezichtigt Carstensen seinen Rivalen, die Unwahrheit zu sagen. Stegner lächelt solche Angriffe gelassen weg. Er sei es gewohnt, dass die CDU sich an ihm abarbeite.
Wenn der Sozialdemokrat seine Vorwürfe vorträgt, klingt das meist sanfter. Zum Beispiel so: "Lieber Herr Carstensen: Jeder zweite Satz von Ihnen lautet. 'Der Stegner ist schuld.' Wollen wir nicht einmal über die Zukunft reden?" Carstensens Reaktionen gleichen dann häufig denen eines schimpfenden Rohrspatzes.
Stegners Arbeit am Image
Dass der Konservative in diesen Wochen Nerven zeigt, hat wohl auch demoskopische Gründe. Seit dem Ende der Koalition fällt seine CDU in den Umfragewerten, die Beliebtheit des Ministerpräsidenten sinkt - und die von Carstensen angestrebte Mehrheit für Schwarz-Gelb ist fünf Tage vor der Landtagswahl in ernsthafter Gefahr.
Stegner hingegen arbeitet fleißig daran, sein Image abzuschütteln, ein verkopfter, unnahbarer und ruppiger Politiker zu sein. Seine Bemühungen schlagen sich in den Umfragen positiv nieder. Beim TV-Duell verzichtet er auf seine obligatorische Fliege. In beigem Anzug und offenem Hemd wirkt der SPD-Landeschef lockerer als bei früheren Auftritten.
Das bemerkt auch Carstensen - und versucht Stegners Charme-Offensive während der Sendung als kalkulierte Show zu entlarven. Der Amtsinhaber verweist auf ein Smiley, das Stegner auf seine Unterlagen gezeichnet hatte. Smart formuliert kann so eine spontane Bemerkung ein Treffer sein. Stattdessen bollert Carstensen: "Wenn man sich einen Zettel hinlegen muss, damit man manchmal lächelt, dann ist das etwas, was mir abgeht." Chance verpasst.
Neben solchem Geplänkel liefern sich die Kontrahenten auch inhaltlich einen harten Schlagabtausch.
Problem Schuldenberg
Erstes Thema ist der Haushalt: Bei einem Jahresetat von neun Milliarden Euro drückt Deutschlands nördlichstes Bundesland ein Schuldenberg von mehr als 25 Milliarden Euro.
Die Wähler trauen, wie eine Erhebung von Infratest dimap zeigte, eher der CDU als der SPD zu, die Verschuldung in den Griff zu bekommen. Im TV-Duell kann Carstensen diesen Vertrauensvorschuss aber nicht rechtfertigen.
"Wir müssen sparen und wir brauchen Wirtschaftswachstum", entgegnet der Ministerpräsident auf die Frage, wie er denn das Land vor der Pleite bewahren wolle. Zum Sparen fällt Carstensen dann aber nicht viel ein. Er verweist auf bereits beschlossene Personalkürzungen in der Verwaltung. Außerdem habe er die Absicht, den Haushalt zu "durchforsten". Das hätte der studierte Landwirt eigentlich schon vorher machen müssen.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Landtagswahl RSS
- Schleswig-Holstein Platt vor der Wahl 24.09.2009
- HSH Nordbank Total zerknirscht 22.09.2009
- Schleswig-Holstein: Landtagswahl In aller Feindschaft 22.09.2009
- Wahlumfrage in Schleswig-Holstein Schwarz-Gelb ohne Mehrheit 21.09.2009
- Schleswig-Holstein Carstensen büßt an Sympathie ein 17.09.2009
- Die neue Linke-Fraktion in NRW Die Spitze des Wahnsinns 14.05.2010
- Politik kompakt US-Senat entwirft Klimaschutzgesetz 13.05.2010
Sparpaket
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
"Übrigens bin ich kein JU-Schleimer"
Nach allem, was Sie so absondern, kann Ihre Eigenwahrnehmung unter keinen Umständen als objektive Größe anerkannt werden.
Naja, die einen sagen immer "Wachstum", die anderen "Steuersenkung", und beide fahren gut damit, so ist es halt (uebrigens gehoeren auch Leute, die alle anderen staendig als "Linke" beschimpfen, angeblich zu den beliebtesten Kommentatoten hier - also lernt man : es ist gut, immer das gleiche zu sagen).
Das würde mich doch nun einmal sehr interessieren, denn einige Kommentatoren kommen hier ja nicht aus, ohne das Kürzel INSM mindestens einmal in jedem Kommentar unterzubringen, egal, um was es eigentlich geht, seit langem schon zu beobachten.
Gibt es da schon Tastaturen im Handel, bei denen eine Taste damit belegt ist?
Statt eine Windows-Taste ist da vielleicht eine INSM-Taste darauf?
Wer kann diese Frage denn einmal mit fair-play oder wie gewohnt ohne beantworten?
selbstaendig
Dann lesen Sie doch nicht die SZ, wenn Sie dies glauben:
Es gibt den Münchner Merkur, den Bayernkurier, die Bild, ja, sogar die TZ - es gibt vielfältige Möglichkeiten, Zeitungen zu lesen, die bestätigen, was man denkt und mit deren Ausrichtung man konform gehen kann!
Na ja, ich und einige andere Foristen denken und hoffen ja, dass Pira ab Montag abwesend sein wird, so dass wir unsere Diskussionen in Ruhe und Sachlichkeit weiterführen können.
Alles Gute, auch der Freitag geht vorüber!
Sie meinen die SZ?
Paging