Anders als ursprünglich geplant bleibt das TV-Duell am Sonntag nicht das einzige Aufeinandertreffen von Kanzler Schröder und Kandidatin Merkel im Wahlkampf. Der Kanzler kommt zu einer ARD-Runde am 12. September. SPD-Chef Müntefering räumt für ihn seinen Platz.

Einige Planungen sind Makulatur. Die Riege der politischen Analytiker und Demoskopen, die sich für das Solo-Fernseh-Duell am Sonntagabend schon längst warm gelaufen hatte, muss das endgültige Urteil darüber verschieben, wer sich nun am Ende besser geschlagen hat.

Gerhard Schröder

Der Bundeskanzler freut sich auf ein zweites Duell mit Angela Merkel (© Foto: ddp)

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Überraschend meldete sich Gerhard Schröder am Donnerstag zum TV-Rückspiel mit seiner Kontrahentin Angela Merkel sechs Tage vor der Wahl an. Nachdem die Herausforderin dem Titelverteidiger einen zweiten Bildschirm- Schlagabtausch unter vier Augen aus "terminlichen Gründen" ausgeschlagen hatte, tritt Schröder nun am 12. September im ARD-Studio zur "Revanche-Runde" im erweiterten Kreis an.

Der eigentlich nominierte Franz Müntefering hat seinen Platz freiwillig für Schröder freigemacht. Der SPD-Vorsitzende sei wegen der Teilnahme an der Beerdigung des früheren Bundesgeschäftsführers Peter Glotz verhindert, lautet die offizielle Begründung für die Auswechslung. Bereits bei der ersten TV-Runde der Parteichefs in der vergangenen Woche fehlte der SPD-Chef nach einem Schwächeanfall im Wahlkampf. Der kurzfristig für ihn eingesprungene SPD- Wirtschaftsminister Wolfgang Clement schlug sich dabei nach Ansicht von Meinungsforschern gegen die CDU-Chefin ganz wacker, aber ohne richtigen Glanz.

Schröder und Lafontaine treffen nicht aufeinander

Der Kanzler zierte sich bislang, sich selbst in solche Niederungen mit anderen Parteigrößen zu begeben und hielt es dabei mit Helmut Kohl und anderen Vorgängern. "Es steht einem Kanzler nicht gut an, sich auf ein Stühlchen zu setzen und zu warten, bis ihm das Wort erteilt wird", so hatte schon CDU-Regierungschef Kurt Georg Kiesinger 1969 seine Teilnahme an einer TV-Spitzenrunde abgelehnt. Angesichts des anhaltenden SPD-Umfragetiefs besann sich Schröder aber jetzt anders in der Hoffnung, in der Wahlkampf-Schlussphase auch so noch Boden gut zu machen.

Erleichtert wurde ihm die Teilnahme, weil die Linkspartei zur TV- Debatte Gregor Gysi angemeldet hat. Wäre Gysis neuer und Schröders alter Mitstreiter Oskar Lafontaine ins Rennen gegangen, hätte der Kanzler wahrscheinlich kaum zugesagt, auch wenn der Reiz für viele Zuschauer durch diese Konstellation größer geworden wäre.

Die meisten Wissenschaftler sind sich inzwischen einig, dass solche inzwischen zur Routine gewordenen TV-Debatten - ob Zweier- Duell oder im größeren Kreis - das Verhalten der meisten Wähler nur wenig beeinflussen. Ein Forschungsprojekt des Allensbach-Instituts und der Universitäten Mainz und Dresden hat kürzlich festgestellt, dass die anschließende Berichterstattung darüber einen weit größeren Einfluss auf den Wahlausgang hat als die Fernseh-Ausstrahlung selbst. Dazu kommt, dass der Neuigkeitswert oft gegen Null tendiert.

Keine Gebärden-Dolmetscher am Sonntag

Trotzdem sind Experten allein schon wegen hohen Zuschauerquote überzeugt, dass solche Polit-Diskussionen nicht unterschätzt werden dürfen: "Vor allem die unentschlossenen Wähler lassen sich vom Ausgang eines solchen Zweikampfs beeinflussen. Dies könnte die entscheidenden ein bis zwei Prozent zu Ungunsten von Schwarz-Gelb bringen", glaubt etwa der Mainzer Wahlforscher Jürgen Falter. Und besonders diese Zielgruppe haben Schröder und die SPD im Auge.

Beim TV-Rückspiel mit Merkel und Schröder kann sich auch ein Zielpublikum aus erster Hand wieder ein Urteil bilden, das beim Duell am Sonntag ausgeschlossen bleibt: Rund 100 0000 Gehörlose. Auf Druck der "Privaten" und ungeachtet von Protesten beschlossen die Chefredakteure der vier beteiligten Sender, endgültig auf den Einsatz von Gebärden-Dolmetschern beim Sonntags-Duell zu verzichten. Am 12. September sind in der großen Runde über den Kanal "Phoenix" auch die Gehörlosen wieder live dabei.

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(dpa)