TV-Duell der Kanzlerkandidaten Die Stunde der Unentschlossenen

Deutschland erwartet das Duell von Amtsinhaber und Herausforderin - und 70 Prozent der Wahlbevölkerung wollen Schröder und Merkel tatsächlich unter die Lupe nehmen. Vor allem diejenigen, die sich noch nicht entschieden haben, wollen einschalten.

Fast 70 Prozent der Bundesbürger wollen sich einer neuen Umfrage zufolge das TV-Duell zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Unionskandidatin Angela Merkel (CDU) ansehen. 43 Prozent der Deutschen gaben an, das 90 Minuten dauernde Streitgespräch "sicher" verfolgen zu werden, 26 Prozent wollten dies "wahrscheinlich" tun, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Senders RTL ergab.

TV-Duell der Kanzlerkandidaten

Treten nicht nur im Fernsehen direkt gegeneinander an, um die Wählergunst zu erhaschen: Die Spitzenkandidaten der SPD und der CDU/CSU.

(Foto: Foto: dpa)

Zwölf Prozent werden demnach "wahrscheinlich nicht" dabei sein, weitere 19 Prozent "sicher nicht".

Sechs Prozent aller Befragten gaben an, dass der Ausgang des TV-Duells "sehr wichtig" für ihre persönliche Wahlentscheidung sei, weitere 22 Prozent schätzten die Bedeutung hierfür als "wichtig" ein. Insgesamt 70 Prozent gaben an, dass der Schlagabtausch für ihre Wahlentscheidung "weniger wichtig" oder "unwichtig" sei.

Bei den Unentschlossenen wurde die Bedeutung des TV-Duells höher bewertet. Hier gaben acht Prozent an, die Auseinandersetzung sei "sehr wichtig" für ihre Wahlentscheidung, 38 Prozent schätzten den Ausgang des Streitgesprächs mit Blick auf ihre Stimmabgabe als "wichtig" ein.

Unmittelbar vor ihrem Fernsehduell mit Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel zuversichtlich zu ihren Erfolgsaussichten geäußert.

Sie sehe darin eine "riesige Chance" und werde das Medium Fernsehen nutzen, um ihre Argumente und Vorstellungen darzulegen, sagte die CDU-Vorsitzende dem Berliner Tagesspiegel am Sonntag. "Ich bin der festen Überzeugung, dass die Menschen die Kluft nicht übersehen, die zwischen Herrn Schröder und seiner Partei besteht."

Der Kanzler warnte vor einer Überbewertung des TV-Duells. "Diese Auseinandersetzung sollte man nicht in einen besonderen Rang erheben", sagte der SPD-Politiker dem Bonner General-Anzeiger.

Schröder und Merkel werden am Sonntagabend erstmals vor einem Millionenpublikum im Fernsehen aufeinander treffen. 90 Minuten werden sie sich in einem Studio in Berlin-Adlershof den Fragen von vier Moderatoren stellen. Das TV-Duell wird um 20.30 Uhr von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 live übertragen.

Der Kanzler geht als Favorit in die Auseinandersetzung. Nach dem ZDF-Politbarometer vom Freitag erwarten 48 Prozent der Befragten, dass sich Schröder besser schlagen wird, nur elf Prozent trauen das Merkel zu. 34 Prozent der 1.305 Befragten erwarten keine großen Unterschiede. Nach Ansicht von Meinungsforschern kann das Duell den Ausschlag zu Gunsten einer schwarz-gelben oder einer großen Koalition geben.

"Es steht Spitz auf Knopf, ob es für Schwarz-Gelb am 18. September reicht", sagte der Geschäftsführer von Infratest-dimap, Reinhard Hilmer, der Bild am Sonntag. "Deshalb fällt beim TV-Duell eine ganz wesentliche Entscheidung." Ähnlich äußerte sich Forsa-Chef Manfred Güllner: "Zwar wird das TV-Duell keine so großen Wirkungen zeigen wie 2002, als die Personalfrage stärker im Zentrum stand.Aber eine Verschiebung, die nach dem Wahltag zu einer großen Koalition führt, ist durch den Ausgang des Fernsehduells durchaus möglich."

Zwei Politiker - vier Moderatoren

Bei den beiden Duellen zwischen Schröder und seinem damaligen Herausforderer Edmund Stoiber schalteten 2002 jeweils mehr als 15 Millionen Zuschauer ein. Die Regeln wurden jetzt im Vergleich zum letzten Mal gelockert. Die starren Vorgaben für die Redezeit sind aufgehoben.

Die Moderatoren werden trotzdem darauf achten, dass die Differenz am Ende nicht mehr als eine Minute beträgt. Kanzler und Kandidatin können auch direkt auf Aussagen des anderen reagieren.

Auf Wunsch Merkels kam diesmal nur eine Fernsehduell zu Stande. Die Konsequenz ist, dass zwei Politiker von doppelt so vielen Moderatoren befragt werden. Sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die beiden großen privaten Sender werden mit einem Top-Journalisten vertreten sein: ARD und ZDF schicken Sabine Christiansen und Maybrit Illner in die Arena, RTL und Sat.1 Peter Kloeppel und Thomas Kausch.

Am 12. September werden die beiden Kontrahenten in größerer Runde noch einmal im Fernsehen aufeinander treffen - in einer Diskussionsrunde, an der auch Außenminister Joschka Fischer (Grüne), CSU-Chef Edmund Stoiber, der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle und der Linkspartei-Spitzenkandidat Gregor Gysi teilnehmen.