TV-Debatte der Republikaner Sieben in einem Streit

Gruppenfoto der sieben republikanischen Präsidentschaftsbewerber bei der Debatte des Senders Fox Business Network

(Foto: AFP)

17 Tage vor der ersten Vorwahl gibt es zwei klare Favoriten bei den Republikanern. Die TV-Debatte lässt jedoch erahnen, wer als Außenseiter überraschen könnte.

Überblick von Matthias Kolb, Washington

Donald Trump (69, Immobilien-Milliardär)

Immer noch "sehr wütend": Donald Trump.

(Foto: AP)

Profiliert sich derzeit als ... angeblich einziger Kandidat, der die USA vor dem angeblichen Niedergang retten kann. Will dafür sorgen, dass auch 2016 alle über ihn reden und betont, dass er noch immer "sehr wütend" sei.

Lieblingsthema des Abends: Wiederholt, dass er ein temporäres Einreiseverbot für Muslime noch immer befürwortet: "Mir geht es um die Sicherheit Amerikas." Bezeichnet Flüchtlinge als "mögliche trojanische Pferde", also potenzielle Terroristen. Ansonsten lobt er sich selbst - und greift erstmals Ted Cruz an, der sich als sein schärfster Verfolger erweist.

So stehen seine Chancen: Er führt weiter in allen Umfragen und seine Fans scheinen ihm weiter treu zu sein. Doch diese Debatte hat gezeigt, dass Trump verwundbar ist.

Ted Cruz (45, Senator aus Texas)

Ultrakonservativ und kompromisslos: Ted Cruz.

(Foto: AFP)

Profiliert sich derzeit als ... ultrakonservative, kompromisslose Alternative zu Donald Trump. Mehr Militär, weniger Steuern, keine Abtreibungen und überall Waffen: All das will er durchsetzen. Cruz ist selbstbewusst genug, um die Romanze mit Trump zu beenden und diesen anzugreifen.

Lieblingsthema des Abends: Wieso er US-Präsident werden kann, obwohl er in Kanada geboren wurde ("meine Mutter ist Amerikanerin"). Attackiert Trump, der ständig darüber redet - und legt überzeugend dar, dass dies nur mit Cruz' Popularität in Iowa zu tun hat. Hier zeigen sich die Erfahrungen aus dem Debattierclub der Elite-Uni Princeton.

So stehen seine Chancen: Ziemlich gut. Cruz hat dem Druck, plötzlich (Mit-)Favorit zu sein, zwei Stunden lang standgehalten. Er wird noch mehr Spenden bekommen - und die Unterstützung vieler, die Trump nicht mögen und auf Seiten eines potenziellen Gewinners stehen wollen.

Marco Rubio (44, Senator aus Florida)

Auf ihn können sich alle einigen: Marco Rubio.

(Foto: AFP)

Profiliert sich derzeit als ... Mann, auf den sich eigentlich alle einigen können. Doch Rubio wurde zuletzt oft kritisiert (wegen seines Schuhwerks und seiner früheren Unterstützung für eine Einwanderungsreform) und liegt nun deutlich hinter Cruz und Trump.

Lieblingsthema des Abends: Er gibt den kompetenten Außenpolitiker, der als Präsident die IS-Miliz besiegen würde. Sätze wie "Der beste Geheimdienst der Welt wird uns sagen, wo sie sind und das beste Militär wird sie besiegen. Wenn jemand überlebt, dann schicken wir sie nach Guantánamo und finden alles heraus, was sie wissen" kommen bei ängstlichen Konservativen gut an.

So stehen seine Chancen: Bleibt ein Geheimfavorit, weil er in fast allen Rededuellen bestehen kann. Konnte als Einziger Cruz in die Enge treiben. Nutzt jede Antwort, um Obama und dessen gescheiterte Politik zu kritisieren. Smart.

Chris Christie (53, Gouverneur von New Jersey)

Kennt die Sorgen von Normalbürgern: Chris Christie.

(Foto: AFP)

Profiliert sich derzeit als ... Pragmatiker, der unbequeme Wahrheiten ausspricht. Weil er in New Hampshire gut abschneiden muss, attackiert er vor allem Marco Rubio, den anderen Establishment-Kandidaten. Und das gelingt dem Ex-Staatsanwalt ziemlich gut.

Lieblingsthema des Abends: Witze machen über Präsident Obama, der wie ein "bockiges Kind" agiere. Dessen "Rede zur Lage der Nation" sei eine Märchenstunde gewesen. Der Applaus ist riesig.

So stehen seine Chancen: Sie werden immer besser, weil den Gouverneur aus New Jersey wegen diverser Skandale und früherer Obama-Nähe niemand ernst nahm. Darf nach dieser Debatte neben Rubio als Geheimtipp gelten. Christie nimmt man eher ab, die Sorgen normaler US-Bürger zu verstehen.

Jeb Bush (62, Ex-Gouverneur von Florida)

Konsequenter Anti-Trump: Jeb Bush.

(Foto: AP)

Profiliert sich derzeit als ... einstiger Top-Favorit, der trotz eines desaströsen Jahres 2015 weiter an seine Chance glaubt. Dass er kämpft, macht ihn unter Republikanern aber nicht populärer.

Lieblingsthema des Abends: Konsequent den Anti-Trump geben. Fordert ihn etwa auf, die Idee des temporären Einreiseverbots für Muslime aufzugeben: "Es ist kein Zeichen von Stärke, sondern von Schwäche." So sei es unmöglich, eine Koalition zu bilden, um den IS zu besiegen.

So stehen seine Chancen: Jeb Bush war engagierter als in vorherigen Debatten. Aber nicht gut genug, um viele skeptische Republikaner zu überzeugen. Die TV-Debatte am 28. Januar ist seine allerletzte Chance. Mal wieder.

Ben Carson (64, Ex-Gehirnchirurg)

Mehr lachen als reden: Ben Carson.

(Foto: AP)

Profiliert sich derzeit als ... prinzipientreuer, gelassener Christ, der nun außenpolitische Begriffe korrekt aussprechen kann. Details nennt er nicht - und seine Fans erwarten diese auch nicht.

Lieblingsthema des Abends: Der Verfall der Werte und das Verschwinden von Manieren in den USA. Belegt das mit den Beleidigungen und Kraftausdrücken, die man in Online-Foren lesen könne.

So stehen seine Chancen: In Umfragen ist Carson auf etwa zehn Prozent abgerutscht. Das ist besser als Jeb Bush, doch für Trump, Cruz und Rubio ist er keine Gefahr mehr. Bei der Debatte lachte er fast mehr als dass er redete - als würde er seine Kandidatur nicht mehr ernst nehmen.

John Kasich (63, Gouverneur von Ohio)

Gibt sich als einziger Erwachsener im Zirkus: John Kasich.

(Foto: AFP)

Profiliert sich derzeit als ... einziger Erwachsener im Zirkus dieser Kandidatenrunde. Bei der wütenden Republikaner-Basis kann der Ex-Abgeordnete jedoch nicht punkten, wenn er Erfolge aus seiner Washingtoner Zeit aufzählt.

Lieblingsthema des Abends: Der ausgeglichene Haushalt in Ohio, wo er Gouverneur ist. Widerspricht Trumps Anti-Muslim-Rhetorik, doch Flüchtlinge aus Nahost sollen nicht in die USA kommen. Lobt die Nahost-Politik von Präsident Bush - also George Bush senior, der erfolgreich eine Koalition gegen Saddam Hussein bildete.

So stehen seine Chancen: In New Hampshire, wo die Wähler moderater sind als in Iowa, liegt er dank vieler Auftritte auf Platz drei. Diese Debatten-Leistung dürfte daran wenig ändern.