Sie weinten im Parlament, sie schrien und sie prügelten sich, aber am Ende stimmten Südkoreas Volksvertreter doch mit großer Mehrheit für die Absetzung von Präsident Roh Moo Hyun. Ihm werden Parteinahme und Inkompetenz vorgeworfen.

Zunächst werden die Funktionen des Präsidenten nach dieser Entscheidung allerdings nur ausgesetzt; das Verfassungsgericht wird endgültig entscheiden, ob Roh abgesetzt wird.

Tumult in Südkorea

Song Suck-chan, Parteigänger von Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun, ist über dessen Absetzung so erzürnt, dass er mit einer Wahlurne um sich wirft. (© Foto: AP)

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Ihm werden Parteinahmne und damit ein Verstoß gegen das Wahlgesetz sowie Inkompetenz vorgeworfen. Die Geschäfte übernimmt kommissarisch Ministerpräsident Goh Kun.

Das Verfassungsgericht hat 180 Tage Zeit, um zu entscheiden, ob die Vorwürfe gegen Roh gerechtfertigt sind. Er wird ferner beschuldigt, seinen Wahlkampf im Jahr 2002 teilweise über illegale Spenden finanziert zu haben.

Außerdem hatte er öffentlich dazu aufgerufen, der ihm nahe stehenden Uri-Partei bei der Parlamentswahl am 15. April "überwältigende Unterstützung" zu geben. Öffentliche Parteinahme ist Regierungsvertretern in Südkorea aber nicht gestattet.

Vor der Abstimmung war es im Parlament zu dramatischen Szenen gekommen. Anhängers Rohs hatten mehrere Tage lang das Podium besetzt gehalten, um das Votum zu verhindern.

Sie wurden schließlich mit Gewalt herausgedrängt und des Saals verwiesen. Am Donnerstag hatte sich vor dem Parlamentsgebäude in Seoul sogar ein Anhänger des Präsidenten in Brand gesetzt. Er überlebte schwer verletzt.

Die Abstimmung musste bis Freitag erfolgen, andernfalls wäre der Oppositionsantrag auf Amtsenthebung automatisch verfallen.

Es wäre der erste Antrag auf ein Amtsenthebungsverfahren in der Geschichte Südkoreas.

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(sueddeutsche.de/AP)