Türkische Stadt Suruç 30 Tote bei Explosion im Süden der Türkei

In der türkischen Stadt Suruç, nur wenige Kilometer vom syrischen Kobanê entfernt, tötet eine Bombe 30 Menschen. Das Innenministerium spricht von einem "Terroranschlag".

Bombenexplosion in Suruç - 30 Tote

Bei einem mutmaßlichen Anschlag in der türkischen Stadt Suruç an der Grenze zu Syrien sind nach Angaben des Innenministeriums mindestens 30 Menschen getötet und etwa 100 Personen verletzt worden. Die Behörden in Ankara haben die Tat einen "Terroranschlag" genannt. Ersten Hinweisen zufolge gehe der Anschlag vermutlich auf das Konto der radikalislamischen Miliz Islamischer Staat (IS). Meldungen, dass es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt habe, ließen sich zunächst nicht zweifelsfrei bestätigen.

Im Gebäude befanden sich 300 Personen

Die private Nachrichtenagentur DHA meldete, zu der Explosion in einem Kulturzentrum sei es gekommen, als eine politische Gruppe ihre Wiederaufbaupläne für Kobane erläuterte. Etwa 300 Angehörige einer sozialistischen Jugendorganisation seien in dem Gebäude gewesen. Sie hätten bei der Beseitigung der Zerstörungen in Kobane helfen wollen.

Suruç liegt an der syrisch-türkischen Grenze gegenüber der Stadt Kobanê. Ende Januar hatten kurdische Kämpfer Kobanê nach monatelangen Kämpfen von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreit. Ahmet Davutoğlus Büro kündigte an, dass der Regierungschef drei Minister zum Anschlagsort schicken werde: Vizeregierungschef Numan Kurtulmuş, Innenminister Sebahattin Öztürk und Arbeitsminister Faruk Çelik.

Explosion auch in Kobanê

Auch in Kobanê gab es eine Explosion, deren Ursache aber zunächst unklar war. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die Kurdenmiliz YPG sei mit einer Autobombe angegriffen worden. Zwei kurdische Kämpfer seien durch die Explosion getötet worden. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien, ihre Angaben sind von unabhängiger Stelle kaum überprüfbar. Ein YPG-Sprecher sagte dagegen, es habe mehrere Explosionen bei der Beseitigung von Munition gegeben, die von IS-Kämpfern zurückgelassen worden sei.

Demonstrationen in Istanbul

Die türkische Polizei ist am Tag des Anschlags mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen, die der Regierung eine Mitschuld an dem Anschlag geben. In Istanbul versammelten sich Hunderte pro-kurdische Demonstranten. Sie warfen Präsident Recep Tayyip Erdoğan und dessen regierender AKP vor, Kollaborateure des IS zu sein. Die kurdische PKK hatte zuvor die türkische Regierung für den Anschlag nahe der Grenze zu Syrien mitverantwortlich gemacht, weil sie den IS im Kampf gegen die Kurden in Syrien unterstützt habe.