Die Türkei ruft Teile ihrer Truppen aus dem Nordirak zurück, bestreitet aber bisher einen vollständigen Abzug. Dem irakischen Außenminister Sebari zufolge sind dagegen "alle Soldaten" in die Türkei zurückgekehrt.

Die Türkei hat ihre Truppen aus dem Nordirak nach den Worten von Iraks Außenminister Hoschijar Sebari vollständig abgezogen. "Alle Soldaten sind auf die türkische Seite der internationalen Grenze zurückgekehrt", sagte Sebari am Freitag in Bagdad. Die irakische Regierung begrüße den Rückzug. Der türkische Generalstab kündigte noch für Freitag eine Erklärung an.

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Ein türkischer Soldat im Einsatz im Nordirak beobachtet am 28. Februar 2008 durch ein Fernglas die Lage. (© Foto: dpa)

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Aus türkischen Armeekreisen hatte es am Freitagmorgen zunächst geheißen, es werde nur ein Teil der Truppen aus dem Nordirak abgezogen. Es gehe nicht um einen vollständigen Rückzug. Lediglich einige Einheiten seien in die Türkei zurückgekehrt. "Es stehen weiterhin türkische Soldaten im Irak und im Moment gibt es keinen vollständigen Abzug", sagte ein hochrangiger Militärvertreter.

Sicherheitskräfte der irakischen Region Kurdistan hatten dagegen von einem Abzug gesprochen. "Seit der vergangenen Nacht greifen sie nicht mehr an und die türkischen Truppen ziehen sich zurück", sagte Dschabbar Jawar, Sprecher der Peschmerga-Truppen. Er berief sich dabei auf Informationen irakischer Grenztruppen.

Der türkische Privatsender NTV hatte berichtet, die seit einer Woche anhaltende Bodenoffensive gegen kurdische PKK-Extremisten sei beendet. Der Sender nannte keine Quellen.

Unterdessen meldet die Zeitung Today's Zaman, die Türkei wolle auch nach einem Rückzug ihrer Armee aus dem Nordirak eine militärische Präsenz im Nachbarland aufrecht erhalten. Ankara plane elf kleinere Stützpunkte auf der irakischen Seite der gemeinsamen Grenze, meldete das Blatt am Freitag unter Berufung auf nicht näher genannte Sicherheitskreise in Ankara.

Mit Hilfe dieser Lager in unbewohnten und sehr unzugänglichen Gebieten im Nordosten Iraks solle es den Kurdenrebellen von der PKK erschwert werden, vom Irak aus in die Türkei einzudringen. Eine offizielle Stellungnahme zu dem Bericht lag zunächst nicht vor.

Die großangelegte Bodenoffensive der Türkei im Nordirak hatte am 21. Februar begonnen. Nach Angaben des türkischen Generalstabs vom Donnerstag wurden bei den Gefechten 237 PKK-Kämpfer und 27 türkische Soldaten getötet. NTV berichtete, Kampfflugzeuge hätten in der Nacht erneut mutmaßliche PKK-Stellungen bombardiert, am Freitagmorgen sei die Lage in dem bergigen Grenzgebiet jedoch ruhig gewesen.

Am Donnerstag hatte die Türkei trotz starken Drucks von Seiten der USA auf einer Fortführung ihrer Offensive beharrt. Die Soldaten sollten "so lange wie notwendig" im Nachbarstaat bleiben, um gegen die Kämpfer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vorzugehen, hatte Verteidigungsminister Vecdi Gönül nach Gesprächen mit seinem US-Kollegen Robert Gates in Ankara erklärt.

Die türkische Armee war in den Nordirak einmarschiert, um dort gegen PKK-Stützpunkte vorzugehen. Ankara wirft der autonomen Kurdenregierung im Nordirak vor, nicht entschieden genug gegen die PKK-Rebellen vorzugehen.

Die Türkei vermutet rund 4000 PKK-Kämpfer im Nachbarland. Von dort aus unternahmen sie in den vergangenen Jahren immer wieder Angriffe auf Ziele in der Türkei. Die USA fürchten, der Einsatz könne den Irak weiter destabilisieren.

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(AFP/dpa/Reuters/schä/ihe)