Türkei Klare Sicht, markierte Ziele

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen besucht die deutsche Luftwaffe auf dem Nato-Stützpunkt in Incirlık. Sie will sicher gehen, dass bei den Einsätzen über Syrien auch nichts schiefläuft.

Von Stefan Braun, Incirlık

Das also sind die Bilder, deretwegen die Deutschen hier sind. Auf drei Bildschirmen zeigt ein junger deutscher Hauptmann Luftaufnahmen eines kleinen syrischen Dorfes. Ein langer staubiger Weg, offenbar versperrt durch mehrere Hindernisse, Sandhaufen, ein Tor, ein alter vergammelter Lastwagen. Daneben zahlreiche Flachdachbauten, offenbar Wohnhäuser. Mittendrin eine Moschee mit zwei Minaretten. Und drum herum staubige Felder, Wüstenpisten. An einigen Stellen haben die Luftaufklärer der Bundeswehr, untergebracht in einem Container-Büro, Markierungen angebracht. Die Moschee ist weiß eingerahmt, sie soll als Nichtziel geschützt werden. Die Straße ist rot gekennzeichnet, hier sind die Hindernisse von Interesse. Und dazu deuten sie eine Alternativstrecke an - man kann ja nie wissen. "Das ist ein klassisches Beispiel", erzählt der Hauptmann, dessen Name unbekannt bleiben soll. "So bearbeiten wir die Fotografien aus den Flugzeugen und schicken sie ins Hauptquartier nach Katar"'

Seit fünf Wochen ist die deutsche Luftwaffe auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlık stationiert. Seit knapp zwei Wochen starten und landen hier täglich deutsche Tornados, um über Syrien und dem Irak Aufklärungsflüge zu bestreiten. Und seit zwei Stunden an diesem Donnerstagvormittag ist Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hier um zu hören, ob alles so läuft, wie es sich die Bundesregierung erhofft.

Am Problem der zu hellen Armaturenbeleuchtung arbeitet man "mit Hochdruck"

Oberst Michael Krah, Kommodore des Einsatzgeschwaders, lobt die eigenen Leistungen. Die Bündnispartner seien "hochzufrieden"; die Soldaten würden "ausgezeichnete Arbeit" machen. Und Pannen oder negative Zwischenfälle habe es keine gegeben. Wirklich überprüfen kann man das alles nicht, aber es gibt bislang auch keine Belege, die das Gegenteil beweisen würden. Also steht man hier und lauscht den Worten, sofern nicht gerade mit einem Höllenlärm zwei Kampfflugzeuge in den Himmel steigen. Von der Leyen dürfte das recht sein. Es ist diese Botschaft, die sie nach Berlin mitnehmen möchte: alles okay, alles nach Plan. Der Einsatz ist sinnvoll.

Dabei kommt Krah, seinen zwölf Piloten und den gut 200 weiteren Soldaten in Incirlık zugute, dass sie aus dem Haupt-quartier der alliierten Luftstreitkräfte in Katar bislang nur Aufträge für eine Aufklärung am Tage erhalten haben. So wurde hier noch nicht zum Problem, was sich zu Hause zu einer kleinen Krisendebatte auswuchs: Die Tatsache, dass die Tornados wegen einer zu hellen Armaturenbeleuchtung derzeit nachts über weitgehend unkontrolliertem syrischem Gebiet nicht wirklich sicher geflogen werden können. Krah versichert zwar, dass die Nachtflugfähigkeit stets gewährleistet sei. Die Nachtsichtfähigkeit aber sei eingeschränkt. Aber daran arbeite man "mit Hochdruck".

Seit dem Beginn des Einsatzes haben die Deutschen bereits 34 Flüge absolviert und wahrscheinlich schon Tausende Bilder geliefert. Dabei, das räumt Krah ein, werten die Deutschen nur aus. Was anschließend an denselben Orten geschieht, bleibt im Dunkeln. Allerdings geht es, das berichtet der Luftaufkläroffizier, in der Hälfte der Fälle nicht darum, Ziele zu erkennen. Genauso wichtig sei es, Schulen, Moscheen oder Krankenhäuser zu identifizieren, die auf keinen Fall getroffen werden sollen. Solche Kollateralschäden haben in Afghanistan fürchterliche Verheerungen angerichtet - und sollen nun vermieden werden.