Ein Kommentar von Christiane Schlötzer

Die türkische Armee darf laut Parlament ins irakische Grenzgebiet einmarschieren. Damit dürfte auch der Nordirak in einen Strudel der Gewalt geraten. Die Kämpfer der türkisch-kurdischen PKK wird es freuen.

Die Türkei ist Mitglied der Nato und einer der engsten Verbündeten der USA. Auch die irakischen Kurden sind Freunde Amerikas, ihre Einflusszone im Norden des Irak ist bislang das einzig weitgehend friedliche Gebiet des geschundenen Landes. Sollte die türkische Armee die gemeinsame Grenze überschreiten, dann dürfte auch der Nordirak in einen Strudel der Gewalt geraten. Allein diese Aussicht macht klar, wie brandgefährlich die Interventions-Drohungen sind. Die Einzigen, die sich über eine neue Front freuen dürften, sind die Kämpfer der türkisch-kurdischen Terrortruppe PKK, die im Nordirak Zuflucht gefunden hat.

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Seit fast 25 Jahren ist die PKK aktiv, am Anfang stritt sie noch für einen eigenen Staat. Inzwischen sind die gealterten Guerilleros jedoch reichlich frustriert. Denn die kurdische Basis in der Türkei läuft ihnen davon, seit die Regierung in Ankara endlich angefangen hat, auch den Südosten des Landes wirtschaftlich zu entwickeln, und seit die EU kräftig dabei hilft. Bei der jüngsten Parlamentswahl haben daher mehr als die Hälfte der Kurden die Regierungspartei AKP von Tayyip Erdogan gewählt. Diese neue Allianz lässt sich nur durch Terror zerstören.

Deshalb bombt die PKK wieder, und türkische Medien zeigen jeden Tag Soldatenbegräbnisse. Und die Regierung beugt sich diesem Druck. Damit geht sie in die Falle der Terroristen. Aber Abwägung und Vernunft sind derzeit in Ankara wenig verbreitet. Das Massenblatt Hürriyet trompetet, Erdogan gewinne mit der Erlaubnis zum Irak-Einmarsch an Stärke. Das Erwachen aus diesem Traum wird bitter sein. Wer das Ende der PKK will, muss weiter politisch um die Kurden werben - nicht jedoch Krieg gegen sie führen.

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(SZ vom 18.10.2007)