Nach Terroranschlag in Ankara Die EU braucht einen verlässlichen Partner

Am gefährlichsten aber: Der Zwist zwischen der Türkei und Russland wird befeuert werden. Auf dem Schlachtfeld in Syrien kämpfen Russland und das Nato-Land Türkei glücklicherweise noch nicht direkt gegeneinander, aber sie tun es schon über Stellvertreter. Die Türkei versorgt die Anti-Assad-Rebellen, Moskau den Diktator in Damaskus. Zuletzt hat Russland auch versucht, sich die syrischen Kurden zu Freunden zu machen, die PYD durfte in Moskau ein Büro eröffnen, mit propagandistischem Tamtam.

Für Wladimir Putins Strategen sind die Kurden nur Bauernfiguren auf einem geopolitischen Schachbrett. Da darf man dann schon fragen, warum gerade die Kurden, warum gerade jetzt? Und wieso wird das Zentrum von Ankara in ein Inferno verwandelt, ausgerechnet am Tag bevor der türkische Premier in Brüssel zu wichtigen Verhandlungen erwartet wird? Zu Verhandlungen, die der EU und vor allem der deutschen Kanzlerin Angela Merkel helfen sollen, die Flüchtlingskrise so zu lösen, dass Europa nicht daran zerbricht.

Auch die, die eigentlich ausharren wollten, werden irgendwann in Passau stehen

In Syrien hinterlassen russische Luftangriffe verbrannte Erde, wo Krankenhäuser und Schulen bombardiert werden, fliehen auch noch diejenigen, die eigentlich ausharren wollten. Auch diese Flüchtlinge werden, wenn sie keine Bleibe in der Türkei finden, irgendwann in Passau stehen, wenn sie es noch irgendwie durch die Zaunwälder der Balkanroute schaffen.

Was heißt dies alles für die EU, für Angela Merkel? Die Türkei wird als Partner weiter gebraucht, denn wenn Ankara nicht mithilft, den syrischen Flüchtlingsstrom in geordnete Bahnen zu lenken, wird Merkel ihre Linie nicht halten können, dann werden die politischen Fliehkräfte die EU noch tiefer in Existenznöte treiben.

Merkel und ihre wenigen verbliebenen Freunde in der Union müssen Davutoğlu, wenn das jetzt abgesagte Flüchtlingskrisentreffen von Brüssel nachgeholt wird, aber auch klar sagen, dass die Türkei ihren inneren Frieden finden muss, wenn sie ein verlässlicher Partner sein will. Der EU-Gipfel könnte schon jetzt ein Signal setzen: Er sollte die russischen Luftangriffe in Syrien scharf verurteilen, und vorsorglich gleich noch alle warnen, welche die Stabilität der Türkei aufs Spiel setzen wollen.

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