Türkei: Ilisu-Projekt Staudamm vor dem Aus

"Ankara hat die Auflagen nicht erfüllt": Mit dieser Begründung ziehen sich die europäischen Kreditversicherer aus dem umstrittenen Ilisu-Projekt zurück. Die Türkei hält dennoch an dem Damm fest.

Die europäischen Kreditversicherer ziehen sich aus dem umstrittenen Staudammprojekt Ilisu im Südosten der Türkei zurück. "Ankara hat Auflagen nicht erfüllt", erklärte der deutsche Kreditversicherer Euler-Hermes.

Umstrittener Ilisu-Staudamm: Der Bau würde die mittelalterlichen Stadt Hasankeyf am Tigris (Bild) zerstören.

(Foto: Foto: dpa)

Mit dem Milliardenprojekt am Tigris will die türkische Regierung zum wirtschaftlichen Aufschwung im armen Südostanatolien beitragen.

Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wollen den Damm im Auftrag des türkischen Wasserbauamtes errichten.

Die Kreditversicherer aus den drei westeuropäischen Ländern hatten ihre Unterstützung für das Projekt jedoch an strenge Auflagen in den Bereichen Umwelt, Kultur und Umsiedlung geknüpft.

Die Türkei habe diese Auflagen "trotz teilweise erheblicher Verbesserungen innerhalb der vertraglich festgelegten Frist nicht erfüllt", erklärte Euler-Hermes. "Daher sind die Grundlagen für eine Fortführung des Projekts mit staatlicher Absicherung aus den drei Ländern nicht mehr gegeben. Als Folge davon enden die Exportkreditgarantien."

Die Entscheidung hatte sich seit Wochen abgezeichnet. Die türkische Regierung hatte erklärt, sie werde den Damm auch ohne europäische Unterstützung bauen.

Der Bürgermeister der archäologisch bedeutenden Stadt Hasankeyf, Abdulvahap Kusen, hat den Stopp der Kreditbürgschaften begrüßt. "Wir wollen nicht, dass Hasankeyf zerstört wird. Wir wollen, dass es für die kommenden Generationen erhalten bleibt", sagte Kusen. Er forderte, die jahrtausendealte Ortschaft als Unesco-Weltkulturstätte zu schützen.