Türkei-Korrespondent Deniz Yücel Erdoğan meldet die Türkei gerade endgültig aus Europa ab

Der türkische Präsident lässt missliebige Journalisten wie Deniz Yücel verhaften. Die Türkei ist auf dem Wege, in einen autoritären Führerstaat abzugleiten.

Kommentar von Kurt Kister

Das Schicksal des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel wirft ein grelles Schlaglicht auf das offenbar unaufhaltsame Verschwinden des Rechtsstaats in der Türkei. Yücel hat für die Welt das getan, was Korrespondenten für ihre Zeitungen und Sender tun sollten: Er hat berichtet, kommentiert und analysiert. Er hat dabei auch Dinge geschrieben, die den Machthabern um Präsident Erdoğan nicht gefallen haben. Weil das so ist, wurde er vor 14 Tagen unter Vorwänden verhaftet, genaue Vorwürfe wurden ihm zunächst nicht einmal mitgeteilt.

Die Türkei ist auf dem schlechtesten Wege, in einen autoritären Führerstaat abzugleiten. Missliebige Journalisten gelten als Terroristen oder, wie das Donald Trump ausgedrückt hat, als "Feinde des Volkes". (Trump ist in dieser Hinsicht ein Bruder Erdoğans im Geiste.) Die Freiheit der Presse soll zertrampelt werden, weil die Machthaber nach dem Motto verfahren: Wer nicht für uns ist, ist unser Feind und muss so behandelt werden.

Jetzt hat der Haftrichter auf Antrag des Staatsanwalts Yücels Verbringung in "Untersuchungshaft" auf ungewisse Dauer verfügt. Das ist übel, und dennoch ist Yücel nur einer von gut 150 Journalisten, die in türkischen Gefängnissen sitzen. Diese 150 wiederum sind nur ein kleiner Teil von Zehntausenden Menschen aus allen Berufen, die seit dem Putschversuch verfolgt werden. Erdoğan meldet sein Land endgültig aus Europa ab.

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