Türkei Erdoğan schließt Auslieferung von Deniz Yücel an Deutschland aus

Yücel 2016 bei einem Auftritt in der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner".

(Foto: dpa)

"Auf keinen Fall, solange ich in diesem Amt bin niemals", sagte der türkische Präsident in einem Interview. Der deutsch-türkische Journalist sitzt seit Februar in Untersuchungshaft.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat eine Auslieferung des inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel an die Bundesrepublik ausgeschlossen. Deutschland verweigere die Auslieferung türkischer Staatsbürger, sagte Erdoğan dem Sender TGRT in Istanbul. Daher würden Deutsche wie Yücel auch nicht überstellt. "Wenn einer von denen uns in die Hände fällt, werden sie dieselbe Behandlung erfahren." Zu einer möglichen Auslieferung von Inhaftierten wie Yücel sagte er: "Auf keinen Fall, solange ich in diesem Amt bin niemals."

Die Bundesregierung fordert die Freilassung des Welt-Korrespondenten Yücel, der in der Türkei unter Terrorverdacht in Untersuchungshaft sitzt. Die Türkei wirft ihrerseits Deutschland immer wieder vor, türkische Terrorverdächtige nicht auszuliefern.

Zu Vorwürfen, Yücel habe Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK gehabt, sagte Erdoğan: "Natürlich, auf jeden Fall. Uns liegt Bildmaterial und das alles vor. Das war ein richtiger Agent und Terrorist."

Yücel war Ende Februar in Untersuchungshaft genommen worden. Als Begründung hatte der Haftrichter Terrorpropaganda und Volksverhetzung angeführt. Im Gerichtsprotokoll war von Spionage nicht die Rede. Beweise für ihre Vorwürfe legten bislang weder die Justiz noch der Präsident vor.

Yücel heiratete vor wenigen Tagen in Haft seine Freundin, die TV-Produzentin Dilek Mayatürk. Durch die Heirat erhält Mayatürk ein Besuchsrecht.

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