"Große Offenheit, große Übereinstimmung": Zum Abschluss seiner Türkei-Reise zieht Bundespräsident Christian Wulff eine "extrem positive Bilanz". Seine Frau Bettina zeigte sich mit Kopftuch.
Sie duzen sich noch nicht. Aber die beiden Präsidenten Abdullah Gül und Christian Wulff sprechen sich jetzt öffentlich mit "mein Freund" an. Nach dem fünftägigen Staatsbesuch des Bundespräsidenten in der Türkei steht zumindest eins fest: Das neue deutsche Staatsoberhaupt hat es geschafft, zum privilegierten deutschen Partner der türkischen Führung zu werden.
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In der Blauen Moschee in Istanbul trägt Präsidentengattin Bettina Wulff Kopftuch. (© REUTERS)
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Bundeskanzlerin Angela Merkel gilt in der Türkei als unsichere Kantonistin, wenn es darum geht, die weiteren Beitrittsverhandlungen mit der EU schwungvoll zu unterstützen. Sie strebt eine "privilegierte Partnerschaft" mit der Türkei statt deren Vollmitgliedschaft in der EU an. Außenminister Guido Westerwelle ist am Bosporus kaum eine Größe. Diese Lücke hat Wulff nun geschlossen. Reisen in den Nahen Osten sind bereits in Vorbereitung.
Gül bescheinigte Wulff beim abschließenden Staatsbankett im Dolmabahace-Palast am Donnerstagsabend in Istanbul: "Ihre Ansicht, Herr Präsident, deckt sich mit unserem Verständnis der gegenseitigen Toleranz und Integration."
Und zum Ziel der türkischen Vollmitgliedschaft in der EU: "Mögen uns noch so viele künstliche Hindernisse in den Weg gestellt werden, wir werden es niemals aufgeben.... Hier erwarten wir von Deutschland die meiste Solidarität und Zusammenarbeit". So deutliche Worte wählt man nur, wenn man auf seinen Gesprächspartner große Hoffnungen setzt.
Wulff hat diese Anerkennung in kurzer Zeit erreicht, obwohl er der türkischen Führung nicht nach dem Munde geredet hat. Der Bundespräsident hat vor dem Parlament in Ankara so offen über die Problem mit der Integration türkischer Auswanderer gesprochen wie noch nie ein deutscher Spitzenpolitiker zuvor auf türkischem Boden. Zugleich setzte er starke Zeichen für die Anerkennung der christlichen Minderheiten in der Türkei - vor allem mit seinem demonstrativen Gottesdienst-Besuch am angenommenen Geburtsort des Heiligen Paulus im südtürkischen Tarsus.
"Das sind ganz neue Töne" wurde in der deutschen Delegation dazu Güls Satz in Ankara registriert: "Ich bin auch der Präsident der Juden und Christen in meinem Land." Man solle die Reise des Bundespräsidenten, die noch von seinem Vorgänger Horst Köhler geplant worden war, nicht durch die innenpolitische Brille betrachten, wurde aus dem Schloss Bellevue zunächst gewarnt.
Inzwischen ist man dort ganz froh, dass der Türkei- Besuch eine starke innenpolitische Resonanz gefunden hat. Neben dem umstrittenen Satz aus Wulffs Rede zum Tag der deutschen Einheit ("Der Islam gehört zu Deutschland") steht nun das Wulff-Wort vor dem Parlament in Ankara: "Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei."
Zwei Seiten eines Themas, über das man nun öfters den neuen Präsidenten sprechen hören wird. Von den Grünen, die zu Beginn seiner Amtszeit im Juli zu seinen schärfsten Kritikern gehörten, erntet Wulff jetzt dickes Lob. Sie haben ihn und Gül für den Aachener Karlspreis vorgeschlagen. In der Union wird der präsidentielle Umgang mit dem Thema Islam in Deutschland dagegen auch weiter kritisch beäugt.
In einem Antrag zum nächsten CDU-Parteitag ist ausdrücklich davon die Rede, dass die christlich-jüdische Tradition die "Leitkultur in Deutschland" sei. Das Wort wird man vom ehemaligen CDU-Vize Wulff im neuen Präsidentenamt wohl nicht mehr hören. "Einheit in der Vielfalt", "Ich will das Verbindende und nicht das Trennende fördern" - mit diesen Leitsprüchen ist Wulff jetzt auch international unterwegs. Und vor allem "ohne Zeigefinger und Arroganz", wie er sagt.
Seine Frau Bettina, die jetzt die zehntägige Parforce-Tour ihres Mannes mit Staatsbesuchen durch Russland und die Türkei mitmachte, zeigt auch diese Mischung aus Offenheit und Zurückhaltung. Die Blaue Moschee von Istanbul betrat sie am Freitag mit einem dunkelblauen Kopftuch - "aus selbstverständlichem Respekt vor den Gebräuchen in einer Moschee", wie ihr Mann anschließend sagte. Niemand hatte sie dazu gezwungen. Aber schließlich tragen Männer in einer Synagoge auch Kippa.
Mit einem Aufruf zum Bildungs- und Ideenaustausch schloss Wulff seinen Staatsbesuch in der Türkei ab. Wulff enthüllte am Freitag den Grundstein für die Deutsch-Türkische Universität (DTU) in Istanbul. Dabei ermunterte er auch die jungen Menschen türkischer Herkunft in Deutschland, "ihre Chancen wahrzunehmen und einen Hochschulabschluss zu erwerben".
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(sueddeutsche.de/dpa/AFP/woja/liv)
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Sehr interessant nachstehender Artikel, wieso berichtet man hiervon nur im Ausland?
http://derstandard.at/1287099550459/Markus-Beys-Blog-Wulff-und-die-tuerkische-Leere
Das Niveau Ihrer Beiträge ist beruhigend.
Mein Gottm, muss da mal wider das Feld-, Wald- und Wiesenargument der Islamhasser , diese Necla Irgendwas herhalten!
Die Frau mag vieles haben, Ahnung gehört nicht unbedingt dazu. Wohlwissend, dass sich Islamhass viel besser verkaufen lässt, als differenzierte Betrachtungen hat sie ihre eigenen wissenschaftlichen Dissertationsergebnis in den Wind geblasen unnd surft nun auf der viel besser bezahlten, emotional-hysterischen Phobiker-Welle durch jede Talkshow.
Selbstverständlich wurde soviel "Engagement" dann natürlich auch mit den entsprechenden Preisen honoriert, von denen schon Billy Wilder sagte: "Preise sind wie Hämorrhoiden, irgendwann kriegt jeder A.sch welche." :-))))
Was die fatale Ankara-Rede von Wulff betrifft, so hat glücklicherweise die mutige und unverwüstliche Necla Kelek eine Replik geliefert. Die türkischstämmige Soziologin weist zu Recht darauf hin, dass Wulff hier eine bedenkliche Haltung gegenüber der Türkei an den Tag legt.“Der Bundespräsident betreibt vor der türkischen Nationalversammlung Verharmlosung auf höchstem Niveau und redet der Rückkehr der Religion in die Politik das Wort. Seine Rede ist historisch unrichtig und stellt die säkulare Republik in Frage. Die Medien sehen nur die Oberfläche.“ Irritiert stellt sie fest: Wulff „redet der Rückkehr der Religion als Kategorie der Politik das Wort. Sind wir keine Deutschen, Türken, sondern zuerst Christen, Juden oder Muslime; keine Bürger, sondern Gläubige oder Ungläubige? Ist das die Mission des Pro-Christ-Katholiken Christian Wulff?“ Wulff habe in seiner Rede im türkischen Parlament seine zwei Wochen zuvor gemachte Bemerkung "Der Islam gehört zweifelsfrei zu Deutschland" mit dem Satz "Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei" gespiegelt, als seien "dies zwei Seiten derselben Medaille", schreibt Kelek in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 22. Oktober 2010. In Deutschland seien die Muslime aber keine Minderheit, sondern Teil der Gesellschaft und "mit fast 3.000 Gebetsstätten und ebenso vielen Vorbetern religiös so gut versorgt wie die Christen. Die Christen in der Türkei seien dagegen immer noch eine unterdrückte Minderheit, die Diskriminierungen ausgesetzt sei und deren Kirchen oft nur als Museen zugänglich seien. Die von Wulff gemachte "Gleichsetzung ist verstörend und falsch".
Dieser Präsident - ein Präsident gegen das Volk, das Joachim Gauck favorisiert hat - ist eine Katastrophe. Gauck hat zu den muslimischen Migranten die richtigen Worte gefunden, als er sagte: "Unfreiheit kann auch von innen kommen" - entgegen den ewigen Klagen, dass sich Türken in der dritten und vierten Generation noch immer nicht angekommen und angenommen fühlen. Merkwürdig nämlich, dass sich z.B. Osteuropäer oder Asiaten meist bereits nach einer Generation bestens integriert haben.
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