Von K. Brill

Die tschechische Regierung will mit Hilfe der Opposition den EU-Reformvertrag billigen. Die mächtigen Euro-Skeptiker im Land sind jedoch noch nicht verstummt.

Der Schatten weicht, und die Gefahr des Stolperns scheint nicht mehr so groß zu sein: Wenn Tschechien am 1. Januar die Präsidentschaft der EU übernimmt, dann brauchen seine Partner sich um die Handlungsfähigkeit der Prager Regierung nicht mehr so stark zu sorgen wie bisher.

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Ministerpräsiden Mirek Topolanek (l.) und sein Gegenspieler, Staatspräsident Vaclav Klaus. (© Foto: AP)

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Denn im Machtkampf mit den Euro-Skeptikern im Land neigt sich die Waage immer mehr zugunsten des konservativen Ministerpräsidenten Mirek Topolanek - und damit auch zugunsten einer Zustimmung zum Lissabonner Vertrag über die Reform der EU. Wie Topolanek mitteilte, hat die von ihm geführte konservative Partei der Bürgerdemokraten (ODS) mit den oppositionellen Sozialdemokraten (CSSD) eine Art Burgfrieden geschlossen, der eine Präsidentschaft ohne Störungen garantieren soll.

Eine solche Übereinkunft, die noch mit den Grünen und den Christdemokraten als Koalitionspartner der ODS abzustimmen ist, würde im Abgeordnetenhaus und im Senat die Mehrheit für den Lissabonner Vertrag sichern, den Tschechien als letztes der 27 EU-Länder noch nicht durchs Parlament gebracht hat. Es fehlt zudem die Zustimmung Irlands, wo die Bürger im Juni bei einer Volksabstimmung die EU-Reform abgelehnt hatten.

Topolanek Favorit gegen Bem

Des weiteren hat Topolanek gute Aussichten, auch den Zweikampf mit dem Prager Oberbürgermeister Pavel Bem für sich zu entscheiden, der in der ODS um seine Amtsführung und den Lissabonner Vertrag entbrannt war. Bem gilt als Vertrauter des Staatspräsidenten Vaclav Klaus und polemisiert wie dieser heftig gegen den EU-Vertrag.

Er musste jetzt den Verlust eines wichtigen Verbündeten hinnehmen: Der ODS-Politiker Petr Bendl, bis zum ODS-Fiasko bei der jüngsten Regionalwahl im Oktober Bezirkshauptmann in Mittelböhmen, gab öffentlich den Kampf um den Parteivorsitz für Bem verloren, der auf dem ODS-Parteitag am 5. Dezember kandidieren wollte.

Bendl sagte, in den Parteigliederungen nehme die Unterstützung für Bem mit jedem Kilometer ab, den man sich von Prag entferne. Bei Abstimmungen in einzelnen Parteibezirken liegt Topolanek bisher weit vorne, doch steht ein Meinungstest in wichtigen Gliederungen noch aus.

Zunächst hat jedoch an diesem Dienstag das tschechische Verfassungsgericht in Brünn das Wort, das auf Antrag euroskeptischer Senatoren der ODS darüber zu befinden hat, ob der Lissabonner Vertrag die tschechische Souveränität verletzt.

Staatspräsident Klaus als bekanntester EU-Skeptiker will persönlich vor den Richtern auftreten und hatte deshalb erwirkt, dass der Gerichtstermin verschoben wurde. Dadurch geriet der Zeitplan für die weitere Behandlung des Vertrags im Parlament ins Rutschen, sodass die Ratifikation bis Ende dieses Jahres kaum mehr möglich erscheint.

Klaus scheint entschlossen zu sein, alle Möglichkeiten der Opposition und auch der Obstruktion auszuschöpfen. Im Rundfunk schrieb er dem Lissabon-Vertrag am Montag erneut eine "fatale Beschränkung der nationalen Souveränität" zu.

Zugleich wies er auf die Möglichkeit hin, dass er als Staatsoberhaupt die Prager Ratifikationsurkunde erst dann unterzeichnen könnte, wenn auch die Iren den Lissabonner Vertrag ratifiziert hätten - und dies auch dann, wenn zuvor schon das tschechische Verfassungsgericht und das Parlament in Prag ihre Zustimmung gegeben haben. Dies würde bedeuten, dass das tschechische Ja in jedem Fall bis ins nächste Jahr hin offenbliebe und mit der irischen Entscheidung zeitlich verknüpft wäre.

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(SZ vom 25.11.2008)