Tschechien: Umstrittenes Verfahren Penis-Kontrollen bei Asylbewerbern

Um zu testen, ob Asylbewerber tatsächlich homosexuell sind, verwendete Tschechien "phallometrische Tests" und zeigte Pornofilme. Die EU ist empört. Sexualforscher bezeichnen das Verfahren als sinnlos - die sexuelle Orientierung lasse sich anders ermitteln.

In etwa 80 Ländern dieser Erde sind homosexuelle Handlungen strafbar, in noch viel mehr Staaten lebt es sich als Schwuler auch ohne die Verfolgung durch die Behörden gefährlich - weil diese nicht hinschauen, wenn die Gesellschaft Homosexuelle ausgrenzt, terrorisiert oder in Extremfällen sogar umbringt. Zuletzt hatten Zeitungen in Uganda damit gedroht, die Namen von Homosexuellen zu veröffentlichen - angeblich, um diesen zu helfen. Es wundert also nicht, dass immer wieder Menschen in Deutschland und anderen EU-Ländern Asyl beantragen, weil sie sich wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt fühlen.

Dann allerdings sind die Asylämter in der Bredouille: Denn wie weist man Homosexualität nach? Wie trennt man Lügner und Geschichtenerzähler von denen, deren Leben tatsächlich gefährdet ist, weil sie schwul, lesbisch oder bisexuell sind?

Zu einer ungewöhnlichen Methode haben in dieser Angelegenheit die tschechischen Behörden gegriffen: Bei dem als "phallometrischer Test" bezeichneten Prüfverfahren werden den Asylbewerbern heterosexuelle Pornofilme gezeigt, gleichzeitig wird der Blutfluss zum Penis gemessen.

"Um im Einzelfall eine sexuelle Orientierung festzustellen, sind phallometrische Tests kein sinnvolles Mittel", beurteilt der Sexualforscher Martin Dannecker im Gespräch mit sueddeutsche.de. Er erstellt seit Jahren Gutachten für die deutschen Behörden, wenn diese wissen wollen, ob ein Asylant tatsächlich homosexuell ist.

EU-Behörde: Grundrechte werden verletzt

Auch die EU-Grundrechteagentur kritisiert die Praxis. Sie sei entwürdigend und verstoße mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen die Grundrechtecharta der EU. Stattdessen schlägt die Agentur in ihrem Bericht vor, die sexuelle Orientierung mittels Interviews zu erfragen. Wörtlich steht in dem Bericht, eine "Selbstidentifikation" als Homosexueller solle als Hinweis gewertet werden.

Das sei nicht so naiv, wie es sich anhöre, erklärt Experte Dannecker. Er ist sich sicher, erkennen zu können, ob ein angeblicher Homosexueller auch tatsächlich einer ist. "Für mich stellt sich das meist recht deutlich dar", sagt er und erläutert den Unterschied: "Jeder kann von irgendwelchen sexuellen Handlungen berichten. Aber wer seine Geschichte erfindet, verwendet leere Klischees. Wenn mir die Betroffenen ihre Identitätsdiffusion beschreiben und ich bei ihnen Angst und Sehnsucht spüre, dann wird es glaubhaft." Dannecker ist überzeugt: So etwas lässt sich kaum erfinden.

Pranger des Schreckens

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