Tschechien Tschechiens Präsident Zeman muss in die Stichwahl

Der amtierende tschechische Präsident Milos Zeman tritt in zwei Wochen in der Stichwahl an.

(Foto: REUTERS)
  • Tschechiens Präsident Milos Zeman hat die erste Runde der Präsidentschaftswahlen klar für sich entschieden.
  • Er erlangte im ersten Wahlgang allerdings nur die relative Mehrheit und muss deswegen in die Stichwahl.
  • Dort tritt in zwei Wochen der parteilose Chemieprofessor Jiri Drahos gegen ihn an.

Die Tschechen haben in zwei Wochen die Wahl zwischen einem prorussischen und einem proeuropäischen Staatschef: Aus der ersten Runde der Präsidentenwahl ging am Wochenende Amtsinhaber Milos Zeman als Sieger hervor, er muss sich aber Ende Januar in einer Stichwahl dem Chemieprofessor Jiri Drahos stellen. Nach Auszählung von 99 Prozent der Wahlzettel komme Zeman auf einen Anteil von 38,8 Prozent, teilte die tschechische Statistikbehörde am Samstag mit. Auf dem zweiten Platz folgte der frühere Präsident der tschechischen Akademie der Wissenschaften, Jiri Drahos, mit 26,5 Prozent. Dritter war der ehemalige Diplomat Pavel Fischer. Laut einer Umfrage könnte der Proeuropäer Drahos Amtsinhaber Zeman in der Stichwahl schlagen.

Der konservative Ex-Ministerpräsident Mirek Topolanek lag abgeschlagen bei 4,3 Prozent. Zeman trat am Nachmittag vor die Presse. Er dankte seiner Frau, dem populistischen Ministerpräsidenten Andrej Babis und dem Schlagersänger Karel Gott für ihre Unterstützung im Wahlkampf. "Mit der zweiten Runde fängt alles bei Null an", sagte der Politik-Veteran und rief seine Anhänger zur Teilnahme an der Stichwahl auf.

Femen-Aktivistin stört Zemans Urnengang

Zeman hatte sich als Zuwanderungsgegner und Kämpfer für die kleinen Leute positioniert. Er pflegt gute Kontakte zu Moskau und Peking. Sein größter Herausforderer Drahos will den Nato- und EU-Mitgliedsstaat wieder stärker nach Westen orientieren. Drahos sagte im Fernsehen, er wolle vor der zweiten Runde alle Wähler ansprechen, auch die seiner Gegenkandidaten, und die politische Kultur verbessern: "Ich denke erst und rede dann."

Tschechiens polternder Präsident

mehr...

Nach einer Umfrage des Senders CT würdigten die Wähler bei Zeman seine starke Persönlichkeit und sein Durchsetzungsvermögen, bei Drahos seine Ehrlichkeit und seine Bildung. Der Wahlkampf für die Stichwahl dürfte nach Einschätzung von Beobachtern spannend werden.Es zeichnete sich mit rund 60 Prozent eine ähnlich hohe Beteiligung der knapp 8,4 Millionen Berechtigten ab wie bei der ersten Direktwahl des Staatsoberhaupts vor fünf Jahren. Der tschechische Präsident repräsentiert das Land im Ausland, ernennt die Verfassungsrichter und spielt eine Rolle bei der Regierungsbildung.

Bis auf einen Zwischenfall verlief die erste Wahlrunde ohne besonderen Vorkommnisse: Eine Aktivistin der ukrainischen Frauengruppe Femen war mit nacktem Oberkörper und dem Ruf "Zeman - Putins Schlampe" auf den amtierenden Präsidenten zugestürzt, als dieser seine Stimme abgeben wollte. Ein Leibwächter überwältigte die junge Frau. Zeman war im November im Schwarzmeerort Sotschi mit Kremlchef Wladimir Putin zusammengekommen und setzt sich für ein Ende der EU-Sanktionen gegen Russland ein.

Tschechien rückt nach rechts

Der wegen Betrugsverdacht angeklagte Milliardär Andrej Babis wird mit seiner Partei stärkste Kraft. Und diese Oligarchisierung der Politik ist nicht das einzige Alarmsignal: Die Kandidaten am linken und rechten Rand sind die Gewinner der Parlamentswahlen. Von Florian Hassel mehr...