Von Arne Perras

Im nordafrikanischen Tschad sind schwere Vorwürfe gegen einige europäische Helfer erhoben worden: Sie sollen versucht haben, mehr als hundert Kinder aus der Kriegsregion Darfur herauszuschmuggeln.

Neun Franzosen, darunter angeblich auch drei Journalisten, und eine spanische Flugzeugcrew hatten offenbar den Plan, die Kinder mit einem Charterflugzeug aus Abèche im Osten des Tschad auszufliegen. Sie sollten wegen des Verdachts auf Kindesentführung einem Richter vorgeführt werden, sagte der tschadische Innenminister Ahmat Mahamat Bachir am Montag dem Rundfunksender BBC.

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"Sie könnten für mehrere Jahre ins Gefängnis kommen." Frankreichs Premier Nicolas Sarkozy verurteilte das Vorhaben bereits als illegal und inakzeptabel. Nun sind schwierige Gespräche zwischen Paris und N'Djamena im Gange, um die Krise zu lösen.

Tschads Präsident Idriss Deby erklärte, dass die Affäre die Stationierung der geplanten EU-Friedenstruppe im Tschad nicht gefährden werde. Beide Staaten sind traditionell eng miteinander verbündet, Paris nutzt den Tschad als strategische Basis in Afrika, dafür stützen die Franzosen das autoritäre Regime Debys, das bei Wahlen kräftig fälscht.

Vieles ist widersprüchlich in diesem Drama. Die französische Hilfsorganisation "Arche de Zoé" behauptet, dass es sich bei den Kindern ausschließlich um Waisen aus Darfur handele. Angeblich haben sich Familien in Frankreich dazu bereit erklärt, sie aufzunehmen, um sie vor dem Tod zu retten. Die tschadische Regierung sieht das Vorhaben in einem anderen Licht: Demnach stammen die Kinder gar nicht aus Darfur, sondern aus dem Tschad - und wären beinahe Opfer von Kidnappern geworden.

Der Präsident kündigte harte Strafen gegen die mutmaßlichen Menschenschmuggler an, die Europäer werden derzeit noch verhört. Er sprach davon, dass die Kinder von ihren Eltern gestohlen worden seien, vielleicht mit dem Ziel, sie an pädophile Verbrecher zu verkaufen, oder sogar zu töten, um mit Organen zu handeln.

Die französische Regierung erklärte, dass die betreffende Organisation im Tschad ihren Namen geändert habe. So habe sie ihre Identität verschleiert. Die Kinder, um die es geht, sollen zwischen einem Jahr und zwölf Jahren alt sein. Sie sind in einem Heim in Abeche untergebracht. Paris zeigte Verständnis für die französischen Familien, die Kinder aus ihrer Not retten wollten, doch das Vorgehen der Organisation lehnte Frankreich vehement ab.

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(SZ vom 30.10.2007)