Obwohl ein französischer Atomkraftgegner vom Castor-Transport überrollt worden ist, wollen einige deutsche Demonstranten ihre Proteste - auch mit Gleisblockaden - durchsetzen.

Nach seiner Fahrt quer durch Deutschland hat der Atommülltransport ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben am Montagmittag Lüneburg passiert. Tausende Polizeibeamte sicherten die letzte, rund 50 Kilometer lange Schienenstrecke zur Umladestation Dannenberg.

Eine Atomkraft-Gegnerin demonstriert gegen den Übergang zur Tagesordnung (© Foto: ddp)

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Von dort sollten die zwölf Castor-Transportbehälter nachmittags mit Lastwagen ins rund 20 Kilometer entfernte Gorleben gebracht werden.

Atomkraftgegner kündigten vor Ort Protestaktionen und Sitzblockaden an.

Nach dem Unfalltod des 21-jährigen französischen Atomkraftgegners Sebastien Briat am Sonntag rief Umweltminister Jürgen Trittin Demonstranten und Polizei zur Besonnenheit auf.

Bürgerinitiative: Todeszug im doppelten Wortsinn

Zu einem solch tragischen Vorfall dürfe es in Zukunft nicht noch einmal kommen, sagte der Grünen-Politiker. Er sei entsetzt und schwer betroffen.

Die im Landkreis Lüchow-Dannenberg beheimatete Grünen-Europa-Abgeordnete Rebecca Harms sagte, die Lehre aus dem Unfall müsse sein, dass "auf normal schnell befahrenen Bahnstrecken solche Aktionen zu riskant sind".

Das gelte allerdings nicht für den bei Transporten für normalen Verkehr gesperrte Streckenabschnitt zwischen Lüneburg und Dannenberg.

Der Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, Dieter Metk, kritisierte, dass der "Todeszug im doppelten Wortsinn" nicht spätestens an der deutschen Grenze gestoppt worden sei, sondern trotz des Unfalls seine Fahrt fortgesetzt habe. Die Proteste gingen aber weiter: "Die Menschen im Wendland und ihre Unterstützer haben sich entschieden, ihren Widerstand weiter deutlich zu machen."

Zug stoppt nicht für Trauerminute

Jens Magerl, Pressesprecher der Protestgruppe "Widersetzten", hätte sich einen Moment der Besinnung und des Gedenkens gewünscht. Zu sueddeutsche.de sagte er: "Unser Vorschlag, den Zug zum Zeichen der Trauer für einen Moment zu stoppen, ist beim Bundesgrenzschutz gehört, aber nicht beachtet worden", kritisierte Magerl.

Auch wenn viele nach dem Unglück von Sonntag Sprachlosigkeit und Ohnmacht verspüren, wollen sich die Demonstranten laut Magerl weiterhin "dem Wahnsinn Castor widersetzen".

Robin-Wood-Sprecher Jürgen Sattari sagte, der tragische Tod werfe "einen sehr dunklen Schatten auf den Castor-Transport, die Nutzung der Atomenergie und auch auf die Aktionen, die wir hier geplant haben".

Robin Wood werde bei dem Transport definitiv keine Schienenblockade durchführen, habe aber auch von vornherein andere Aktionen geplant. Eine der beiden Straßenstrecken nach Gorleben war in der Ortschaft Langendorf durch etwa 20 Traktoren blockiert.

Auch ein Sprecher von Greenpeace betonte, man habe entschieden, den Protest fortzusetzen.

Bauern in Gewahrsam

Der Atommülltransport war am späten Vormittag nach Angaben von Atomkraftgegnern zwischen Celle und Uelzen kurzzeitig zum Stehen gekommen. Nach Auskunft der Initiative "X-tausend-Mal quer" gab es gegen 11.30 Uhr in Höhe von Bahnkilometer 107 eine Ankettaktion von Anti-Atomkraftaktivisten.

Details konnte der Sprecher zunächst nicht mitteilen. Die Einsatzleitung der Polizei in Lüneburg wollte keine Einzelheiten zum Verlauf des Transports mitteilen.

Laut den Atomkraftgegnern wurden in Tollendorf drei Bauern in Gewahrsam genommen, weil sie mit Treckern die Polizei angegriffen haben sollen. Die Polizei bestätigte, dass es in Tollendorf "einige" Ingewahrsamnahmen gab.

Während der Fahrt des 660 Meter langen Zugs mit zwölf Behältern hochradioaktiver Abfälle durch Rheinland-Pfalz und Hessen hatte die Polizei in der Nacht mindestens 14 Atomkraftgegner kurzzeitig in Gewahrsam genommen.

Gegen 06.00 Uhr musste der 2.900 Tonnen schwere Zug, der in der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague gestartet war, in Göttingen kurzzeitig anhalten, weil sich zehn Atomkraftgegner an der Bahnstrecke aufhielten.

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(sueddeutsche.de/dpa/AP/AFP)