Treffen deutscher Burschenschaftler Rückkehr des "Arier-Nachweises"

Auflösung, Spaltung oder Kompromiss - auf einer außerordentlichen Sitzung des Dachverbandes "Deutsche Burschenschaft" wollen die Mitglieder über ihre Zukunft beraten. Doch während die einen ein klares Zeichen gegen rechts fordern, wollen die anderen klären, wie deutsch ein Burschenschaftler sein muss.

Von Antonie Rietzschel

Nach dem gescheiterten Burschentag in Eisenach treffen sich die Mitgliedsbünde nun in Stuttgart.

(Foto: dpa)

Was ist deutsch und was nicht? Müssen vom Verfassungsschutz beobachtete Studentenverbindungen ausgeschlossen werden? Fragen, die in den kommenden Tagen die Mitglieder des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft (DB) beschäftigen. Am 22. November treffen sich die mehr als 115 Mitgliedsbünde für drei Tage in der Stuttgarter Sängerhalle, um über die Zukunft des DB zu beraten. Am Ende wird es aber während der außerordentlichen Sitzung vor allem darum gehen, ob die seit Monaten andauernden Streitereien zwischen den Burschenschaftlern endgültig zur Spaltung des Verbandes führen oder nicht.

"Ich hoffe, dass wir uns einigen können. Ansonsten werden einzelne Mitglieder ernsthaft über den Austritt nachdenken", sagt Michael Schmidt, Sprecher der als liberal geltenden Initiative Burschenschaftliche Zukunft (IBZ) im Gespräch mit Süddeutsche.de. Schließlich stelle man sich schon die Frage, warum man Geld an einen Verband zahle, der derzeit nicht handlungsfähig sei und in den Medien mit einer Gesinnung in Verbindung gebracht würde, die man selbst nicht vertrete.

Der Antrag zur Einführung eines "Arier-Nachweises" über die Deutschstämmigkeit von Mitgliedern der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczecks zu Bonn hatte im Juni vergangenen Jahres die Frage aufgeworfen, wie mit rechtsextremen Tendenzen innerhalb des DB umgegangen werden soll. Christian Becker, damals noch "Alter Herr" der Raczecks, gründete die Initiative Burschenschafter gegen Neonazis. Im Juni 2012 sorgten deren Anhänger auf dem Eisenacher Burschentag für einen Eklat - sie stellten einen Antrag zur Auflösung des Dachverbandes. Rechtsextremismus solle nicht länger geduldet und offiziell finanziert werden, hieß es in der Begründung.

Der Vorstoß scheiterte. Noch während des Burschentags traten fünf Führungsmitglieder zurück, darunter auch Michael Schmidt von der IBZ. Auslöser war die Wiederwahl des Vorstandsmitgliedes Norbert Weidner zum "Schriftleiter" der Dachverbands-Zeitung Burschenschaftliche Blätter. Weidner, ebenfalls Mitglied bei den Raczecks, hatte zuvor einen Leserbrief in deren Zeitung, dem Bundesbrief, veröffentlicht. Darin bezeichnete er den NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als "Landesverräter".

Heute gelte es "als en vogue, jegliche Kritik am Nationalsozialismus zu glorifizieren, auch wenn die damaligen Kritiker sich zu Lasten von Deutschland und seinen Volksangehörigen wendeten", schrieb er. Angesichts der drohenden Spaltung des Dachverbandes musste der Eisenacher Burschentag damals vorzeitig abgebrochen werden. Christian Becker wurde im September dieses Jahres wegen "verbandsschädigendem Verhalten" aus seiner Burschenschaft ausgeschlossen.