Russland, China und die früheren Sowjetrepubliken Zentralasiens haben am Donnerstag ihren Willen demonstriert, ein Machtzentrum abseits des Westens zu etablieren.
Bei ihrem Jahrestreffen in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek bekundeten die Staatsführer der Schanghai-Gruppe ihren Wunsch nach verstärkter energiepolitischer, aber auch militärischer Zusammenarbeit. "Es entstehen neue Zentren des Einflusses und des Wirtschaftswachstums", sagte der russische Präsident Wladimir Putin.
Bild vergrößern
Der chinesische Präsident Hu Jintao und Russlands Staatschef Wladimir Putin. (© Foto: dpa)
Anzeige
Zusammen mit den anderen Mitgliedern der Schanghai-Gruppe trete Russland für die Stärkung einer multipolaren Weltordnung ein. In der Vergangenheit hatte Putin den USA vielfach vorgeworfen, die Weltpolitik dominieren zu wollen.
In der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) sind seit 2001 Russland, China, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan zusammengeschlossen, um vor allem im Kampf gegen Terrorismus und Separatismus zu kooperieren. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad nutzte das Treffen, an dem er als Gast teilnahm, für Kritik an der geplanten Raketenabwehr der USA. "Leider haben sich einige Länder daran gewöhnt, aus einer Position der Gewalt und Bedrohung zu sprechen", sagte er.
Hu trifft Ahmadinedschad
Der chinesische Präsident Hu Jintao forderte Iran indes auf, flexibel an einer friedlichen Beilegung des Streits um das Atomprogramm des Landes mitzuwirken. China verstehe aber die iranischen Sorgen in dieser Frage, sagte Hu nach einem Treffen mit Ahmadinedschad. Ähnlich wie Indien, Pakistan und die Mongolei genießt Iran in der Schanghaier Organisation lediglich Beobachterstatus. Eine Aufnahme Teherans als Vollmitglied steht derzeit nicht zur Debatte.
Putin machte in Bischkek klar, dass Russland den Ausbau der Gruppe zu einer schlagkräftigen Regionalorganisation anstrebt. "Jahr für Jahr entwickelt sich die Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit zu einem wichtigeren Faktor für die Stärkung der Sicherheit und Stabilität in der zentralasiatischen Region", sagte Putin.
Den Mitgliedstaaten schlug er eine intensivere Zusammenarbeit im Energiebereich vor. Sie liege im Interesse aller Länder der Gruppe. Mit Russland einerseits und China andererseits vereinigt die Organisation zwei der größten Energielieferanten bzw. Energieverbraucher der Welt. China ist auf verstärkte Lieferungen sowohl aus Russland als auch aus den zentralasiatischen Staaten angewiesen.
"Sicherheit und Stabilität in der Region hängen von der gemeinsamen Anstrengung der Staaten der Region ab", sagte Hu Jintao. Zeitgleich mit dem Jahrestreffen findet in der russischen Uralregion ein Militärmanöver der Schanghaier Organisation statt, das die sechs Staatsführer am Freitag besuchen wollten.
Region mit erheblicher strategischer Bedeutung
An der "Friedensmission 2007" genannten Übung nehmen etwa 6500 Soldaten teil. Das mit schwerer Waffentechnik geführte Manöver dient angeblich der Übung des gemeinsamen Kampfes gegen Terrorismus, Separatismus und Drogenschmuggel. Bereits 2003 und 2005 waren ähnliche Übungen abgehalten worden.
Nach den Worten Putins arbeiten die Schanghai-Länder daran, gemeinsam operativ auf Gefahren für die Region zu reagieren. Dies erhöhe das Potential der Organisation im Sicherheitsbereich. Diese Entwicklung dürfte vor allem von den USA aufmerksam verfolgt werden, die in der Region selbst militärisch vertreten sind, etwa durch eine Basis in Kirgistan.
Nicht nur für die USA, auch für Deutschland und andere Nato-Länder ist die Region wegen der Nähe zu Afghanistan von erheblicher strategischer Bedeutung. Putin machte sich während des Treffens in Bischkek auch für ein stärkeres Engagement der Schanghai-Gruppe in Afghanistan stark und regte eine gesonderte Konferenz zu diesem Thema an.
(SZ vom 17.08.2007)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Ohne die USA, und erst recht gegen Sie, wird es sehr, sehr schwer werden, der sich ausbreitenden politischen Pornographie stand zu halten.
Fragen Sie mal Herrn Schäuble !
17.08.2007 16:14:01
ArchiA: Totgesagte leben länger!
Der Westen wurde schon oft zu Grabe getragen.
Ein einzelner US-Präsident, auch wenn er so unfähig und konzeptionslos ist wie G.W.B, kann die westliche Zivilisation und ihre Errungenschaften höchstens nur kurzfristig in Verruf bringen.
Zudem ist die europäische Kultur, wenn man von Amerika mal absieht, mit allem was sie an Werten, Freiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten bietet, zumindest für mich, konkurrenzlos.
17.08.2007 14:10:11
"Der Westen" existiert nicht mehr !
Dank Bush & Co. hat er sein wichtigstes Gut, seine "moral superiority" verloren.
Die sogn. "westliche Wertegemeinschaft" ist durch "Unilateralismus" (und der ist offizielle Staatsdoktrin der USA !), Guantanamo und der Ablehnung des intern. Kriegsverbrechertribunals mit Stumpf und Stiel beseitigt worden.
@17.08.2007 14:10:11 ArchiA: Eine Wertegemeinschaft
Russland, China, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan dazu noch Iran als Beobachter, um nur die wichtigsten zu nennen.
Das ist eine Ansammlung der übelsten Diktaturen dieser Welt und damit in der Tat ein Gegenpol zum Westen.
Worauf diese Herren wohl ihre Zusammenarbeit gründen wollen? Wahrscheinlich auf der Gemeinsamkeit der Werte: keine Demokratie, keine Freiheit, Unterdrückung der freien Meinung und der Presse, Verfolgung Andersdenkender, Personenkult etc.
Und von den gemeinsamen Werten abgesehen, wie soll diese heilige Allianz funktionieren bei all den gegensätzlichen Interessenlagen ihrer Mitglieder?
Vielleicht kann mir das einer von den Weltkennern hier erklären, die sich der hoffnungsvollen Einbildung hingeben, ein paar asiatische Despoten könnten tatsächlich eine Alternative für die westlich dominierte Weltordnung darstellen.
Gleichgewicht? Wenn man zei schwere Säcke an die Enden einer dünnen Holzstange bindet und diese an ihrem Gleichgewichtspunkt fixiert, mag das ein Ausdruck von Gleichgewicht sein. Die Stange wird aber möglicherweise durchbrechen.
Die menschlichen Wirtschaftstätigkeiten sind für die Natur dieses Planeten immer noch in einem MAße unverträglich, dass am Ende auch die Zerstöring der Biosphäre stehen könnte.
Sicher ist der beginnende Aufmarsch des Westens in Afghanistan auch der strategischen Beherrschung dieses zentralasiatischen Machtzentrums geschuldet, welches da in Dualität zum Westen entstehen könnte. Doch wirf die überlebensfrage des 21. Jahunderts nicht das Problem auf, wer hier wen mit welcher Effizeinz bekämpfen und in die Schranken weisen kann. Eine Wirtschaft, wie sie in China ihr Unwesen treibt, vernichtet immer noch mehr an natürlichen Ressourcen, als sie an BIP erzielt. Wenn dann auf globaler Ebene eine solche Mißwirtschaft betrieben würde, um sich gegenseitig zuübertreffen und auszuschalten, gingen infolge des dadurch eintretenden planetaren Umweltdesasters eben alle zusammen drauf.
Bei Dummheit gibt es kein Gleichgewicht, lediglich eine fatale Gesamtwirkung.
Paging