Nach der Wiederwahl von US-Präsident George W. Bush will die Europäische Union einen Neuanfang der transatlantischen Beziehungen. Im Gegensatz zu Blair mahnte Chirac jedoch in Brüssel seine Kollegen: Angesichts der starken US-Politik müsse Europa mehr denn je die eigene Einheit und wirtschaftliche Dynamik stärken.
Beim EU-Gipfel in Brüssel brachen zwischen Frankreich und dem engen USA-Verbündeten Großbritannien alte Streitigkeiten wegen des Irak-Kriegs wieder auf.
Chirac fordert eine stärkere Einheit Europas. (© Foto: Reuters)
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Dennoch bekundeten alle 25 Staats- und Regierungschefs die Bereitschaft, eng mit Bush zu kooperieren. Der Gipfel war auch geprägt von der Sorge um den todkranken Palästinenser-Präsidenten Jassir Arafat.
Für Unmut bei den Gegnern des Irak-Krieges sorgte der nach Brüssel eingeladene irakische Ministerpräsident Ijad Allawi mit Äußerungen, dass die "Zuschauerstaaten" wie Frankreich und Deutschland mehr helfen sollten.
Chirac wollte noch vor dem Mittagessen der Gipfelrunde mit Allawi wegen anderer Verpflichtungen abreisen. Spekulationen über einen Streit mit Allawi wies Chirac aber zurück: "Ich habe mich niemals geweigert, Allawi zu treffen."
Unterschiedliche Akzente setzten Chirac und der britische Premier Tony Blair beim künftigen Verhältnis zu den USA. Chirac sagte, angesichts der starken US-Politik müsse Europa "mehr denn je die eigene Einheit und wirtschaftliche Dynamik stärken".
Blair hingegen forderte seine Kollegen auf, ihre "Verweigerungshaltung" nach der Wiederwahl von Bushs aufzugeben.
In einer gemeinsamen Erklärung der 25 Staats- und Regierungschefs hieß es, Europa und die USA seien "natürliche und für einander unverzichtbare Partner". Sie seien gemeinsam dafür verantwortlich, den großen Bedrohungen wie Regionalkonflikten, Terrorismus und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen entgegenzutreten.
Dem Irak stellte die EU ein Handelsabkommen in Aussicht und sagte 30 Millionen Euro für die Unterstützung der für Januar geplanten Wahlen zu. Außerdem soll bis Ende November ein Expertenteam entsandt werden und mit Planungen für eine künftige Polizei- und Zivilverwaltungsmission beginnen.
Die EU will die Bildung eines Palästinenser-Staates vorantreiben und dafür die USA wieder ins Boot holen. Angesichts des kritischen Zustandes Arafats forderte die EU die Palästinenser-Behörde auf, das Funktionieren der Verwaltung sicherzustellen. Die Gipfelteilnehmer mahnten ein "hohes Maß an Verantwortungsgefühl" an und bekundeten ihre Solidarität mit dem palästinensischen Volk.
(dpa)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev