Die Veteranen kommen zurück. Immer mehr sind traumatisiert und werden ihre Erinnerungen nicht los. Was das heißt, lernen die Deutschen jetzt wieder.
Es gibt Momente, da wird Claude Thomas von einem Sog erfasst und in die Vergangenheit gerissen. Ohne Vorwarnung, ganz plötzlich. Im Supermarkt etwa: Ein Griff ins Regal - und er wittert Gefahr: Die Dose dort ist womöglich gar keine Dose, sondern eine Sprengfalle. Eine Wolke am Himmel, der Knall einer Autotür, und alles ist wieder da. Nachts im Halbschlaf, wenn es still ist, kann er den Krieg riechen. Er riecht nach Blut. Dann weiß er einen Augenblick lang nicht, ob er träumt oder ob er wieder in Vietnam ist: Crew-Chief Claude Thomas aus Pennsylvania, 116. Assault Helicopter Company.
"Der Schrei" von Edvard Munch symbolisiert das Entsetzen des Krieges - durch die heimkehrenden Bundeswehrsoldaten nun in Deutschland wieder ein größeres Thema. (© Foto: dpa)
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Sie haben den Hubschrauber geparkt, die Wachen schlafen, als in der Nacht der Vietcong die Stellung überrennt. Chaos bricht aus, ein Irrsinn aus Angst und Gewalt. Im Dunkeln kann Claude nicht erkennen, wen er umbringt; Freund und Feind sind im Nahkampf kaum mehr zu unterscheiden. Als das Töten endet, bleiben die Schreie der Verwundeten und Sterbenden. Von 135 US-Soldaten blieben nur 15 oder 20 unversehrt. Alle anderen sind tot oder verletzt.
Den Krieg gegen sich selbst beenden
Claude, 18 Jahre alt, fasst einen Entschluss: Er wird fortan niemandem mehr vertrauen, denn die Gefahr lauert überall. Er wird ein guter Soldat. Bloß schlafen kann er nicht mehr. Mit seinem Maschinengewehr vom Typ M60, Kaliber 7,62 Millimeter, erschießt er vom Hubschrauber aus viele Menschen. Er fühlt nichts dabei. Es ist wie im Traum.
An die Gesichter der Toten erinnert er sich 40 Jahre danach noch, jeden Tag. Claude Thomas heißt jetzt Claude Anshin Thomas. Anshin bedeutet Friedensherz; es ist sein buddhistischer Name. Am 6. August 1995, genau 50 Jahre nach dem Abwurf der ersten Atombombe über Hiroschima, hat er sich zum Zen-Mönch der japanischen Soto-Tradition weihen lassen. Er sagt, der einzige Krieg, den er beenden könne, sei der Krieg gegen sich selbst. Er sagt, seine Geschichte sei die Geschichte aller Soldaten. Die Geschichte der Sieger und Verlierer des Zweiten Weltkriegs, der amerikanischen Irak-Veteranen. Es ist auch die Geschichte der deutschen Heimkehrer aus Afghanistan.
Etwa 62.000 Soldaten der Bundeswehr waren in den vergangenen drei Jahren im Ausland eingesetzt, in Bosnien, im Kosovo und in Afghanistan. Die Öffentlichkeit gewöhnte sich daran, dass Soldaten bei Anschlägen verletzt oder getötet werden. Doch erst ein Fernsehdrama der ARD über einen jungen Afghanistan-Heimkehrer öffnete den Deutschen die Augen für ein vergessenes Phänomen.
Die Angst macht keinen Unterschied zwischen Täter und Opfer
Mit der Zahl der immer gefährlicheren Auslandseinsätze wächst hier wieder eine gesellschaftliche Gruppe heran, die fast verschwunden war: die Kriegsveteranen. Im Gegensatz zum US-Soldaten Claude Thomas haben die meisten von ihnen im Einsatz keinen einzigen Schuss abgegeben, geschweige denn einen Menschen getötet. Aber sie lebten über Monate hinweg in Angst vor Anschlägen, sie haben Tote und Verwundete gesehen, Hunger und Armut erlebt, wie es sich die Deutschen zu Hause längst nicht mehr vorstellen können.
Für viele von ihnen hört der Krieg nicht auf: 245 Mal diagnostizierten die Psychologen der Bundeswehr im vergangenen Jahr bei Soldaten eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). 245 Fälle - das mag auf den ersten Blick verschwindend gering erscheinen im Vergleich zu den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals gab es die Diagnose zwar noch nicht, dafür war aber eine ganze Generation traumatisiert.
Die zerstörerische Kraft der Angst macht keinen Unterschied zwischen Tätern und Opfern. Sie kann jeden zerbrechen. Bei Gewittern zuckten Väter und Großväter zusammen; der Donner klang für sie wie ein Luftabwehrgeschütz. In Aufzügen erkannten sie Bunker oder Unterstände, und somit tödliche Fallen. Ein Spaziergang über den Stadtplatz kam für sie einem Himmelfahrtskommando gleich - in jedem Fenster ringsum konnte ein Scharfschütze lauern.
Auf der zweiten Seite erinnert ein Psychologe an das Lebensgefühl der Nachkriegszeit - und erklärt, warum Soldaten nicht zurück in den Frieden finden.
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Frauen in Saudi-Arabien
Ich bin Jahrgang 51. Von den Vätern meiner KlassenkollegInnen kann ich nur sagen, weit über 50 % waren Soldaten im Krieg. Von meines Vaters Klasse (Abiturjahrgang 1938) sind nahezu ein Drittel gefallen. Wie konnte dieser Mann so ganz ohne psychologische Hilfe ein erfolgreiches Leben aufbauen ?
schützenkönig, gemach und richtig lesen: "Man stelle sich vor..." Zum Sinn der BW habe ich mich nicht geäußert.
und wenn schon, bitte es muss heißen: Vor Ihnen kann einem angst......
Man stelle sich vor, diese Trauma-Truppe müsste mal unser Land verteidigen, also das tun, wofür sie eigentlich da sind. Da kann einem ja angst und bange werden.
Die deutschen Soldaten lassen sich immerhin freiwillig auf dieses Kriegsabenteuer ein, während die afghanische Zivilbevölkerung keine Wahl hat.
Die Afghanen sollten in einer Volksabstimmung darüber entscheiden ob sie weiterhin ausländische Truppen auf ihrem Territorium wünschen und die Deutschen in einer Volksabstimmung darüber befinden ob sie Krieg wollen. Das wäre Demokratie.
Zitat: "Sechs Millionen Menschen wurden in Indochina von den US-Soldaten ermordet."
Damals zählten die Kriegsverbrecher noch und der Konzens ist die Zahl drei (3) Millionen Vietnamesen ... gegenüber 59.000 US-Soldaten -- nicht etwa, dass die halbe Opferzahl die Taten der USA relativieren könnte, aber wir sollten schon bemüht sein, nicht zu übertreiben.
Warum wir Deutschen in Afghanistan mitmachen, muss hier immer wieder gefragt werden -- denn Struck, und nun Merkel und Jung, belügen uns täglich. Es gibt keine, wirklich keine, Rechtfertigung für diesen "Einsatz".
Es ist eine Riesen-Tragik, sowohl für unsere Soldaten, als auch für die Bevölkerung in Afghanistan. Letztlich wird sich die NATO dort ohnehin nicht halten können, dafür ist der Hass durch die US-Bombardierungen und die täglichen Erniedrigungen durch den US-"trash in uniform" einfach zu mächtig geworden. Jedes Opfer, das heute noch dort stirbt ist völlig umsonst, das Ende des Konfliktes ist absehbar (NATO zieht mit eingezogenem Schwanz dort ab). Ich hoffe nur, dass dies bald geschieht -- aber da sind ja wohl Merkel und Jung mit dieser unbedarften hündischen Vasallenschaft gegenüber dem Imperium aussen vor, ... da wird mitgegangen bis zum bitteren Ende.
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