Nach massiver Kritik wegen der Trauerrede für seinen Amtsvorgänger Filbinger hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger "Missverständnisse" bedauert.

Günther Oettinger (CDU) bedauerte in seinem Offenen Brief die öffentliche Wirkung seiner Trauerrede. Er wies Kritik zurück, er habe mit der Würdigung Filbingers die Nazi-Zeit relativieren wollen.

Günther Oettinger

(© Foto: dpa)

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"Ein solcher Eindruck war von mir in keiner Weise gewollt. Soweit Missverständnisse in dieser Hinsicht entstanden sind, bedauere ich dies ausdrücklich", betonte der Regierungschef am Nachmittag in einer Erklärung, die der Nachrichtenagentur dpa vorlag.

Für die Landesregierung, für die CDU Baden-Württemberg und für seine Person sei und bleibe es eine Selbstverständlichkeit, "dass wir uns zu unserer historischen Verantwortung bekennen".

Die Opfer des Dritten Reiches, der Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die generelle Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus würden nicht vergessen.

Schwieriges nicht nachtragen

In der Erklärung an seine Kritiker versicherte Oettinger: "Ihre Reaktion auf meine Trauerrede für Hans Filbinger bewegt mich, und ich nehme Ihre Kritik sehr ernst."

Allerdings sei die Rede "in erster Linie an die Familie des Verstorbenen und an die Trauergemeinde, darunter eine große Zahl von langjährigen Freunden und Weggefährten", gerichtet gewesen.

Bei derartigen Anlässen gehöre es zu den Gepflogenheiten, "Verdienste und das Lebenswerk des Verstorbenen positiv zu würdigen und ihm die schwierigen Phasen seines Lebens - ohne sie zu verschweigen - nicht nachzutragen."

Oettinger hatte Filbinger bei der Trauerfeier in Freiburg am Mittwoch bescheinigt, er sei "kein Nationalsozialist" gewesen, sondern "ein Gegner des NS-Regimes". Es gebe kein Urteil von Filbinger, "durch das ein Mensch sein Leben verloren" habe.

Filbinger hatte Baden-Württemberg von 1966 an regiert. 1978 trat er zurück, nachdem mehrere Todesurteile gegen Deserteure bekannt geworden waren, an denen er als NS-Marinerichter gegen Ende des Zweiten Weltkriegs mitgewirkt hatte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rügte Oettinger am Freitag wegen der Rede in ungewöhnlicher Form öffentlich.

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(dpa)